Mario Reis ist mit allen Wassern gewaschen

Der Künstler Mario Reis in der Galerie Kunst-Profil vor einem seiner Bilder. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Der Künstler Mario Reis in der Galerie Kunst-Profil vor einem seiner Bilder. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf. Warum der Künstler Mario Reis wegen seiner Kunst bereits die halbe Welt bereiste, zeigt die Ausstellung „Mit allen Wassern gewaschen“ in der Galerie Kunst-Profil in Düsseldorf.

Im Grunde passt der Titel der Ausstellung doppelt gut. Scheint doch auch der Künstler selbst „Mit allen Wassern gewaschen“. Wenn man so mit ihm rund geht, zwischen dem Mönchengladbacher Knippertzbach und dem West Sulphur Creek in Kalifornien, auf dem Gesicht ein schelmische Grinsen, und er augenzwinkernd von heimlichen Knallfroschkonzerten am Rheinufer erzählt, wirkt sie schon ein bisschen anarchistisch, die Welt des Mario Reis. Spannend ist sie allemal.

„Naturaquarelle“ nennt Reis seine Arbeiten, bei denen der Entstehungsprozess im Vordergrund steht - aber auch Metaphysisches wie die Seele des Wassers. Um die aufzuspüren, hat Reis die halbe Welt bereist. Nun macht er für einige Wochen in Bilk Station. Dass ihm dabei die Kunst am Herzen liegt und keine umweltpolitischen Themen wie schwindende Ressourcen, betont er schnell. Geschenkt. Im Prinzip kommt eins zum anderen. Die Kunst und die Natur als lebendiges, schützenswertes Gut.

Eine Reihe explodierender Knallfrösche

Seit einem Jahr bespielen Andreas Marten und Ellen Pütz die ehemalige Hinterhof-Druckerei. Es ist kalt hier in der Galerie Kunst-Profil. Wer sich die Ausstellung ansieht, sollte die Hände in den Taschen lassen. Aber das passt zu den kargen Hallen, die wie geschaffen sind für Reis’ Arbeiten. Darunter wahres Action Painting wie eine Reihe explodierender Knallfrösche, die er vor dem Entzünden in rote Farbe tunkte. Im Mittelpunkt der Schau aber stehen seine Serien Natur-Bilder.

Reis, Jahrgang 1953, vielfach ausgezeichneter Akademieabsolvent und Uecker-Meisterschüler, könnte stundenlang erzählen. Er bereiste Island, Großbritannien, Italien, die Schweiz und Japan, er besuchte allein 14 afrikanische Länder. 380 000 Kilometer legte er im Auto in den USA und Kanada zurück, mancherorts arbeitete er mit Mikrobiologen zusammen. Und überall waren die Flüsse und Bäche sein Ziel, denen er mit Leinwand und Keilrahmen ihre Geschichten entlockte.

Angefangen hat alles 1977 in Paris. Reis, damals „Jung-Revoluzzer“ (Reis über Reis) ärgerte sich über die Künstler an der Seine, für ihn „Touristenmaler“. Vor allem missfiel ihm die Darstellung des Wassers: „Blau und Orange ergibt Morgenstimmung. Blau und Rot Abendstimmung. So kann das nicht sein.“ Reis begann zu experimentieren. Hat Wasser überhaupt eine Farbe? Wenn ja, welche? Und: Kann ein Fluss sich vielleicht selber malen?

Ockerfarben und Rottöne

Um es abzukürzen: Er kann. Reis erfand ein System, das er immer weiter perfektionierte. Er befestigt ein Baumwolltuch mit Kordeln im Wasser - später begann er, die Strömung mit Hilfe kleiner Steine umzuleiten. Und so spült sich das Wasser seinen Weg durch die Leinwand und hinterlässt je nach geologischer Beschaffenheit der Umgebung Selbstporträts zwischen Raum und Zeit.

Die kommen ockerfarben und in Rottönen daher. Sind leuchtend hexenschwefelgelb, grau, schwarz oder braun wie der Rhein, in dem sich viele Strömungen bündeln. Tupfen erzählen von einsetzendem Regen, Farbwolken von einem neuen Strömungsverlauf. Manchmal, berichtet Reis, änderte sich die Farbe eines Flusses im Laufe eines Jahres. Nur Blau war nie darunter.