Horrormäßig schlechte Filme

Eigentlich sehen die jungen Menschen, die sich vor dem Kinosaal versammelt haben, wie ein normales Kinopublikum aus. Keiner fällt durch übermäßiges Schwitzen oder eine krankhaft ungesunde Hautfarbe auf, und niemand hat eine Sporttasche dabei, in die ein Beil passen könnte. Große Becher mit Popcorn machen die Runde. Eigentlich enttäuschend, schließlich stehen die Besucher nicht für irgendeinen Hollywoodstreifen an, nein – sie sind hier, um sich dem Grauen zu stellen.

Suche nach dem ultimativen Kick

„Fürchtest du die Dunkelheit? Wenn Licht zu Schatten und Schatten zur Dunkelheit wird, schlägt in der UCI Kinowelt die Stunde der Midnight Movies – das Programm für nervenstarke Filmfans auf der Suche nach dem ultimativen Kick.“ Mit diesem Spruch wirbt das Kino für eine Filmreihe, die immer am Freitag um 23 Uhr gezeigt wird. Doch wer sich mutig wähnt, weil er sich kurz vor der Geisterstunde in den dunklen Kinosaal begibt, um „wahre Shockbuster aus den Bereichen Horror, Mystery, Martial Arts, Thriller und Mega-Action“ zu sehen, wird enttäuscht. Denn das Grauen hat hier eine ganz andere Dimension: Grauenhaft ist nur die Qualität der Filme, sowohl was die Technik wie auch den Inhalt angeht – und das ist durchaus gewollt. Schließlich werden in der Filmreihe extra nur Werke gezeigt, die normalerweise nicht ihren Weg ins Kino finden würden. Wohl auch deshalb wird kein regulärer Eintritt, sondern nur ein Mindestverzehr von 6 Euro erhoben.

„Die Filme sind super lustig, weil sie so schlecht gemacht sind, dass man sich nur noch kaputtlachen kann. Ich bin sonst echt eine Schissbuxe, aber gegruselt habe ich mich hier noch nie“, sagt Jennifer Mühlen. Sie gehört zu den 40 bis 60 Zuschauern, die im Schnitt zu jeder Midnight Movie Veranstaltung kommen und sich herzlich über die unfreiwillige Komik der Streifen, aber auch über die originellen Sprüche der anderen Gäste amüsieren. Es wird gejohlt, geklatscht, zum Spaß gekreischt und alles laut kommentiert. Zu spät kommende Gäste werden mit Zombie-Grunzlauten begrüßt, die allemal besser sind, als das, was die Schauspieler auf der Leinwand abliefern. Flüchtende Gäste, die wohl mit richtigem Horror gerechnet haben, werden gebeten zurückzukehren: „Gemeinsam können wir es doch schaffen“, ruft ein Spaßvogel und erntet Applaus.

„Nach so einem Werk weiß ich gute Filme wieder zu schätzen“, sagt Denis. Man glaubt es ihm gerne, schließlich hat er gerade tiefgründige Sätze einer Zombie-Wissenschaftlerinnen im Film ertragen: „Wer infiziert ist, ist sehr, sehr, sehr infiziert“ oder: „Nach drei Jahren Forschung bin ich sicher, die Krankheit steckt im Blut.“ Zudem blieb der Film, der von einer DVD abgespielt wird, mehrmals hängen, und der ohnehin schlechte Ton versagte. Für den 18-jährigen Felix steht aber dennoch fest: „Ich werde ganz bestimmt mit Freunden wiederkommen, denn ich habe selten so im Kino gelacht.“ Titel wie „Die Blutgräfin“, „College Killer“ oder „Big Bad Wolf“ warten dann auf ihn.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel