Menschen mit Geschichte(n)

Der Autor Thomas Christen.
Der Autor Thomas Christen.
Foto: Ingo Lammert

Düsseldorf..  Betrachtet man das Leben des Düsseldorfer Autors Thomas Christen, stößt man auf einen klaren Bruch. 20 Jahre schrieb Christen Schlagertexte für Udo Jürgens, Milva und Veronika Fischer - jetzt stellt er sich als Romanautor vor. „Irgendwann war es genug. Alles wiederholte sich“, erinnert sich der 57-Jährige. Christen begann mit Lyrik, der erste Band erschien 2007. Später fing er an, „die Erzählungen, die er im Kopf hatte“ zu Papier zu bringen, bis hin zur fertigen Geschichte. Über die Zusage des Secession Verlages staunt er allerdings noch heute: „Das war ein kleines Wunder.“

Ein Wunder, weil Christen von Lektorats-Besuchen weiß, dass sich Umschläge mit Manuskripten förmlich bis zur Decke stapeln. „Das ist kein Wunder, sondern hat mit der Sprache und dem Stoff deines Buches zu tun“, entgegnete Michael Serrer vom Literaturbüro. Im Februar kann sich jeder von Christens Erstling „Der Abend vor der Nacht“ überzeugen - im Rahmen der Lesereihe „Frisch gepresst“. Gastgeber sind Literaturbüro und Stadtbüchereien.

Frisch gepresst sind sie alle, die sieben Bücher, die bis zum Sommer in der Zentralbibliothek unter dem Titel „(Schein-)Heiligkeit und große Gefühle“ vorgestellt werden. Keins ist älter als ein Jahr. Ein Werk lag gestern noch nicht einmal in gedruckter Form vor.

Die Reihe startet zum 14. Mal und hat sich vorgenommen, die regionale Literatur zu fördern. Dabei haben Autoren, Stoff oder der Verlag einen Bezug zum Rheinland. Stapelweise haben Annette Krohn (Stadtbüchereien) und Michael Serrer Bücher gesichtet und betonten gestern: „Wir hätten auch die doppelte Menge vorstellen können.“ Derart viele gute Neuerscheinungen gibt’s.

Den Anfang macht Christoph Peters, den Serrer als „einen der wichtigsten deutschsprachigen Autoren“ bezeichnet. Er liest am 15. Januar aus „Wir in Kahlenbeck“, einem Roman über das Erwachsenwerden, der sich um den 15-jährigen Carl dreht, der Anfang der 80er in einem strengen katholischen Internat heranwächst. Lebensgeschichten faszinieren auch Tatjana Kuschtewskaja. Ihr Roman „Russinnen ohne Russland“ beschreibt achtzehn Frauenschicksale, von der Malerin bis zur Yogalehrerin. Versprochen wurde gestern ein unterhaltsamer März-Abend. Zum vorigen Gastspiel brachte die Autorin russisches Bier mit.

Die Aufzeichnungen eines krebskranken Menschen hat Christoph Schmitz, Kulturredakteur beim Deutschlandfunk, zu Papier gebracht. „Das Wiesenhaus“ dreht sich um die Angst und die Suche nach Wahrheit. Im Mai präsentiert Thomas Druyen, Ex-Mann der Schauspielerin Jenny Jürgens, dann ein Sachbuch. „Krieg der Scheinheiligkeit“ macht einen Krieg der Kulturen aus. Die weltweiten Krisen vor Augen kommt Druyen zu der Erkenntnis: Der Mensch ist konsequent überfordert. Eine Entwicklung mit fatalen Folgen... Krohn versprach gestern „ein Plädoyer für den gesunden Menschenverstand.“

Und während Jasna Mittler ihren Lesern im Juni „Meine erste bis neunundneunzigste Liebe“ vorstellt - von der Sandkastenliebe bis zur großen Illusion, und Mario Giordano in seinem Buch „1000 Gefühle - für die es keine Worte gibt“ Revue passieren lässt, widmet sich Thomas Christen bereits im Februar der Begegnung zweier Männer. Ein 78-jähriger Kunsthändler ist an Demenz erkrankt. Am Abend vor seiner Einweisung in ein Pflegeheim trifft er auf den jungen Steven Blake. Ein schicksalhaftes Zusammenspiel. Christen arbeitete selber ehrenamtlich mit Demenzkranken. Dennoch habe er keine Fallstudie schreiben wollen, sagte er, „sondern eine Erzählung über das Erinnern.“

Die Lesungen sind an jedem dritten Dienstag im Monat um 18 Uhr in der Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1. Der Eintritt ist frei. Erster Termin ist der 15. Januar.

 
 

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