Keine Wetten und nur Sieger

Editors-Frontmann Tom Smith. Foto: Lars Heidrich
Editors-Frontmann Tom Smith. Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.. Es gilt ja schon seit langem als das vielleicht eleganteste Musik-Festival Deutschlands, das Open Source, dessen Geschichte 2006 im Freibad Lörick begann und das am Samstag zum dritten Mal auf dem Gelände der Galopprennbahn Grafenberg stattfand, mit über 5000 Besuchern.

Da ist zum einen das Ambiente. Wo sonst kann man schon auf der Tribüne Bands auf der Hauptbühne sehen und dahinter das satte Grün, auf dem sonst die Pferde laufen? Und wo sonst kann man ein Programm genießen, das eine geschmackvolle Balance zwischen bekannten Bands wie den Editors, Electroacts wie Mount Kimbie und einer Bühne finden, die sich den jungen lokalen Hoffnungen widmet? Dazu ungewöhnliche Stände mit Mode und Möbeln, Catering zwischen Waffel und Wurst und Getränken von Bier bis Spätburgunder.

Kreidler-Schlagzeuger Thomas Klein bespielt als „Sølyst“ mit TG Mauss an der Konsole die Carhartt-Bühne. Nach fünfzehn Jahren im Dienste der Band erscheint am 12. August sein Solo-Album, das seine Herkunft nicht leugnet, aber erstaunliche neue Klänge hinzufügt. Ein insgesamt düsterer, aber stets zupackender Sound, der dem exzellenten Drummer Gelegenheit zur Entfaltung bietet, aber stets ist das ein filigranes Spiel, offen für Zwischentöne. Das Duo von Mount Kimbie bietet danach ebenso faszinierende Soundlandschaften, vielseitiger vielleicht, aber auch etwas zerfahrener. Jamie Smiths (von The XX) DJ-Set beweist einmal mehr, dass auf der Electro-Bühne die ambitionierteste Musik spielt. Danach ist Zeit für eine Bratwurst mit Ingwer und ein Bier oder ein Aperol Spritz, wie gesagt, dies ist ein elegantes Festival.

Ein Song für Amy

Da wirkte der Stand der „Antilopen Gang“, wo man für ‘nen Euro einen Rap-Song kaufen konnte, fast schon anarchistisch. Auf der Local Talent Bühne, kann Adrian Pauly mit Band punkten, ganz junge Musiker mit Potenzial. Da haben es die Bands auf der Hauptbühne gar nicht mal so leicht, und Cody Chestnut, der als Vokalist für The Roots bekannt wurde, macht es den Veranstaltern auch nicht leichter, weil für die Verstärker seiner Band noch schnell neue Adapter besorgt werden müssen. Sein trockener Old School Soul ist gut abgehangen, vielleicht etwas spannungsarm.

Danach sorgen Architecture from Helsinki, die aus Melbourne kommen, für den Spaltpilz des Tages. Die einen tanzen zu ihrem Achtziger-Revival-Sound plus naiver Tanzschritte, die anderen, die noch das Original erlebt haben, schütteln amüsiert den Kopf. Die Band, die den Abend umjubelt beschließt, die Editors, können ihre Herkunft auch nicht verleugnen. Schwerer, düsterer Sound, der an Joy Division erinnert, eine hymnische, manchmal fast pathetische Musik, die nicht zuletzt durch den Gesang von Bandchef Tom Smith fasziniert. Und als sie einen Song Amy Winehouse widmen, wird klar, dass die Nachricht, die am späten Nachmittag die Runde machte, traurige Wahrheit wurde, die englische Sängerin ist an diesem Samstag gestorben. So werden Songs wie „An End has a Start“ zum Requiem. Nach dem Ende des Festivals ging es ab 22 Uhr mit den Shuttle-Bussen zu den Clubs, ins Zakk, ins Foyer, ins Rot Kompot oder den Salon des Amateurs, wo die Musik und das Leben weitergingen.

 
 

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