Geisel will größere Lobby für die Radler

Startschuss zum Stadtradeln (v.l.) Stephan Keller, Thomas Geisel, Helga Stulgies
Startschuss zum Stadtradeln (v.l.) Stephan Keller, Thomas Geisel, Helga Stulgies
Foto: Wappner
Die Stadtverwaltung spinnt derzeit ein „Radhauptnetz“: Zum Beispiel mit Bikerstreifen auf der Merowingerstraße, Tempo 30 für Autos auf der Luegallee. „Düsseldorf war reif dafür, es geht um moderne Mobilität, da sind wir als Kommune jetzt in der Pflicht“, sagt OB Geisel.

Düsseldorf.  Nein, Thomas Geisel will es nicht als politisches Signal sehen, sondern als überfällige Maßnahme. „Düsseldorf war reif dafür, es geht um moderne Mobilität, da sind wir als Kommune jetzt in der Pflicht“, sagte der OB am Freitag. Der 50-Jährige meinte damit das neue Konzept für ein Radhauptnetz für die Rheinmetropole, das am 24. September auch in den Verkehrsausschuss eingebracht wird. In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Radler im Düsseldorfer Straßenverkehr von 8,5 auf 12,5 Prozent. Es soll nach Willen des Verwaltungschefs noch viel mehr werden. Ihm schwebt eine „angebotsorientierte Politik vor“.

Hauptverkehrsstraßen einbeziehen!

Das heißt im Klartext: Das Radfahren soll in Düsseldorf künftig sicherer, einfacher und bequemer, zudem den Bikern eine größere Lobby eingeräumt werden. Verkehrsdezernent Stephan Keller fährt selbst jeden Tag auf dem Fahrradsattel zur Arbeit und nennt ein konkretes Beispiel. Die Merowingerstraße in Bilk, als eine der Haupteinfallstraßen aus dem Süden in die City, auf der Radeln ungefähr so sicher ist wie auf einem Minenfeld, könnte zwei jeweils zwei Meter breite Streifen für die Biker bekommen. „Dafür dürften die Autos dort nicht mehr quer, sondern längst parken.“ Andere Idee: Tempo 30 für Autos auf der Luegallee in Oberkassel. „Dann wären dort viele Probleme zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern auf einmal gelöst“, so Keller. Es ginge in dem neuen Konzept auch darum, Lücken zu schließen. „Dafür müssen wir die Hauptverkehrsstraßen mit einbeziehen.“

In der Verwaltungskonferenz am vergangenen Dienstag wurden die Grundsteine für das gelegt, was Keller als „möglichen Quantensprung, was die Fahrradfreundlichkeit in dieser Stadt angeht“ bezeichnet. 2015 sollen rund zwei Millionen Euro im Haushalt für die „Anpassung der Infrastruktur“ bereit gestellt werden, um der „wachsenden Bedeutung des Fahrrades als Verkehrsmittel zu begegnen“. Nach der Vorstellung im Verkehrsausschuss sollen Details mit den Politikern in den Bezirksvertretungen abgestimmt werden. In fünf Jahren, so schwebt es Keller vor, soll das Projekt beendet sein.

Für die Entwicklung des Radhauptnetzes arbeitet die Stadt mit zwei Ingenieurbüros zusammen. Ein Büro hat sich des Düsseldorfer Nordens angenommen, ein anders des Stadtsüdens. Insgesamt 500 Straßen wurden bereits gescannt und auf Prioritätenlisten verteilt. So gibt es in der Stadt bereits viele gut funktionierende Bezirksnetze für die Biker mit Radwegen sowie Radfahr- und Schutzstreifen, wie etwa auf der Kölner Straße, Bochumer Straße oder Gruner Straße. Es gibt aber auch Straßenabschnitte, die dringend einen Upload benötigen. „Für diese Gebiete müssen wir neue Bausteine entwickeln“, so Keller.

Diese neuen Bausteine basieren auf der Idee, Flächen mehrfach zu nutzen, um dann flexibel bei der Steigerung der Radverkehrsmengen zu handeln. Stichwort: die „shared bike lane“, die aus dem amerikanischen Planungsrepertoire kommt. Dabei werden Flächen so markiert, dass allen Nutzern die Mehrfachbedeutung klar wird.

Mit dem neuen OB scheinen die Zeiten für Radler rosiger zu werden. Als Joachim Erwin Oberbürgermeister wurde, war eine seiner ersten Amtshandlungen, einen Fahrradstreifen auf der Luegallee überpinseln zu lassen. Das wird Geisel nicht passieren. „Niemand hat die Absicht, einen Radweg zu streichen“, sagte er gestern fröhlich.

 
 

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