Merkels Kandidatur stößt nicht überall auf Gegenliebe

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kandidiert erneut.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kandidiert erneut.
Foto: Kay Nietfeld
Die Stimmen zur Kandidatur von Angela Merkel als Kanzerlin sind in Düsseldorf gemischt. Manch einer spricht von einer „gähnenden“ Leere innerhalb der CDU.

Düsseldorf.  Angela Merkel wird erneut als Kanzlerkandidatin antreten. Es wäre ihre vierte Amtszeit, wenn sie die Wahl gewinnt. Innerhalb der eigenen Partei ist die Freude darüber groß. Sie sei eine sehr erfahrene Parteivorsitzende und die beste Wahl. „Es ist aber auch nicht so, dass andere Personen nach vorne stürmen und sich aufdrängen“, so dien Düsseldorfer CDU-Abgeordnete Sylvia Pantel. Zudem habe Merkel die CDU ruhig und verlässlich geführt und auch in Europa das beste Händchen gehabt. Außerdem solle man in der „schwierigen Zeit keine Experimente“ eingehen, so Pantel.

Auch der Düsseldorfer CDU-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek ist sehr glücklich über die erneute Kandidatur. „Wenn man Alternativen bräuchte, würde man welche finden. Aber sie ist einfach verdammt gut.“ Zu ihrem Erfolgsgeheimnis gehört laut Jarzombek, dass sie immer offen ist und „nicht so verbohrt“ wie andere Politiker.

Wagenknecht hält Merkel für „die falsche Regierungschefin“

Aus Sicht der Linken hingegen ist Merkel die falsche Regierungschefin für die kommende Wahlperiode. „Sie hat die soziale Spaltung in Deutschland vertieft, sie hat die AfD groß gemacht“, sagte die Fraktionsvorsitzende und Düssledorfer Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht. „Und ich glaube, niemand sollte sich wünschen, dass das noch vier Jahre so weiter geht.“ Nötig sei endlich eine andere Politik, „eine, wo sich die Menschen nicht mehr im Stich gelassen fühlen, abgehängt fühlen“, sagte Wagenknecht. „Und da sehe ich bei Frau Merkel wenig Ansatzpunkte.“

Mona Neubaur aus Düsseldorf, Landes-Chefin der Grünen, hat mit Merkels Kandidatur „fest gerechnet“: „In der Union war ja auch weit und breit kein ernsthafter Gegenkandidat zu erblicken. Im Wahlkampf werden wir die Auseinandersetzung mit Merkel und der CDU suchen. Es muss darum gehen, wie endlich wirksame Klimaschutzkonzepte umgesetzt werden, wie die Gesellschaft zusammen gehalten wird und wir müssen aufzeigen, wie sich die EU zu einem starken solidarischen Europa weiter entwickeln kann.“

Auch der Düsseldorfer SPD-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus sieht die erneute Kandidatur kritisch. „Nichts Neues im Westen“, so Rimkus, „der CDU fällt nichts anderes mehr ein. Nach Merkel kommt eine gähnende Leere.“ Das sei nicht nur für die Christdemokraten, sondern auch für das Land sehr betrüblich. Für die SPD regional sei das allerdings ein Zeichen, den Aufbruch zu wagen. In den eigenen Reihen herrsche eine große Aufbruchstimmung. Zudem sieht sich die NRW SPD in den eigenen Reihen gestärkt und gefestigt – nicht zuletzt auch durch die Wiederwahl von Hannelore Kraft mit 98 Prozent der Stimmen als Chefin der SPD in Nordrhein-Westfalen. Zu dem möglichen eigenen Kanzlerkandidaten Sigmar Gabriel möchte sich Rimkus nicht äußern. „Wir sind da sehr tiefenentspannt. Es herrscht keine Eile.“ Vielmehr habe er das Gefühl, dass Merkel momentan die getriebene ist, „auch wegen der Ereignisse in den letzen Wochen“.

DGB-Stadtverband nimmt Merkels Kandidatur „positiv zur Kenntnis“

Die Düsseldorfer FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann äußert sich gewohnt bissig zur erneuten Merkel-Kandidatur. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Düsseldorfer FDP-Vorsitzende und stellvertretende Bundes-Chefin ihrer Partei, äußert sich gewohnt bissig: „Frau Merkel hat in den letzten elf Jahren so viele Männer weggebissen, so dass wir jetzt wohl noch 20 Jahre länger mit ihr leben müssen. Denn so lange braucht es, bis die CDU wieder Alternativen aufgebaut hat.“

Bei dem DGB-Stadtverband habe man die Ernennung „positiv zur Kenntnis“ genommen, sagt die Vorsitzende Sigrid Wolf. „Wir nehmen mit, dass sie eine hohe Anerkennung hat. Die nochmalige Kandidatur ist auch ein Zeichen von Stabilität“, so Wolf. Das sei in der heutigen Zeit wichtig. Durch diese Stabilität könne auch dem Rechtspopulismus Einhalt geboten werden.

 
 

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