Helmuth und andere Katastrophen

Andrea Spatzek, April Hailer, Anna Montanaro und Tanja Bahmani.
Andrea Spatzek, April Hailer, Anna Montanaro und Tanja Bahmani.
Foto: Guido Engels

Düsseldorf..  „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ – das singt in der Komödie nicht etwa Jürgen Marcus, sondern April Hailer. Und das mit großer Stimme und mit viel Grandezza. Als Psychologin Dr. Carola Schulze-Wertheim gibt die durch ihre ZDF-Show bekannte Mimin einen Schnupperkurs ihrer Partner-Vermittlung. Unter dem Motto „Fit for love“ führen sie und ihr Pendant Rüdiger (alias Mark Kuhn) ein in die Geheimnisse der wahren Liebe. Klar, dass sich der Kurs verselbständigt und für allerlei Verwirrung unter den Damen sorgt, die einen ‚richtigen Mann’ suchen. „Männer gesucht“ heißt die Revue, deren Premiere an der Steinstraße besonders das weibliche Publikum frenetisch feierte.

In fetzigen Musiknummern geht’s dem starken Geschlecht an den Kragen. Genauer: gegen die Krawatte. In Songs und alten Schnulzen von Herbert Grönemeyer bis Abba rechnen Therapeutin Carola und drei Aspirantinnen mit künftigen Partnern oder einem „Ex“ ab. Sie greifen jedoch so tief in die Klischee-Kiste, dass selbst Frauen schwindelig wird. Witze über Männer von Vor-Vorgestern inklusive.

Dat Désirée aus Meerbusch

Pointen sind nicht die Stärke des Autors Daniel Ris. Dennoch gewinnt der Abend zunehmend an Tempo und Ironie. So gelingt ihm und Regisseur Frank-Lorentz Engel am Ende eine Parodie auf Partner- und Verkaufsshows, auf einlullendes Therapeuten- und Esoterik-Gelaber. Über die Rampe gebracht nicht allein von April Hailer, die fantastisch singen, spielen und tanzen kann.

Andrea Spatzek mimt die bieder schüchterne Ursela, die die Nase voll hat von ihrem Weichei Helmuth und endlich „einen richtigen Mann“ im Visier hat. Unschuld vom Lande, dann forsche Amazone im Petticoat. Aufgekratzt und egozentrisch dagegen Franziska, alias Anna Montanaro. Der einstige Musicalstar mit Broadway-Erfahrung macht ganz auf Egotrip, gibt sich mannstoll. Sie will beweisen, dass sie längst fit für die Liebe ist und knutscht sofort mit Carolas Assistenten Rüdiger. Montanaro singt zwar nicht mehr so brillant wie einst in Kultmusicals wie „Cabaret“ und „Chicago“, dafür aber schnurriger, intimer und gefühliger. Und passt sich in raffiniert arrangierten A-Cappella-Songs den Partnerinnen an.

Die Entdeckung: Tanja Bahmani. Als rundliche rheinische Ulknudel, die keinen Hehl aus ihren Pfunden und Dialektliebe macht, beginnt sie „Isch bin dat Désirée aus Meerbusch“. In Songs und einer schrägen Carmen-Parodie trumpft sie mit ihrem sonoren Mezzosopran rheinisch auf, gibt allen Karneval-Affen Zucker. In Figur, Temperament und Stimme ist sie der legendären Komikerin Trude Herr auf der Spur. Von ihr wird man noch hören und sehen. - Viel Jubel nach der Premiere.

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