Lauter Empfang und festliche Stimmung

Thomas Mann 1954.. Repro: Sergej Lepke
Thomas Mann 1954.. Repro: Sergej Lepke
Foto: Thomas Mann Sammlung

Düsseldorf.. „Überfüllter Saal mit Podiumsbesetzung. Lauter Empfang und festliche Stimmung. Ganz Düsseldorf. Großes Beifallsfest. Empfang und Souper im Malkasten. Dann Fahrt nach Schloss Benrath“

Es wäre sicher übertrieben, Thomas Manns Verhältnis zu Düsseldorf als besonders innig zu bezeichnen. Immerhin war er hier, wie diese kargen Zeilen von 1954 zeigen, mehrfach sogar - dass sein Roman „Die Betrogene“ in Benrath spielt, ist bekannt. Dass Mann-Schwester Carla als Luise in „Kabale und Liebe“ im Schauspielhaus auftrat, schon weniger. Sebastian Hansen weiß es. So wie er vermutlich alles über Thomas Mann weiß. Für Hansen eine literarische Liebe, die in der gymnasialen Oberstufe begann, eisern anhält und inzwischen viele Früchte trägt.

29 Jahre ist Hansen und beruflich ein Durchstarter. Er ist Wissenschaftler, Historiker, lehrt an der Heine-Universität und sitzt gerade an seiner Doktorarbeit. Dass sich die mit Thomas Mann beschäftigt, genauer gesagt mit Manns politischer Rezeption - geschenkt. Außerdem aber hat sich Hansen vorgenommen, den Dichter stärker im allgemeinen Bewusstsein zu verankern, Forschung und „normale“ Leserschichten zu verzahnen. Vor zwei Jahren gründete er die Thomas Mann Gesellschaft Düsseldorf. Eine moderne Lobby für den alten deutschen Denker. Soeben erschien die erste Publikation. Hansen hofft auf reges, ja internationales Interesse. „Alle Schichten lesen Thomas Mann.“

Acht Gründungsmitglieder gab es. Heute sind es 70. Der Vorstand ist jung, im Schnitt unter 40. Mit dabei sind Forscher, Lehrer, Professoren und Studenten, aber auch Menschen, die nicht-literarische Berufe bekleiden. Einige haben zuvor Mann-Seminare der VHS oder Stadtakademie besucht und wurden neugierig.

Die Mann-Gesellschaft bietet Vorträge, Führungen, Lesungen und Diskussionen an. Kürzlich wurde rund um das provokante Thema „Thomas Mann, ein Langweiler?“ getagt. Treffpunkt war die Universität. Hier befindet sich auch die Geschäftsadresse: die Unibibliothek mit ihrer Mann-Sammlung „Dr. Hans Mayer“. Für Hansen ein Dreh- und Angelpunkt der Forschung. Der Verein arbeitet jedoch unabhängig und autonom.

Soeben hat Hansen Zeitung gelesen. Irgendwer brachte Thomas Mann irgendwie mit dem Attentat von Oslo in Verbindung. „Rätselhaft“, staunt Hansen. Obwohl: „Mann ist allgegenwärtig.“

Hansen ist seit der Schulzeit infiziert. „Die Buddenbrooks haben mich einfach umgehauen.“ Noch immer faszinieren ihn „die Sprachmacht mit ihrer Musikalität, die Modernität. An Thomas Mann kann man sich schulen. Hier begegnen einem alle Lebensfragen und Probleme.“ Und so überlege man nach der Lektüre zwangsläufig: Wie lebe eigentlich ich mein Leben?

Wissenschaft muss vermittelbar sein, sagt Hansen. „Sonst ist sie keine gute Wissenschaft.“ Und so ziehen im ersten Band der „Düsseldorfer Beiträge zur Thomas-Mann-Forschung“ die Autoren alle Register. Es geht um die „Buddenbrooks“, „Zauberberg“ und Felix Krull. Volkmar Hansen, Chef des Goethe-Museums (mit Hansen weder verwandt noch verschwägert) macht Manns Verhältnis zu Heine zum Thema. Kirsten von Hagen stieß auf Verbindungen zwischen Mann und Krimi-Queen Thea Dorn. Und Hans Rudolf Vaget widmet sich Mann und dem US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Band zwei ist schon in Arbeit.

Düsseldorf konnte Thomas Mann übrigens doch etwas abgewinnen. Hier verliebte er sich in Karl Heuser, den Sohn des damaligen Direktors der Kunstakademie, und auch die „große schöne Schrobsdorff’sche Buchhandlung“ gefiel ihm.

Immerhin!

Kontakt www.thomasmann-duesseldorf.de

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