Hönscheidt arbeitet Nazi-Vergangenheit auf

Bereits vor dem erzwungenen Verkauf an Werner Hönscheidt im Jahr 1938 war das bis dahin von einer jüdischen Familie geführte Unternehmen an der Schadowstraße ansässig, hier ein Foto aus dem Jahr 1937.
Bereits vor dem erzwungenen Verkauf an Werner Hönscheidt im Jahr 1938 war das bis dahin von einer jüdischen Familie geführte Unternehmen an der Schadowstraße ansässig, hier ein Foto aus dem Jahr 1937.
Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Düsseldorf..  Nach Vorwürfen der Jüdischen Gemeinde über unrechtmäßigen Kauf des Bettengeschäftes wurde ein Historiker eingeschaltet

Das Düsseldorfer Traditionsgeschäft „Betten Hönscheidt“, das in diesem Jahr mit dem 75. Jubiläum wirbt, will seine Vergangenheit aufarbeiten. Dazu wird ein Historiker beauftragt, erste Gespräche wurden nach den Vorwürfen der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf bereits geführt. Allerdings sagte Ines Reusch, Geschäftsführerin des Bettenhauses auch: „Ich hätte mich gefreut, wenn die Jüdische Gemeinde den Kontakt mit uns gesucht hätte, bevor sie eine Pressemitteilung über uns veröffentlicht.“

Wie berichtet, ist die Jüdische Gemeinde darüber verärgert, dass das Unternehmen verschwieg, dass es bereits seit 1865 in jüdischem Besitz gewesen ist. Werner Hönscheidt, so die Gemeinde, habe 1938 die günstige Gelegenheit genutzt und das gut gehende Unternehmen zu „einem Spottpreis“ gekauft. „Möglich wurde das durch die sogenannte Arisierung“, so Michael Szentei-Heise von der Jüdischen Gemeinde. Damit waren jüdische Besitzer gezwungen, ihr Eigentum weit unter Wert an Personen zu verkaufen, die als „arisch“ angesehen wurden. Fritz Grossmann, bis 1938 Eigentümer des seit 1865 an der Schadowstraße ansässigen Geschäftes, wurde einem Jahr nach dem Zwangsverkauf verhaftet und 1940 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Seine Ehefrau Marta Grossmann wurde nach Minsk deportiert und dort umgebracht.

Geschäftsführerin Ines Reusch, deren Großvater das Geschäft 1938 gekauft hatte, stellt unmissverständlich klar, „dass die nationalsozialistischen Verbrechen ohne jeden Zweifel zu verurteilen sind und auch heute nicht vergessen sein dürfen“. Dies sei „unser aller Verantwortung“. Sie hat „großes Verständnis für das Bedürfnis der Jüdischen Gemeinde, die mahnende Erinnerung an die furchtbaren Ereignisse von damals aufrecht zu erhalten“. Und sie ergänzt: „Unsere Generation kann froh sein, in einem Werte- und Rechtssystem des Grundgesetzes zu leben“.

Überrascht ist Ines Reusch allerdings darüber, „dass niemand aus der Jüdischen Gemeinde unmittelbar auf uns zugekommen ist und den Dialog mit uns gesucht hat“. Zumal die werbliche Präsentation zu den vorherigen Jahrestagen nie kritisiert worden waren: „Kunden und Mitarbeiter wurden von dieser öffentlich vorgetragenen Kritik überrascht und verunsichert“, so Reusch. Mittlerweile hat sie ein erstes Gespräch mit einem Historiker aufgenommen, „um zu klären, wie wir in der dritten Generation knapp 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft unseres Familienbetriebs weiterhin verantwortungsvoll behandeln können.“

Die Geschäftsführerin sagt aber auch: „Der Erwerb unseres Geschäftes vor drei Generationen wurde durch die damalige Militärregierung und das Amt für Wiedergutmachung am Landgericht Düsseldorf unabhängig geprüft und im Jahr 1950 juristisch abgeschlossen.“

 
 

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