Geldnotstand im Kinderland

Die Mädels informieren sich über Möglichkeiten im Erzieherwesen
Die Mädels informieren sich über Möglichkeiten im Erzieherwesen
Foto: dfsaf
Düsseldorf sucht Erzieher. Doch der Beruf ist schlecht bezahlt. Die Stadt informierte am Dienstag beim Fachtag „Kita aktiv“.

Düsseldorf..  „Bildung ist die wichtigste Ressource überhaupt.“ Mit diesen Worten will Bürgermeisterin Klaudia Zepunkte (SPD) den Anwesenden sagen: Die Stadt braucht euch. Ihr leistet eine unverzichtbare Arbeit für die Allgemeinheit. Da hebt ein junger Mann mit gepierctem Mund, Drei-Tage-Bart und braunem Hut aus der letzten Reihe die Hand: „Und warum bezahlen Sie uns dann nicht anständig?“

Auf dem Fachtag „Kita aktiv“ soll es rund um das Berufsfeld des Erziehers gehen. Die meisten der Anwesenden sind Auszubildende. Bundesagentur für Arbeit, Jugendamt und verschiedene Ausbildungsschulen informieren, geben Ratschläge und zeigen Zukunftsaussichten auf. Aber über all dem hängt immer wieder die Frage: Warum ist dieser Beruf so schlecht bezahlt?

„Sinnstiftende Tätigkeit“

Die Antwort der Verantwortlichen fällt darauf meist sehr knapp aus: „Sicher, der Beruf ist nicht sehr gut bezahlt, und das muss sich auch ändern“, sagt Burkhard Hintzsche, Jugenddezernent der Stadt. Danach kommt er aber sehr schnell auf die Vorzüge des Berufs zu sprechen: die „sinnstiftende Tätigkeit“, die vielfältigen Aufgabenfelder und der sichere Arbeitsplatz. Auf dem Fachtag wird aber immer gefragt, was eine sichere Stelle nutzt, von der man nicht leben kann.

Erzieher werden zurzeit in Düsseldorf gesucht wie schon seit Jahren nicht: Aktuell gibt es rund 800 offene Stellen, die mit Auszubildenden, Langzeitpraktikanten und Berufsrückkehrern gefüllt werden sollen. Vor allem Männer sind hierbei gefragt, denn sie sind in diesem Beruf kaum vertreten. In NRW sind weniger als drei Prozent aller Erzieher männlich. In Kombination mit dem Mangel an männlichen Grundschullehrern fehlen vielen Kindern bis zum zehnten Lebensjahr Männer als Bezugspersonen außerhalb der Familie. Besonders der Nachwuchs von den alleinerziehenden Müttern habe darunter zu leiden, warnen Pädagogen.

Für das frühkindliche Bildungsangebot und die pädagogische Betreuung vor dem Grundschuleintritt stellt das Land NRW ein Budget von 2,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieser Betrag hat sich seit 2010 verdoppelt. Gerade vor dem Hintergrund dieser Zahlen wirkt die Frage, ob nicht eine bessere Bezahlung für die Erzieher möglich wäre, umso dringlicher.

Der junge Mann, der diese Frage laut gestellt hat, heißt Clemens Fassbinder. Er absolviert seine Ausbildung am St. Ursula Berufskolleg. „Ich will Erzieher werden, weil mir die Arbeit mit Kindern einfach liegt. Aber mit den Bedingungen bin ich nicht zufrieden“, sagt er. „Für eine Ausbildung von fünf Jahren, in denen ich auch Praktika mache, sehe ich keinen müden Cent. Ich bin sicher, dass das Geld im Erziehungswesen besser aufgehoben wäre, als zum Beispiel im Soli.“

Trotzdem will Clemens Fassbinder seine Ausbildung fortsetzen, auch wenn er weiß, dass er auch als ausgebildeter Erzieher weniger verdienen wird als Menschen in ähnlich anspruchsvollen Berufen.

Das wissen auch Annika Schützner und ihre Freundinnen. Sie informierten sich gestern während des Fachtags „Kita aktiv“ in den Räumen der Düsseldorfer VHSam Bertha-von-Suttner-Platz über Möglichkeiten, sich nach ihrer Ausbildung weiter zu bilden. „Wir bekommen ja das Fachabi, damit können wir auch studieren oder in einen anderen Beruf gehen“, sagt sie.

Für die Mädchen scheint das Erziehungswesen doch reizvoll zu sein. „Mit vielen Qualifikationen und Berufserfahrung kann man ja doch bis zu 3000 Euro brutto verdienen“, sagt ihre Freundin Bettina Naß. Sie wissen jedoch, dass sie höchst wahrscheinlich gerade einmal die Hälfte bekommen werden.

Aber: „Wenn einem ein Beruf Spaß macht, ist es auch der richtige!“

EURE FAVORITEN