Gericht verhängt 1200 Euro Strafe für Fahrt mit "Hoverboard"

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  • 1200 Euro soll ein 40-Jährige zahlen, der im August von Polizisten angehalten worden war
  • Der Grund: Er war mit einem "Hoverboard" auf öffentlichen Straßen unterwegs
  • Laut den Richtern ist das Board versicherungspflichtig, da es schneller als Schritttempo fährt

Düsseldorf.. Sie sind der Kindheitstraum einer Generation: Als 1989 der Film "Zurück in die Zukunft II" die Welt von 2015 zeichnete, rasten die Menschen dort auf "Hoverboards" durch die Straßen. Diese fantastischen Skateboards ohne Rollen, die ein paar Zentimeter über dem Boden schweben, gibt es auch im Jahr 2016 noch nicht. Als "Hoverboards" bezeichnet werden heute elektrobetriebene Rollbretter, auf denen man durch Gewichtsverlagerung beschleunigt und lenkt. Ein Plastikspielzeug mit kleinem Motor, schwachbrüstige Segways ohne Griff. Doch selbst dafür ist die Zeit noch nicht reif, befand ein Düsseldorfer Richter, und verurteilte einen "Hoverboard"-Fahrer zu einer Geldstrafe.

1200 Euro soll der 40-Jährige zahlen, der im August von Polizisten angehalten worden war, als er mit dem Board über einen Bürgersteig in Düsseldorf rollte. Sein Gefährt war schneller als Schritttempo - und damit versicherungspflichtig, befand der Richter. Auch benötige man für ein so schnelles motorisiertes Fortbewegungsmittel einen Führerschein. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; der "Hoverboard"-Fahrer hat angekündigt, Berufung einzulegen.

Fahren ohne Fahrerlaubnis und Verstoß gegen das Versicherungsgesetz

Eine Straßenzulassung haben "Hoverboards" nicht, deshalb können sie nicht versichert werden. Und einen Führerschein - ob nun für Pkw oder eine der Motorradklassen - haben die meist jungen Nutzer nicht. Damit begehen sie eine weitere Straftat: Fahren ohne Fahrerlaubnis. Wer auf einem "Hoverboard" rollen möchte, darf das nur auf einem abgesperrten Privatgrundstück tun, Supermarktparkplätze zählen beispielsweise nicht dazu.

Neben den "Hoverboards", die ihre Rollen zu beiden Seiten der Trittfläche haben, sind auch Bretter in Form klassischer Skateboards mit Elektroantrieb auf dem Markt, außerdem "Solowheels", bei denen ein Reifen und der Motor zwischen zwei Trittbrettern montiert sind.

Erfindung eines Esseners begeistert Investoren in Fernsehsendung

Eine weitere Variante wurde am Dienstagabend in der Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen" auf Vox vorgestellt. Der Essener Uli Sambeth entwickelte den "eBall", bei dem Motoren einen Ball antreiben. Auf einem Ring über dem Ball steht der Fahrer und steuert das Gefährt ebenfalls über Gewichtsverlagerung. Es soll mehr Sportgerät als Fortbewegungsmittel sein. Die fünf Investoren haben in der Sendung 500.000 Euro für das Projekt zugesagt - dass der "eBall" jemals außerhalb eines Privatgrundstücks rollen darf, ist unwahrscheinlich.

"Innovationen sollte man nicht abbügeln, aber man kann nicht alles zulassen, und nachher treten dann Probleme auf", sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Der Mobilitätsexperte sieht zunächst die Hersteller neuer Fortbewegungsmittel - in diesem Fall der "Hoverboards" - in der Pflicht. "Sie müssen schauen, dass man die Produkte sorgfältig in den Markt bringt."

Bei steigenden Nutzerzahlen muss der Gesetzgeber reagieren

Dann sei auch der Gesetzgeber gefragt. "Wir brauchen Regeln. Wie weit sie gehen, ist Abwägungssache", sagt Dudenhöfer und nennt ein Beispiel aus einem anderen Bereich: "Wenn eine Drohne rumfliegt, tut das niemandem weh. Wenn man aber 100 über einem Stadtteil hat, regt es die Leute vielleicht auf." Auch bei "Hoverboards" müsse überprüft werden, welche Gefahren bei der Nutzung auftreten und wie man sie abwenden könnte. "Wie schnell ist man damit unterwegs? Wird man nachts erkannt? Wenn ein Kind auf die Straße springt, kann man rechtzeitig bremsen? Sollte jemand übersehen und von einem Auto überfahren werden, holt Sie das trotz der Innovationsfreude ein."

Dudenhöfer, der jüngst ein Buch über die Mobilität der Zukunft veröffentlicht hat, verfolgt den Wandel in der Gesellschaft, wenn es um die Wahl der Fortbewegungsmittel geht. "Am Anfang fand ich es beknackt, als ich gehört habe, dass im Ruhrgebiet eine Fahrradautobahn von Hamm nach Duisburg gebaut werden soll. Inzwischen finde ich das klasse", sagt der Professor. "E-Bikes und andere Dinge spielen eine große Rolle und lassen uns eine neue Mobilität erleben. Es muss nicht alles mit Autos, Zügen oder Bahnen gehen."

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