Geschichten von Morgen

Professor Wolfgang Ullrich ist Intendant der Quadriennale. Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool
Professor Wolfgang Ullrich ist Intendant der Quadriennale. Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool
Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Düsseldorf.. Die erste Geschichte von der Zukunft wurde gestern erzählt. Große Ereignisse kündigen sich früh an. Und so kam es, dass sich zwei Jahre vor dem eigentlichen Start im April 2014 alle im Rathaus versammelt hatten: Politiker und Leiter sämtlicher Museen vom Kunstpalast bis zur Akademie-Galerie. Fünf Millionen Euro lässt sich die Stadt die Quadriennale 2014 kosten, mit im Paket steckt eine neue Stelle: Wolfgang Ullrich, Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie aus Karlsruhe, ist der erste Programmleiter des größten Museumsfestes, mit dem sich Düsseldorf seit 2006 im Vierjahres-Rhythmus als Kunststadt präsentiert. Oder wie OB Dirk Elbers sagte „als einer der wichtigsten Kunststandorte Deutschlands.“

Nicht lang gezögert

Da wundert es nicht, das Wolfgang Ullrich nicht lang zögerte, als man ihm den Intendanten-Job anbot. Er saß bereits 2010 im Boot, als Mitwirkender des Symposiums. Bei „einer der üblichen Biennalen“ hätte er abgewinkt, sagte er. Anders bei der Quadriennale. Zum einen konzentriere sich die nicht nur auf Zeitgenossen, sondern wage den Spagat zwischen den Jahrhunderten. Außerdem sei sie ein urbanes Fest, an dem sich alle Museen beteiligen und verhandele ein gemeinsames Thema. „Da besteht eine höhere inhaltliche Verbindlichkeit.“

Er werde einiges neu gestalten, heutigen Verhältnissen anpassen, kündigte Ullrich an. Bindend wirkt das Thema. „Über das Morgen hinaus“ konfrontiere nicht nur vergangene Zukunftsvisionen mit der Wirklichkeit. Außerdem geht’s um heutige Utopien. „Kunst kann der Motor der Zukunft sein, gerade in einer Zeit, in der die Menschen damit beschäftigt sind, die Gegenwart zu verwalten.“

Schwerpunktmäßig werden sich die Ausstellungen an den Begriffen der Materie und der Materialität orientieren und Kunst mit Technik und Wissenschaft verbinden. Klingt theoretisch. Wobei Ullrich durchaus sinnliche Erlebnisse bieten will. „Wir erzählen Geschichten von der Zukunft.“ So geht es im Museum Kunstpalast um „Kunst und Alchemie“ und so auch um Magie und Zauberei. Von mittelalterlichen Buchmalern wird ein Bogen über Brueghel bis zu Beuys und Polke geschlagen.

Kandinsky und Mondrian

Die Kunstsammlung NRW widmet sich unter dem Titel „Der weiße Abgrund Unendlichkeit“ den Pionieren der Avantgarde Kandinsky, Malevich, Mondrian. Das NRW-Forum behandelt die „Pleasure of Ruins“, die Symbolkraft von Ruinen, und zeigt Werke von Bernd und Hilla Becher und Robert Smithson. Die Schau im Ständehaus/K21 thematisiert eine Verlagerung des Lebensraums unter die Erde und vereint Utopien von Kafka bis Kippenberger. Im KIT beschäftigt sich die Künstlerin Pauline M’Barek mit afrikanischen Visionen. Kunsthalle und Kunstverein setzen eine Ausstellung des Pariser Pompidou von 1985 fort, die sich um eine digitalisierte Zukunft drehte. Und die Kunstakademie entlässt ihre Bildhauer in die Stadt und präsentiert Skulpturen im öffentlichen Raum. Mit der Architektur des Science Fiction beschäftigt sich das Filmmuseum. Schon Anfang 2013 wird ein Symposium neugierig machen. Vortragsreihen folgen.

Ullrich hat sein Domizil im Zollhof bezogen. Er verstehe sich vor allem als Moderator, sagte er. Erste Gespräche sind geführt, Synergien aufgespürt, jetzt sollen die Galerien dazu kommen. Er hoffe, nicht nur an den Besucherzahlen gemessen zu werden, so Ullrich am Ende. Die hatten wiederholt für Kritik am Millionenprojekt gesorgt: 2006 kamen 380 000, 2010 rund 250 000. Ulrich geht es darum, das Potenzial einer Stadt herauszustellen. „Das muss sich aber mit den Besucherzahlen die Waage halten“, ermahnte OB Elbers. Klingt nicht gerade nach einem neuen Traumjob.

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