Hans-Peter Feldmann stellt in Düsseldorf aus

Werk des Künstlers Hans-Peter Feldmann. Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool
Werk des Künstlers Hans-Peter Feldmann. Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool
Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool

Düsseldorf.. Mit dem Düsseldorfer Künstler Hans-Peter Feldmann ist es so eine Sache. Man kennt ihn, und man kennt ihn nicht. Dem Betriebssystem Kunst entzieht und widersetzt er sich: Feldmann signiert seine Werke nicht, und er limitiert nicht.

Bilder, sagt der Düsseldorfer Künstler Hans-Peter Feldmann , gehören allen. Er signiert und limitiert seine Werke nicht. Mit Journalisten spricht er ungern, es gibt nicht viele Fotos - selbst Kollegen wissen zum Teil nicht, wie er aussieht. Feldmann, der Sammler und Spieler mit pfundweise Schalk im Nacken. Feldmann, das berühmte Phantom. Und so blieb es auch gestern bis zuletzt ungewiss, ob er seine Zusage einhält: Kommt er oder kommt er nicht zur Präsentation seiner Retrospektive? Und, wenn er kommt: Wird er etwas sagen? Um es kurz zu machen: Er kam. Und hatte schon vorab klargestellt: Keine Interviews. Obwohl es Anfragen gab bis Hongkong.

Flohmärkte, Geschäfte, Alben und Zeitschriften

Mit ihm kam sein Sohn, ein jüngeres Ebenbild Feldmanns, wie er ein großer stattlicher Mann mit dichtem weißen Haar. Er hielt die Ausstellung mit der Kamera fest - im Anschluss wird sie in Malmö und Madrid gezeigt. Feldmann selbst nahm in der ersten Reihe außen Platz. Hörte aufmerksam zu, was Kunsthallenchef Gregor Jansen vortrug, dann und wann grinste er vergnügt. Die Ausstellung, im Wesentlichen vom Künstler zusammengestellt und in Düsseldorf von Jansen und Elodie Evers kuratiert, funktioniere „wie kleine Zahnrädchen wie von selbst“, sagte Jansen. Hier hängen die Werke mit Wonne schief, auf dem Kopf oder hinter Pfeilern versteckt. Insgesamt eine leichte, spielerische, augenzwinkernde Schau, die einen Querschnitt durch alle Schaffensperioden bietet.

Kunst macht der Düsseldorfer, der sich im öffentlichen Leben lieber als „Kaufmann“ bezeichnet, seit den 60er Jahren. In den 80ern pausierte er, unterhielt ein Geschäft, kehrte aber dann in die Kunstwelt zurück, weil er, so sagt er, „zu schwach“ war. Gut so. Feldmann ist einer, der sich nicht ersetzen lässt. Manchmal kann es halt nur einen geben.

Dabei ist der Mann mit dem freundlichen Gesicht und der zurückhaltenden Art nicht nur optisch breitschultrig aufgestellt. Von Haus aus Fotograf begann der heute 69-Jährige früh mit dem Jagen und Sammeln. Sein Revier: Flohmärkte, Antiquitäten-, Spielzeug- und Geschenkartikelgeschäfte, Zeitungen, Zeitschriften, Fotoalben. Hier findet er Alltägliches, Kunst und Kitsch und macht daraus die typischen Feldmann-Arbeiten, die archivieren, neu ordnen, ironisieren, in Frage stellen. Meist stehen am Ende dieses Prozesses Serien wie die Bilder der Opfer des RAF-Terrorismus, die Feldmann in der Bergerkirche zeigte.

Ein anderes Beispiel ist seine David-Skulptur, frei nach Michelangelo, die überlebensgroß und bunt mit güldenem Scham- und Kopfhaar vor dem Malkasten für Kitsch-oder-Kunst-Debatten sorgte. Eine kleine Version ist nun mit einer Venus-Figur in der Kunsthalle zu sehen, gleich neben einem Riesenpapierflieger. An der Wand lehnt ein Fahrrad, als habe man es vergessen - wenig weiter: Fotoreihen von Blumen, Brotscheiben, Wolken, Frauenknien, zerwühlten Betten und stapelweise Pumps. Im Stockwerk drüber bleibt ein Raum für die Porträtserie „100 Jahre“ reserviert. Feldmann fotografierte hundert Freunde und Bekannte zwischen acht Monaten und hundert Jahren. Meterweise Gesichter, eins für jedes Alter, die begreifbar machen, wie nahe Freude, Trauer, Geburt und Tod beieinander liegen.

Dagegen zaubern im Erdgeschoss selbstgebaute Karussells aus Spielzeug und anderen Fundstücken Schattenspiele an die Wand. Ein Ort der Stille, Zeit zum Träumen. Nebenan wird gelacht. Hier hängen die Biedermeier-Gemälde eines Paares, das dank Feldmann herzzerreißend schielt. Ebenso wie Karl Marx, dem plötzlich jede rauschbärtige Würde fehlt.

Blumen für Sigmar Polke

Ähnlich verhält es sich mit einem Denkmal. Ein in Stein gemeißeltes „Oh je“. Derweil erinnert ein zum Feierabend auf den Tisch gestellter Kneipenstuhl der „Uel“ an private und öffentliche Geschichte(n): an die Zeit, in der Feldmann an der Ratinger Straße gekellnert hat. Und während an den Wänden im Foyer über hundert dekorative Tortenböden des Künstlerkollegen Werner Wenz gekonnt auf all das einstimmen, fand zuletzt noch ein Blumenstrauß Platz. Ein letzter Gruß an den soeben verstorbenen Kollegen Sigmar Polke.

Allein die Hängung der Ausstellung machte allen großen Spaß, erzählte Jansen. Den Künstler habe man in dieser Zeit „wie einen guten Vater“ erlebt. Da lacht er herzlich, der Hans-Peter Feldmann - nicht das Phantom, der Mensch.

Bis 22. August, Di-So 11-18 Uhr. Informationen: www.kunsthalle-duesseldorf.de

 
 

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