Kritik am geplanten Abriss des bunten Bunkers in Bilk

Das XXL-Gemälde schuf „Farbfieber“-Gründer Klaus Klinger 1995 zusammen mit einer internationalen Künstlergruppe aus Südamerika.
Das XXL-Gemälde schuf „Farbfieber“-Gründer Klaus Klinger 1995 zusammen mit einer internationalen Künstlergruppe aus Südamerika.
Foto: Kai Kitschenberg
Der bunte Bunker in Bilk soll im Sommer abgerissen werden. Ein Investor plant dort hochpreisiges Wohnen. Eine Bürgerinitiative läuft Sturm gegen die Pläne. Eltern sorgen sich um Sicherheit im beanchbarten Kindergarten

Bilk..  Das Leben im Schatten des Bilker Bunkers ist ebenso bunt wie der Klotz selbst. An der Ecke Karolingerstraße/Aachener Straße fließt friedlich die Düssel, Mütter gehen mit Kinderwagen unter Alleebäumen spazieren, die Senioren füttern Enten, die sich mit ihren Küken immer häufiger auf die Gehwege trauen. Im Sommer ist die Terrasse des Cafés „Ugly de Luxe“ proppenvoll mit Menschen. Viele schauen sich das Kunstwerk an, das „Farbfieber“-Gründer Klaus Klinger 1995 auf den zwei Meter dicken Betonwänden als XXL-Wandbild verewigte. Doch bald kann es hier vorbei sein mit der Idylle. Ein Investor plant, den Bunker dem Erdboden gleich zu machen und – dem Vernehmen nach – an dieser Stelle hochpreisiges Wohnen anzubieten. „Das Viertel wird im grauen Schleier versinken“, sagt Peter Schulz.

Mahnmal und Kunstwerk zugleich

Der 61-Jährige ist Hausbesitzer an der Aachener Straße und hat „bislang ein recht gemütliches Leben im Stadtteil geführt“. Vorbei. Schulz geht auf die Barrikaden und viele Menschen im Viertel kommen mit. „Der Bunker ist Mahnmal und Kunstwerk zugleich“, sagt der Ur-Bilker, der bereits Ende Januar 1000 Unterschriften von Abrissgegnern den Politikern in der Bezirksvertretung 3 vorgelegt hat. Schulz ist zudem Initiator einer Online-Petition, die auf der Webseite www.bilker-pro-bunker.de mehr als 1200 Unterstützer gefunden hat. Er will die Petition in der kommenden Woche der Verwaltung vorlegen und gleichzeitig Oberbürgermeister Dirk Elbers zum Ortstermin einladen.

Sollte der OB darauf eingehen, wird er vor Ort auf Leute treffen, die sich Sorgen machen. Der Bunker wird von zwei Häusern eingerahmt. In der Mitte des Klotzes führt eine schmale Toreinfahrt in einen großzügigen Innenhof, auf dem ein unter Denkmalschutz stehendes, ehemaliges Schulgebäude steht. Darin beheimatet sind die Clara-Schumann-Musikschule, der Awo-„Wawuschels“-Kindergarten, diverse Ateliers oder die Einrichtung „Lernort Studio“, eine Künstlerwerkstatt für Jugendliche. Die Elterninitiative der „Wawuschels“ hat Unterschriften gegen den Abriss gesammelt. Und die Mütter und Väter der Kinder, die regelmäßig Kurse in der Musikschule besuchen, fürchten um die Sicherheit ihrer Schützlinge. „Mir wird mulmig, wenn ich daran denke, dass meine Kinder einmal pro Woche an einem riesigen Abrissprojekt vorbei müssen“, sagt etwa Mandy Batic, Mutter von Lea (5) und Mimi (3).

Der Investor, die Düsseldorfer Firma Emscher Wohnen, hat den Bunker im vergangenen Jahr von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. Eigentlich sollte schon in diesem Monat die Abrissbirne schwingen, aber es gibt Verzögerungen. Mittlerweile liegt dem Bauamt das zweite Abbruchkonzept vor. Der Bunker soll durch Lockerungssprengungen abgetragen werden. Die Frage ist nur, wohin mit den riesigen Baumaschinen? Auf der Karolingerstraße fahren die Autos, auf der Aachener Straße kommt die Linie 712 hinzu. Oder soll der Kran erst in Einzelteilen durch die Toreinfahrt und dann auf dem Innenhof zusammen gebaut werden? Es gibt viele Fragezeichen.

Während die Verantwortlichen der Emscher Wohnen GmbH gestern keine Stellung zum Thema nehmen wollten, bestätigte die Stadt immerhin, dass ein Abbruchkonzept vorliegt, darüber aber noch nicht entschieden wurde. Auf die Frage, ob der Bunker – wie von vielen Bilkern gewünscht – nicht als Erweiterung des kulturellen Angebotes vor Ort dienen könne, sagt Manfred Blasczyk vom Amt für Kommunikation: „Was der Eigentümer macht, bleibt ihm überlassen.“

Das regt viele Bilker auf. „Ich finde es katastrophal, wie sich die Stadt hier aufstellt, in dem sie schlicht und einfach keine Stellung bezieht“, sagt Dr. Ingo Schiweck. Der Historiker und Anwohner fordert, den Bunker unter Denkmalschutz zu stellen. „Er ist eines der letzten gut erhaltenen Mahnmale des Zweiten Weltkrieges und darf nicht zerstört werden“, sagt Schiweck, der bereits einen offenen Brief an den OB geschrieben hat, aber noch keine Antwort bekam. Auch das Wandbild von Klinger habe einen unschätzbaren Wert, „weil es den Zusammenhalt verschiedener Kulturen im Stadtteil symbolisiert“. Hans Schmitz, der an der Aachener Straße die Buchhandlung Bibabuze betreibt, sagt: „Durch den Bau von Luxuswohnungen wird hier eine Retortenbürgerschaft gebildet. Für mich ist der Bunker als Bilker Wahrzeichen unantastbar.“ Victora Jonek vom „Ugly de Luxe“ fürchtet um ihre Gäste: „Wenn hier im Sommer die Abrissbirne schwingt, wird unser Terrasse leer bleiben!“

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