Ihn interessiert der ganze Himmel

Langenfeld.  An der Schalttafel der Johanneskirche zögert „der Neue“: Pfarrer Hartmut Boecker (49) möchte in seinem Gotteshaus Licht machen, nicht aber aus Versehen die falschen Knöpfe drücken. Und alle Glocken läuten und die Nachbarn verunsichern. Die Küsterin hilft ihm. Es wird Licht, aber nicht laut. Die kurze Alltags-Episode steht für den besonnenen Seelsorger, der mit Ehefrau und den beiden, sechs und acht Jahre alten Kindern zum 1. März nach Langenfeld gewechselt ist. Das Osterfest als Feuertaufe? Boecker sagt es gerade heraus: „Natürlich bin ich ein wenig nervös.“

Da regiert der pure Konsum

Der Pfarrer spricht über Gott und die Welt. Weihnachten und Ostern zusammen – werden mittlerweile vom puren Konsum regiert. „Es ist unendlich schwer geworden, Kindern mit kleinen Geschenken eine große Freude zu machen“, sagt Boecker. In all dem Geflackere und Computergepiepe, der Handy-Hysterie und Wellness-Welle habe die Kirche jedoch etwas Grundsolides anzubieten: Gemeinschaft, sich Zeit nehmen, füreinander da sein. „Meine Aufgabe ist es, ein Ohr zu haben für die Menschen, ihre Sorgen und Bedürfnisse.“

Wenn Hartmut Boecker erzählt, dass schon sein Vater evangelischer Pfarrer war, damals in Velbert, dann schmunzeln manche Zuhörer. Wollen Jungs eigentlich nicht alles andere werden als ihr Vater? Ja, sagt er, „es gab eine Phase, da wollte ich Pilot werden.“ Am Ende interessierte ihn doch der ganze Himmel. Boecker studierte Theologie in Göttingen, Münster, Heidelberg und Wuppertal. Sein Vikariat absolvierte er in Solingen. Nach dem zweiten Examen im März 1994 wurde Hartmut Boecker Pastor im Hilfsdienst in Essen-Karnap. Ob als Unterrichtender beim Kolping-Berufsbildungswerk oder als Jugendpfarrer in Saarbrücken: Boecker kümmerte und kümmert sich um junge Menschen.

Ihnen will er einen Halt geben. Auch in Langenfeld, wo er seine Kontakte, sein Netzwerk jetzt knüpfen muss. Dass Sohn Mathis (6) jetzt in die Schule kommt, wird auch ihm den Start erleichtern. „Die Familie ist auf der einen Seite traurig, Freunde und Bekannte in Grefrath zurückgelassen zu haben. Immerhin waren wir zehn Jahre dort. Andererseits lernen wir jetzt etwas Neues kennen.“ In der evangelischen Kirche Langenfeld kümmern sich sieben Pfarrer in vier Kirchengemeinden um rund 15 000 Protestanten. „Eine lebendige Gemeinde mit vielen Angeboten für Kinder und Jugendliche – Musical, Ferienangebote, Jugendchor. Dies war für uns einer der Gründe, hier hin zu kommen.“

Dass ein evangelischer Pfarrer auch bei schwierigen Themen den Weg weisen muss, ist Boecker sehr bewusst. Er besitzt enge Kontakte zu einem Altenheim im ehemaligen Hermannstadt, in Rumänien. Als nach dem Zusammenbruch des alten Ostblocks vor einem Vierteljahrhundert die Grenzen fielen, wanderten viele Siebenbürger-Sachsen aus Rumänien nach Deutschland aus. Nur die Alten blieben. Boecker half, ein Heim für sie aufzubauen. Heute ist daraus eine Altenpflegeschule gewachsen, in der Pflegekräfte ihren Beruf erlernen.

Bereicherung statt Bedrohung

Diese jahrelange Verbindung hat seinen Standpunkt gegenüber denjenigen gefestigt, die heute kühl und abweisend als „Armutsflüchtlinge“ bezeichnet werden: „Wir haben eine Verpflichtung, denen, die Chancen suchen, diese Chancen auch zu ermöglichen.“ Es gehe darum, offen zu sein, andere Kulturen als Bereicherung zu sehen. Nicht als Bedrohung. „Ostern ist eine Gelegenheit, Gemeinschaft zu festigen“, sagt Boecker und denkt laut nach: „Mit einem großen Frühstück nach dem Gottesdienst vielleicht, zu dem jeder etwas mitbringt.“

 
 

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