Historischer Fund am Polizeipräsidium

Bei Bauarbeiten am Polizeipräsidium fand ein Arbeiter eine Zinkdose mit der Einweihungsurkunde zum Husaren-Denkmal

Düsseldorf.  Normalerweise hat Hauptkommissar Ralf Stephan es mit der Aufklärung von Verbrechen zu tun. Er ist von der Kriminaltechnischen Untersuchungsstelle (KTU) und darauf spezialisiert, Spuren zu finden und zu sichern. Der gestrige Fall war für den Mann im weißen Kittel ein ganz besonderer. Im Polizei-Labor lagen diesmal nicht irgendwelche Teile, die auf Fingerabdrücke untersucht werden sollten, sondern eine über 80 Jahre alte Schriftrolle, die zu zerbröseln drohte und deshalb äußerst behutsam getrocknet werden musste. Es handelt sich um ein Dokument zum 2. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 11, das bis 1906 hier residierte. Bei Bauarbeiten am Polizeipräsidium fand ein Arbeiter eine Zinkdose mit der Einweihungsurkunde zum Husaren-Denkmal.

Das 2. Westfälische Regiment Nr. 11, dessen etwa 1500 Soldaten sich später einen Namen als „Krefelder Tanzhusaren“ machten, wurde 1813 in Düsseldorf aufgestellt und erst 1906 nach Krefeld verlegt. Zur Erinnerung an die Husaren steht auf dem Jürgensplatz ein Denkmal. Und das steht jetzt den Arbeiten für die neue Tiefgarage des Polizeipräsidiums im Weg. Deshalb wurde die Sanierungsfirma Lindholm beauftragt, den Denkmalsockel samt Erinnerungsplatte zu demontieren und nach den Bauarbeiten wieder dort aufzustellen.

Doch am Montag stieß der 27-jährige Arbeiter Daniel Crützen auf eine uralte Zinkdose, die er nicht zuordnen konnte. Er übergab das Fundstück einem Polizeibeamten, der sofort den Verdacht hegte, dass es sich um ein historisches Stück handeln könnte und suchte den im Präsidium arbeitenden Polizei-Historiker Klaus-Friedrich Dönecke auf. Der zögerte keine Sekunde und ging mit dem Behälter zum Polizeipräsidenten Herbert Schenkelberg. Seine Order: Ab damit ins Labor.

Äußerst vorsichtig wurde der Behälter dort geöffnet. Es stank. Dann fischten die KTU-Spezialisten die von der Feuchtigkeit aufgewölbten Fragmente einer verwitterten Schriftrolle aus Tierhaut mit Siegel hervor. Es handelt sich um die Einweihungsurkunde für das Husaren-Denkmal. Unterschrieben vom damaligen Oberbürgermeister.

Das Datum „5. Juli 1931“überrascht den Historiker Dönecke. In den Düsseldorfer Geschichtsbüchern steht, dass das Denkmal erst 1933 eingeweiht wurde. Ein Irrtum, wie sich jetzt herausstellte.

Die Arbeiter fanden auch eine Schachtel mit einem Buch und drei Heftchen mit Berichten vom Regiment. Auch diese Schriftstücke werden derzeit im Polizei-Labor aufbewahrt - und sollen möglichst schnell mit der Urkunde dem Landesarchiv übergeben werden. Dort müssen sich dann die Restauratoren an die Arbeit machen, damit möglichst viel entziffert und mehr über die Düsseldorfer Husaren in Erfahrung gebracht werden kann.

 
 

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