Machbarkeitstest mit Po und Pedal

Dirk Neubauer
Ihre ganz eigene Machbarkeitsstudie erstrampelten sich die Grünen jetzt entlang des geplanten Radschnellwegs von Monheim über Düsseldorf nach Neuss. Bei einer Radtour zeigte Ratsherr Norbert Czerwinski, wo überall von den Routenvorschlägen der Stadtplaner abgewichen werden sollte.

Das geht ja gut los: Kaum 300 Meter weit gerollt – und schon verfahren. „Wir hätten eher abbiegen müssen“, sagt der grüne Ratsherr Norbert Czerwinski und zirkelt eine gekonnte Kehrtwende. 17 Mitradler folgen und sind wenig später wieder in der Spur.

Besser hätte es aus Czerwinskis Sicht kaum laufen können. Denn der Touren-Schnitzer gleich zum Auftakt unterstreicht seinen ersten Kritikpunkt am geplanten Radschnellweg von Monheim über Düsseldorf nach Neuss: „In Hellerhof, Garath und Benrath sind die falschen Strecken für den Radschnellweg vorgesehen.“ Statt bereits vorhandene und viel genutzte Radwege entlang der Frankfurter und Münchener Straße auszubauen, soll sich die neue Rad-Autobahn kleinteilig durch die südlichen Vorstädte schlängeln.

Das verträgt sich nicht mit den Anforderungen an einen Radschnellweg: Vier Meter breit soll er mindestens sein, gut beleuchtet, im Idealfall kreuzungsfrei, im Winter schnee- und eisfrei und vom Belag her vor gut, dass Reisegeschwindigkeiten von 30 Stundenkilometern möglich sind.

Die Sache mit den Kreuzungen thematisiert Czerwinski an der Bonner und an der Ickerswarder Straße. Dort sind jeweils viel befahrene Autostraßen einer Radautobahn im Weg. Ein klarer Fall für eine Brücke oder eine Unterführung – da gibt es für alle Rad-Enthusiasten bei dieser, durch Schweiß und Muskelkraft ertrotzten Machbarkeitsstudie gar keine Diskussion. Ob Radler hier die freie Schussfahrt bekommen, während gleich nebenan auf der PKW-Schnellstraße die Wagen brav bei Rot stoppen?

Dies wird ein Thema für die wissenschaftliche Machbarkeitsstudie zum 31 Kilometer langen Radschnellweg sein. Die allein kostet 13,5 Millionen Euro und soll im Herbst vorliegen. Sollte sie grünes Licht geben, könnte die eigentliche Bauplanung beginnen und 2017 die ersten Bagger zum Einsatz kommen. Auf 32 Millionen Euro werden derzeit die Kosten für die schnelle Verbindung geschätzt.

Unterhalb der Fleher Brücke stoppt Czerwinski erneut. Auch hier habe die Verwaltung seltsame Wege für den Radschnellweg vorgesehen. Statt den Damm hinter dem Südfriedhof zu nutzen, wollen die Planer die radelnden Pendler auf einen riesigen Bogen schicken. Der Deich zwischen Hamm und Flehe ist schön zu fahren – keine Frage. Aber er bedeutet einen knapp drei Kilometer langen Umweg und wird von Skatern, Joggern, Hundebesitzern samt vierpfotiger Begleitung intensiv genutzt. Konflikte seien da vorprogrammiert, fürchtet Norbert Czerwinski.

Sein Fazit am Ziel im Düsseldorfer Medienhafen: „Grundsätzlich befürworten wir Grünen diesen Radschnellweg. Aber in vielen Details muss die Planung noch verbessert werden, damit dieser Weg so attraktiv wird, dass Pendler tatsächlich aufs Rad umsteigen.“