Ingrid Steeger „unterwegs auf Nebenstraße“

Bekannt geworden durch das Fernsehen (Klimbim) ist Ingrid Steeger heute auf den Theaterbühnen der Republik zuhause. Sie ist gut im Geschäft: „Ich bin zum Glück voll beschäftigt.“
Bekannt geworden durch das Fernsehen (Klimbim) ist Ingrid Steeger heute auf den Theaterbühnen der Republik zuhause. Sie ist gut im Geschäft: „Ich bin zum Glück voll beschäftigt.“
Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf..  Ein Gespräch mit Schauspielerin Ingrid Steeger (66), die in Düsseldorf gastiert. Sie verrät, warum die Kö nicht eine ihrer Lieblingsstraßen in Düsseldorf ist und was sie einem Zeitungsverkäufer zu Weihnachten geschenkt hat.

Ein Satz aus „Alexis Sorbas“ ist für Ingrid Steeger zum Lebensmotto geworden: Wer nie am Abgrund steht, dem wachsen keine Flügel. Der Abgrund, an dem der frühere Klimbim-Star stand, war tief wie die Hölle. Und dann ist aus Ingrid Steeger ein Jumbo-Jet geworden.

Ingrid Steeger entspricht Ende 2013 nicht mehr dem Bild von Ingrid Steeger. Sie ist aus dem Rahmen gefallen. Nicht mehr schwermütig, nicht zerbrechlich wie ein Porzellanpuppe. Nach einer langen Leidenszeit mit schweren Depressionen und den sozialen Absturz auf Hartz IV wirkt die Steeger beim Gesprächstermin mit der NRZ im Unterbilker Bistro-Café St. Martin ein großes Stück befreit. Die Frau mit den strohblonden Haaren, die unglaublicherweise schon 66 Jahre alt sein soll, geht offen auf Leute zu, die sie erkennen. Sie redet wie ein Buch, sie lacht viel, auch wenn dieses Lachen eher ein Insichhineinkichern ist. „Ich bin aufgestanden – und stehengeblieben“, sagt das frühere Sexsymbol, das nie Sexsymbol sein wollte, dann schon lieber Ulknudel.

Weihnachten hat Ingrid Steeger bei Freunden in Unterbach verbracht. Am Silvesterabend gibt‘s hingegen ein Riesentheater: Im Theater an der Kö stehen drei Vorstellungen vom „Kurschattenmann“ auf dem Programm, zwei vor, eine nach dem Jahreswechsel. „Das neue Jahr begrüßen wir ganz entspannt im Kollegenkreis“, erzählt die Schauspielerin, die noch bis 12. Januar gemeinsam mit Volker Brand, Simone Rethel und anderen auf der Düsseldorfer Bühne steht. Danach geht‘s weiter zum nächsten Theater-Engagement nach Bremen.

Ingrid Steeger ist so froh, wieder auf der Brettern zu stehen, die für sie die Welt bedeuten. „Du hast den direkten Austausch mit dem Publikum, du bekommst immer etwas zurück“, sagt sie. Zudem handele es sich bei einem Theaterstück auch immer um einen „Entwicklungsprozess, den man gemeinsam mit den anderen Schauspielern durchläuft“. Ingrid Steeger würde auch wieder Fernsehen machen, das wäre okay. „Ich hatte auch schon zwei Angebote von der Krimiserie Soko, aber ich musste absagen – keine Zeit.“ Leises Insichhineinkichern. „Ich bin zum Glück voll beschäftigt.“

Während ihres Gastspiels in der Rheinmetropole ist Ingrid Steeger in einer kleinen Künstlerwohnung an der Konkordiastraße untergebracht. Sie liebt das Unterbilker Viertel mit den kleinen Straßen und Geschäften rund um den Friedensplatz. Nach dem Theater geht sie auch schon mal in eine Bar, den Abend ausklingen lassen. „Die Ecke ist kuschelig hier“, sagt die gebürtige Berlinerin mit Blick nach draußen auf den Bilker Dom. „Und auf der Bilker Allee hat man alles, was man zum Leben braucht. Mein Lieblingsladen ist der Kodi, dort finde ich immer etwas, und dorthin kann ich Doolittle mitnehmen.“ Doolittle ist ihr kleiner Terrier, ihr ständiger Begleiter.

Wenn Ingrid Steeger am 13.Januar nicht mehr in Düsseldorf sein wird, wird sich auch der Fiftyfifty-Verkäufer, der an der Bilker Allee häufig vorm Penny-Markt steht, umgucken. „Ich brauche immer ein paar Bezugspunkte, wenn ich unterwegs bin“, sagt die in München lebende Mimin. „Der Zeitungsverkäufer ist so ein Bezugspunkt, dem gebe ich immer etwas, weil er nicht aggressiv um Geld fragt.“ Zu Weihnachten hat Ingrid Steeger dem Mann ein kleines, selbst gebasteltes Säckchen mit haufenweise Kleingeld geschenkt, „Kleingeld habe ich immer genug“.

Ingrid Steeger hat schon immer eine starke soziale Ader gehabt. Sie engagiert sich für geistig behinderte Kinder, sie unterstützt diverse Tierschutzorganisationen, sie hat in ihrem Leben viel Geld spendiert, auch falschen Freunden.

Heute hat sie ihren ganz eigenen Weg gefunden, wie sie sagt, gefunden. Der führt nicht mehr über rote Teppiche („Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zum letzten Mal über einen gelaufen bin!“), sondern über Nebenpfade, auf denen es die stillen, aber wertvollen Begegnungen gibt („Die Kö ist nicht gerade meine Lieblingsstraße in Düsseldorf“). So wie diese Begegnung im Café St. Martin im Schatten des Bilker Doms. Der Bistrobesitzer hilft der Prominenten in die Jacke und sagt: „Das will ich mir nicht nehmen lassen, ich verehre Sie schon lange, Frau Steeger.“ Der Frau mit den strohblonden Haaren ist so etwas nicht mehr unangenehm. Sie freut sich über solche Komplimente, weil sie sich endlich wieder freuen kann.

Und genau deshalb soll 2014 eigentlich so werden, wie 2013 war. „Es war wohl das erfüllendste Jahr seit ich denken kann“, sagt Ingrid Steeger. Ein Jahr, in dem sie Theater oder Ende spielte. Ein Jahr, in dem sie ein ganz wichtiges Projekt vollendete, ihre Biografie „Und find es wunderbar…“

„Vielleicht fange ich ja 2014 ein neues Buch an“, verrät der frühere Klimbim-Star, was er noch niemandem verraten hat. „Ein Krimi, in dem der Protagonist ein Mensch ist, der an einer Depression leidet.“

 
 

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