Meisterhaft!

Im Bild das Triptychon Purgatorium-Paradies-Hölle von Wilhelm von Schadow aus den Jahren 1848-1852. Foto: Kai Kitschenberg
Im Bild das Triptychon Purgatorium-Paradies-Hölle von Wilhelm von Schadow aus den Jahren 1848-1852. Foto: Kai Kitschenberg
Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf.. Weltklasse! Das sind die Seelen-, Landschafts- und Genrebilder, Seestücke und Stillleben, die Gesicher, Roben, Buchten, Berge, ja, sogar die Äpfel und Trauben. Das sind überhaupt alle diese opulenten Prachtgemälde, aufgereiht bis unters Dach, aber auch die Zeichnungen, Skulpturen, Druckgraphiken und Illustrationen. Das sind 450 Werke, das sind Schirmer, Hübner, Hasenclever, Achenbach - das ist die ganze Epoche, die Düsseldorfer Malerei in alle Welt trug.

Und so kam es, dass die Stühle bei weitem nicht ausreichten für die Journalisten, die sich bei der Präsentation auf die Blöcke traten. Mit „Die Düsseldorfer Malerschule 1819 - 1918“ eröffnet das Museum Kunstpalast Samstag ein Ausstellungshighlight. Und so türmten sich vorab die Superlative wie Farbschichten übereinander: atemberaubend, prachtvoll, bombastisch, überwältigend - Weltklasse eben!

Ein sinnliches Erlebnis

Überwältigend ist allein der Weg durch die Schau. 17 internationale Museen und Sammlungen stellten Werke zur Verfügung. Fast 2500 Ausstellungsquadratmeter, vier Etagen, gilt es zu erkunden, wobei jedes Bild zu Recht Zeit beansprucht. Und so bräuchte man Tage, um alles tatsächlich zu begreifen, um alle Geschichten in sich aufnehmen zu können, die man uns hier erzählt. Von der Opulenz der Christen- und Historienbilder über die Revolution von 1848 bis zum Aufbruch in die Moderne, zu Impressionisten wie Liebermann und Monet. Wie sagte Kuratorin Bettina Baumgärtel, Leiterin der Gemäldesammlung, bei der gestrigen Ausstellungspräsentation: „Das Werk ist vollbracht!“

Ausstellung am Broadway

Das ist es, und es wirkt. Zum einen als sinnliches Erlebnis; wie wunderbar, wie ästhetisch, wie perfekt kann Malerei sein! Wie detailliert lassen sich Stimmungen in Szenen, sogar in Gesichter packen! Zum anderen aber fasziniert die Ausstellung als wissenschaftliche Aufarbeitung eines Themas, betonte Museumschef Beat Wismer. Denn die Düsseldorfer Malerschule steht für ein internationales Phänomen, das 1819 mit der Wiederbegründung der Königlich-Preußischen Kunstakademie begann. Damals fiel die Entscheidung, dem 30 000-Seelen-Nest Düsseldorf die Akademie zu überlassen. Wenn man so will, der Beginn eines modernen Kunstmarktes: Künstler kamen, um zu studieren. Sie malten, dichteten, musizierten und feierten zusammen, gründeten Vereine, die Ausstellungen zeigten - an der heutigen Heine-Allee entstand ein Galerienviertel. Und so war die Stimmung am Rhein so schön, ließ es sich im 19. Jahrhundert im Dunstkreise Schadows gut von der Malerei leben.

Der Lehrbetrieb begann 1822. Erster Akademierektor war Peter von Cornelius. Er blieb kurz, bis 1824, und machte dann Platz für Wilhelm von Schadow, den Vater der Malerschule. Wie weit sein Einfluss und der seiner Schüler am Ende reichte, zeigt eine Tafel im Erdgeschoss, die aussieht wie ein moderner Flugplan. Pfeile weisen bis Skandinavien und sogar Neuseeland, bis nach Kanada und die USA. Am Broadway wurde der Düsseldorfer Stil seinerzeit mit großem Erfolg ausgestellt.

700 Künstler werden heute zur Malerschule gezählt. Was an Inhalten zusammenkam, zeigt der Rundgang. Da sind die Seelenbilder der Schadowschüler, da ist das Triptychon „Purgatorium-Paradies- Hölle“ des Meisters selbst, ein für heutige Augen ungewöhnlicher Augenschmaus. Damals aber galten Schadow und Schüler als Avantgarde.

Ein Lob von Schadow

Danach die Landschaften, herrliche Naturansichten, darunter Andreas Achenbachs „Seesturm an der norwegischen Küste“ von 1837 und Johann Wilhelm Schirmers grünumrankte „Parthie an der Düssel mit Pestwurz“, die so modern wirkt, als habe Thomas Struth sie soeben fotografiert. Vor allem aber stand der Rhein Pate für weltweite Flussüberquerungen. So wurde Emanuel Leutzes „Washington Crossing the Delaware“ zur nationalen Ikone der Unabhängigkeitsbewegung in den USA.

Darüber die gelebte 48er Revolution, Pfändungen und Straßenschlachten, meinungsbildende Szenen wie Johann Peter Hasenclevers „Atelier vor dem Magistrat“, bei dem man sich jeden Gesichtsausdruck stundenlang ansehen könnte. Es folgen Genreszenen wie Klaus Meyers „Kleinkinderschule“, Holland, 1888. Und schließlich der Sonderbund: Julius Bretz, Max Clarenbach, August Deusser, Walter Ophey, die mit van Gogh, Cézanne und Monet ausstellten. Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts führte der Weg nach Paris, lässt sich kein einheitlicher Stil mehr erkennen. Der Abschied der Akademie in eine freie Künstlerschaft ...

30 Jahre sind seit der letzten Überblicksschau der Düsseldorfer Malerschule vergangen. Und so sprach auch Wismer von einer längst fälligen Ausstellung. Dazu passte die Anekdote, die er erzählte. So habe er den täglichen Spaziergang von seiner Wohnung bis zum Museum erstmals anders wahrgenommen: Der Weg führt über den Golzheimer Friedhof, am Grab Schadows vorbei. Gestern war es Wismer, als vernehme er Schadows Stimme: „Gut gemacht!“ Hat er recht, der Meister.

Bis 22. Januar, Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, Di., Mi., Fr,-So. 11 - 18, Do. 11-21 Uhr.

 
 

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