Düsseldorf... Sie haben noch keine Meise? Sie sollten sich schnell eine besorgen. Denn die Blau- und Kohlmeisen können unsere Kastanien retten.
Die sind zurzeit mit ihren saftig-grünen Blättern und den weißen Kerzen ein Augenschmaus. Leider auch ein Schmaus für die Miniermotten. Die Maden der Motte lassen die rund 6000 weißblühenden Kastanien in der Stadt schon im Sommer braun und krank aussehen. Nun haben Biologen in Bayern und Norddeutschland entdeckt: Meisen fressen die Miniermotten-Larven.
Nistkästen in Kastanien
Auch die bekannten Himmelgeister Kastanien sind bedroht, vor zwei Jahren wurden dort insgesamt 350 Kilo Kastanien-Laub aufgesammelt, um das Ausbreiten der Motten zu verhindern. Auch eine uralte, rund 25 Meter hohe Kastanie in einem Hinterhof in Friedrichstadt leidet seit Jahren unter den Motten. Dort wollen Anwohner jetzt Nistkästen, so genannte „Meisenhotels“, aufhängen.
Die gefiederten Freunde sind wahrscheinlich die einzigen natürlichen Feinde der Miniermotte. Die wurde in den 90er Jahren aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt. Sie legt ihre Eier in den Blättern der weiß blühenden Kastanien ab, die rot blühenden, etwa an der Kö, bleiben verschont. Die Larven saugen dann den Blättern den Saft weg. Ergebnis: Braunes Laub wie im Spätherbst. Bisher hatte die Stadt als Mittel gegen die Motten nur eine Impfung, die aber rund 400 Euro pro Baum kostet. Diese Impfungen wurden inzwischen eingestellt. Nur ein einziges altes Blatt unter dem Baum reicht, um die Schädlinge überleben zu lassen.
Die Meisen könnten es schaffen. Um Kastanien vor dem Mottenfraß zu schützen, haben in Norddeutschland, in München und in Freiburg Stadtverwaltungen und Gartenfreunde viele Meisenhotels aufgehängt: Kleine hölzerne Nistkästen, in denen sich die Vögel wohlfühlen. Allein Freiburg ließ 300 solcher Kästen bauen und aufhängen. Hängt das „Meisenhotel“ in der Nähe einer Kastanie, liegt der Mittagstisch für die Vögel und ihren Nachwuchs gleich vor der Haustür.
Das Gartenamt erfuhr erst durch die Anfrage der NRZ von den Motten fressenden Meisen. „Wir werden uns das in Münster ansehen und die Erfahrungen auswerten“, versichert Gartenamts-Vize Thomas Eberhardt-Köster.