In Düsseldorf soll Public Viewing zur WM auf der MS Deutschland stattfinden

Stephan Wappner
Riesenstimmung herrschte beim Public Viewing am Düsseldorfer Rheinufer bei der Fußball Europameisterschaft 2012.
Riesenstimmung herrschte beim Public Viewing am Düsseldorfer Rheinufer bei der Fußball Europameisterschaft 2012.
Foto: WAZ FotoPool
Michael Küffner, Chef der Weissen Flotte in Düsseldorf, will während der Fußball-WM im Sommer in Brasilien Public Viewing auf der "MS Deutschland" anbieten. In Höhe der Treppen am Burgplatz könne das Schiff treiben. Für die Umsetzung braucht Küffner allerdings noch Genehmigungen. Die SPD unterstützt die Idee.

Düsseldorf.  Der Chef der Weissen Flotte will auf seiner „MS Deutschland“ eine LED-Videowand anbringen und das Schiff treiben lassen, etwa in Höhe der Treppen am Burgplatz. „Gegen den Strom in die Fahrrinne und dabei nur wenig Gas geben“, sagt Küffner, der aber noch die ein oder andere Genehmigung bräuchte.

Etwa vom Wasser- und Schifffahrtsamt Köln. „So leicht wird das nicht gehen, denn ein Public-Viewing-Schiff nimmt nicht am Verkehr teil, sondern dient als Veranstaltungsort“, sagt Sprecher Bernd Schönfelder. „Dieses Schiff darf auch kein Hindernis darstellen.“ Die Stadt will zum Thema keine Stellung beziehen, solange noch kein Antrag auf eine „Sondernutzung des öffentlichen Straßenraums“ vorliegt. Denn den müsste Flottenchef Küffner stellen, wenn er plant, die Veranstaltung jenseits der Kasematten auf Höhe der Burgplatz-Treppe zu erweitern. „Ein solcher Antrag liegt nicht vor“, teilt das Ordnungsamt mit.

Thomas Geisels Appell an die Stadt

Thomas Geisel findet die Idee mit der Weißen Flotte jedenfalls gut. Der OB-Kandidat der SPD fordert die Stadt auf, „mit Genehmigungen in diesem Jahr großzügig umzugehen“.

Auch Parteifreund Martin Volkenrath will das Thema Rudelgucken in der City forcieren. Aber nicht auf dem Wasser, sondern nahe der Uferpromenade am Johannes-Rau-Platz neben dem Apollo. „Bisher war man bei diesem Thema von Seiten der Stadt her leider immer sehr restriktiv“, sagt der Vorsitzende des Ordnungs- und Verkehrsausschusses. „Städte wie Dortmund mit dem Friedensplatz oder Köln mit den Rheinwiesen sind da viel offener!“

Späte Anstoßzeiten bei WM in Brasilien

Der SPD-Ratsherr sieht „ordnungstechnisch keine Schwierigkeiten“ und auch das Argument, die Altstadt-Wirte hätten was dagegen, weil sie Umsatzverlust fürchteten, „ist Unsinn“, meint Volkenrath. Er habe bereits mit vielen Kneipenbesitzern gesprochen und sehe eher eine Win-Win-Situation: „Nach dem Fußballgucken geht’s ab ins Lokal!“

Bei der WM in Brasilien beginnt knapp die Hälfte der 64 Begegnungen erst um 22 Uhr deutscher Zeit. Zwar spielt die DFB-Elf in der Vorrunde zweimal um 18 Uhr, einmal um 21 Uhr, doch sollte das Team im Turnier weiter kommen, steigt das Achtelfinale am 30. Juni oder 1. Juli (Montag, Dienstag) erst um 22 Uhr. Bei möglicher Verlängerung und Elfmeterschießen kann’s da schon mal Nachtschichten geben. Eine entsprechende „Public Viewing-Verordnung“ der Bundesregierung soll indes den Lärmschutz für die Zeit während der WM lockern.

Doch auch ohne fußballerische Spätvorstellungen sind in Düsseldorf zuletzt Versuche gescheitert, ein Public Viewing im Zentrum zu veranstalten. 2006, während der WM in Deutschland, gab es eine Art dezentrales Massen-Fußballgucken im Paul-Janes-Stadion mit den Stadtwerken als Hauptsponsor. Der Etat für den – gut besuchten – Event in Flingern betrug laut Veranstalter 600.000 Euro. Bei der EM 2008 machten die Stadtwerke nicht mehr mit, andere Geldgeber wurden nicht gefunden.

SPD will Public Viewing am Rheinufer erlauben

Bei der WM 2010 in Südafrika wurden indes nur die deutschen Spiele auf Großbildleinwand in der Arena gezeigt. Es gab zu wenig Resonanz und alles in allem war es eine seelenlose Veranstaltung.

Immerhin ertönt nun ein Signal aus Köln, von der Agentur Rotwild, die 2006 unter dem Namen „Breitbandevent“ das Paul-Janes-Rudelgucken auf die Beine gestellt hatte. „Wir sind immer an guten Veranstaltungen interessiert, bei uns stehen die Türen für so etwas stets offen“, sagt die Rotwild-Geschäftsführerin Maria Di Ninni. Ein Gespräch mit der Stadt Düsseldorf habe es allerdings noch nicht gegeben.

Die SPD wird in der nächsten Ratssitzung beantragen, Public Viewing am Rheinufer zu erlauben und dabei in jedem Fall Unterstützung von den Grünen bekommen. „Die Stadt muss das ja nicht alleine stemmen, sie kann sich viele starke Partner suchen“, schlägt OB-Kandidatin Miriam Koch vor.