Horst H. Baumann – Erfinder der Düsseldorfer Zeit

Der Rheinturm in Düsseldorf hat eine berühmte, aber schwer zu lesende Uhr.
Der Rheinturm in Düsseldorf hat eine berühmte, aber schwer zu lesende Uhr.
Foto: Andreas Endermann
Der Künstler Horst H. Baumann arbeitet weltweit mit Laserskulpturen. In Düsseldorf installierte er 1980 den berühmten „Lichtzeitpegel“, die Dezimaluhr des Rheinturms.

Düsseldorf.  Horst H. Baumann (82) hat es sich im Café Mautz gemütlich gemacht. Hinter großgewachsenem Bambus trinkt er in einem Innenhof des Bilker Salzmannbaus Cappuccino und erklärt seine Erfindung. Die zeigt seit 1981 den Düsseldorfern in den Abend- und Nachtstunden weithin sichtbar die Zeit an. Denn der in Bilk lebende Künstler, Designer und Fotograf ist der Konstrukteur des „Lichtzeitpegels“, der laut Guinness-Buch der Rekorde größten dezimalen „Zeitskala“ der Welt.

Noch bis Ende dieses Jahres leuchtet sie an der nach Norden gewandten Seite des Rheinturms anlässlich des 70. NRW-Geburtstages in den Landesfarben Grün, Weiß und Rot, danach wird sie erneut in bunten Farben erstrahlen. 39 der insgesamt 62 Bullaugen des Turms bilden dabei, getrennt durch gesetzlich vorgeschriebene Flugsicherungsleuchten, in drei Höhenabschnitten über den 160 Meter langen Schaft des Turms eine Uhr, die das „deutsche Zeitnormal“- unterteilt in Sekunden, Minuten und Stunden – anzeigt. Als Funksignal von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig, und als Grundlage aller Zeitangaben in Deutschland versendet, wird das Signal über einen bei Frankfurt stehenden Langwellensender sekündlich von einer Antenne des Rheinturms empfangen und über eine spezielle Schaltung an die Turmuhr weitergegeben. Und auch, wenn manche Besucher der Stadt nicht gleich erkennen, dass es sich bei der bunten Illumination um eine Uhr handelt: „Das Design zielt darauf ab, dass der Betrachter sich selbst einen Reim darauf macht“, erklärt Baumann.

Grundlage waren Laserskulpturen

Grundlage für das Konzept der Uhr waren die von Baumann erschaffenen Laserskulpturen der 1960er und 1970er Jahre. 1934 in Aachen geboren, studierte Baumann Hüttentechnik an der Rheinisch-Westfälischen Hochschule. Der Schritt zur Lasertechnik und die Beschäftigung mit den leistungsstarken Lichtbündelungen war ein kleiner. Denn sowohl sein technisches Interesse, als auch seine künstlerische Ausprägung ließen sich Baumann schnell in die moderne Technik einarbeiten, um diese auch kunstvoll nutzen zu können. „Die Beschäftigung mit Licht ist für mich bis heute tägliches Handwerk“, sagt Baumann.

Bereits seit 1961 experimentierte er mit den hochempfindlichen Geräten, 1963 erfolgten erste Laserlichtinstallationen. Im Umkreis der Düsseldorfer Künstlergruppe Zero, bestehend aus den Künstlern Otto Piene, Günther Uecker und Heinz Mack, mit dem er überdies bis heute eng befreundet ist, beteiligte sich Baumann auch am Projekt „N = Nachbarschaft“. Im Rahmen des Düsseldorfer Künstlerfestes 1976 lies er dabei erstmals einen Laserstrahl aus dem Dach seines Oberkasseler Hauses über den Rhein erstrahlen, spiegelte diesen am Schlossturm zurück, um ihn aus Oberkassel erneut auf die andere Rheinseite zu senden. Dabei entstand die Form des Buchstaben „N“.

Erste Laser waren Stromfresser

Die progressive Installation brachte ihm schließlich eine Einladung nach Kassel ein. Dort findet seit 1955 die weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst statt, Baumann erschuf anlässlich der documenta 6 eine weltweit beachtete Laserskulptur mit dem Titel „Laserscape“. Mit ähnlichen Konzepten illuminierte er später auch unter anderem die Londoner Oxford Street sowie die Niagarafälle in der kanadischen Provinz Ontario.

„Die ersten Laser waren reine Stromfresser“, sagt Baumann, der bis heute an der Entwicklung neuer Lasertechnik mitwirkt. Seine Kasseler Skulptur, einst bestehend aus zwei Gasionen-Lasern, verbrauchte bei Installation 50 Kilowatt pro Stunde. Mehrfach modifiziert und mit aktuellster Technik ausgestattet, verbraucht die Skulptur in der nordhessischen Stadt bei gleicher Leistung heute nur noch rund ein Prozent der ursprünglichen Strommenge und speist sich allein aus Solarenergie. Und auch den Lichtzeitpegel hat Baumann vor einigen Jahren umgerüstet: solarbetrieben und mit 9-Watt RGB-LED-Arrays ausgestattet, wird auch die „Düsseldorfer Zeit“ heute ausschließlich umweltfreundlich angezeigt.

 
 

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