Immer weiter auf der Himmelsleiter

Düsseldorf. Karin und Daniela Flörsheim, Mutter und Tochter, verbindet seit langem die Kunst.

Das Verhältnis von Mutter und Tochter – gemeinhin gilt es als tiefe, oft aber auch heftige Reibungsfunken schlagende Verbindung. Eine seltene Facette funkelt bei Karin und Daniela Flörsheim. Die Kunst wirkt seit Jahrzehnten als außergewöhnliches, stabiles Bindungsband zwischen den beiden Düsseldorferinnen.

In Otto Pienes (Zero-)Atelier an der Gladbacher Straße hatte einst die aus Chemnitz stammende Mutter studiert, Eben dort, wo später auch die Tochter, Beuys’ jüngste Meisterschülerin, arbeitete. Karin und Daniela Flörsheim reisten gemeinsam, u. a. etwa in die Türkei. Um, wiederum vereint, ihre unterschiedlichen, in der Kunst ausgelebten Temperamente als aquarellierte oder ornamentale Inspirationen des Orients auszustellen.

Nähe zur Natur

Karin ist die alten Kulturen und Mythen nachspürende, disziplinierte Minimalistin mit Liebe zum Wortbild auch in der Lyrik. Daniela arbeitet unmittelbar, farbtrunken, mit intimer Nähe zu Natur, Artenvielfalt und deren Schutzbedürftigkeit. Unter den Künstlerfreundschaften, sagt Tochter Daniela, sei die Freundschaft zu ihrer Mutter die intensivste. Streitgespräche? Ja, über Kunst, über das Verständnis der Kulturen! Als anregend, gegenseitig bereichernd empfindet sie diese Spannungen.

Schon früh, erinnert sich die heute 58-Jährige, habe es sie beeindruckt, wie ihre Mutter um ein Bild gekämpft habe, es immer wieder abgewaschen und neu aufgebaut habe. Die 1930 geborene, an der Salzburger Druckakademie ausgebildete Künstlerin sei für sie immer wieder Avantgarde.

Schau in Indien

Das frei fließende, unbefangene Herangehen, so vermutet Daniela Flörsheim, das bewundere ihre Mutter wiederum an der Tochter.

Vor zehn Jahren hatten die beide Künstlerinnen gemeinsam ihre Werke in der „Etage 20“ ausgestellt. Die Himmelsleiter, die Daniela Flörsheim damals aufstellte, hat soeben als Mutter/Tochter vebindendes Objekt in der „Spielart“-Ausstellung zum 100-jährigen der Düsseldorfer Künstlerinnen Wiedergeburt gefeiert: Es geht weiter auf der Himmelsleiter! Die Installation, samt leitendem Kupfer im Beuysschen Schamanenstil und Fahne ins Nirwana stellte diesmal den Kontakt zu Karin Flörsheims sinnlichem Leporello her.

Auf einem Blatt vereint zeigen sich gar Mutter und Tochter. Denn Daniela Flörsheim ist seit einiger Zeit abgetaucht in die Druckwerkstatt ihrer 81-jährigen Mutter, die aufgrund mehrerer Augen-Operationen nicht mehr gut sieht. Auf deren erneut gedruckte Aquatinta und Mehrfarbdrucken mit Vegetations-Motiven setzte Daniela Flörsheim ihre Ätzradierung der symbolträchtigen „Spindel“, webte sie gewissermaßen in die Blätter der Mutter ein. Erstmals sind diese Arbeiten, sowie Einzelwerke der beiden, ab 4. Dezember im Bonner Frauenmuseum in der Ausstellung „Immer Grün“zu sehen. Im Frühjahr ist eine Schau mit dem Kunstverein Pirmasens geplant. Natürlich ist Daniela Flörsheim auch solistisch unterwegs. Nach Studienzeiten in Israel und den USA, stellte sie u.a. in New York und in Göteborg aus. Als erste deutsche Künstlerin präsentierte die sensible Malerin 2010 ihre Bilder in einer Einzelausstellung in der Jehangir Gallery im indischen Mumbai.

 
 

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