Hunderte Bürger protestieren in Kaiserswerth gegen ProNRW

Hinter der Absperrung war man sich einig: Für Rechte ist in Düsseldorf kein Platz.
Hinter der Absperrung war man sich einig: Für Rechte ist in Düsseldorf kein Platz.
Foto: Christine Holthoff
Hunderte Düsseldorfer stellten sich einem Häuflein ProNRW-Anhänger entgegen. Die Rechtspopulisten hatten zur „Frühjahrsoffensive“ gerufen.

Gerade sind die Rechten raus aus der Innenstadt, da tauchen sie an anderer Stelle wieder auf: Knapp zwei Wochen nachdem die Dügida-Anhänger zum vorerst letzten Mal durch das Bahnhofsviertel marschierten, blies die ebenso rechtspopulistische Gruppierung ProNRW am Freitag zur „Frühjahrsoffensive gegen Asylmissbrauch“ in Kaiserswerth. Doch wie schon in den Wochen zuvor im Zentrum waren sie auch im Norden nicht willkommen.

Rund 300 Gegendemonstranten, unter anderem vom Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“, der Flüchtlingshilfe, den Kaiserswerther Gymnasien, der Schützen und Kirchengemeinden, stellten sich ihnen entgegen. Und nicht nur die: Auch der Verkehr war am Freitag offenbar auf der Seite der Gegendemonstranten.

Gegendemonstranten lauter als ProNRW-Anhänger

Weil die Hälfte der Rechtspopulisten im Stau steckte, verzögerte sich die Kundgebung um mehr als anderthalb Stunden. Und auch in Sachen Zuspruch lief es für ProNRW nicht nach Plan. Statt der angemeldeten 100 Mitglieder fanden gerade einmal rund 25 ihren Weg zum Kaiserswerther Markt. Und richtig gelohnt hat sich deren Auftritt auch nicht.

Trotz Megaphons waren ihre rechten Parolen auf der anderen Seite der Absperrung kaum zu verstehen. Zu laut waren die Trillerpfeifen der Gegendemonstranten, zu laut die Rufe „Nazis raus aus Düsseldorf“. Neben Plakaten mit Aufschriften wie „Düsseldorf gegen Rassismus“ oder „Flüchtlinge willkommen“ mischten sich viele Demonstranten mit weißen Rosen. Die evangelische und katholische Gemeinde hatten sie im Vorfeld verteilt. Spontan stimmten auch einige Inhaber umliegender Geschäfte in den Gegenprotest ein. So schnappte sich eine Geschäftsfrau kurzerhand Topf und Kochlöffel, um ihrem Unmut lautstark Luft zu machen.

„Düsseldorf ist weltoffen! Nur euch wollen wir hier nicht haben!“, schallte es aus den Reihen der Gegendemonstranten. Die Kundgebung sei bloß „ein armseliger Versuch, nicht von der Bildfläche zu verschwinden.“ Tatsächlich scheint das Mobilisierungpotenzial von ProNRW in Düsseldorf gering zu sein. Erst kürzlich verabschiedeten sich zwei Dügida-Organisatoren aus dem Vorstand, bei der Europawahl im vergangenen Jahr kam die Partei in der Landeshauptstadt auf gerade einmal 0,24 Prozent. Bei der jüngsten Kommunalwahl trat ProNRW gar nicht erst an.

Kurzfristig turbulent

Trotz der geringen Teilnehmerzahl auf Seiten der Rechtspopulisten bedeutete ihr Auftritt viel Arbeit für die Polizei. Zwei Hundertschaften waren im Einsatz, um ein direktes Aufeinandertreffen zwischen ProNRW und Gegendemonstranten zu verhindern – was auch über weite Strecken gelang. Kurzfristig turbulent wurde es allerdings bei der Ankunft der verspäteten Rechtspopulisten. „Hätten wir nicht eingegriffen, hätten die sich verhauen“, sagte Polizeisprecher André Hartwich. Teile der Gegendemonstranten sahen das allerdings anders und skandierten: „Deutsche Polizisten schützen die Faschisten.“

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