Geflüchtete wollen das wahre Bild ihres Landes vertreten

Fortschritte im Sprachkurs: (v..l.) Mohamed Abozamazm (Libyen), Mohanda Aljaban (Syrien), Mohammad Ahmmad (Syrien), Adurrhman Ben Zeglam (Libyen).
Fortschritte im Sprachkurs: (v..l.) Mohamed Abozamazm (Libyen), Mohanda Aljaban (Syrien), Mohammad Ahmmad (Syrien), Adurrhman Ben Zeglam (Libyen).
Foto: OH
Das Institut für Internationale Kommunikation unterrichtet Flüchtlinge aus Syrien und Lybien. Viele der jungen Leute haben in ihrer Heimat studiert.

Düsseldorf..  Anrecht auf einen Sprachkurs haben Asylbewerber derzeit erst, wenn sie als solche amtlich anerkannt werden. Doch so lange wollten Angie Henle vom Kaiserswerther Sprachenschiff und Matthias Jung vom IIK nicht warten. Angie Henle gewann bereits im April eine holländische Kulturstiftung dafür, die Lehrerhonorare und Lehrmaterialien zu bezahlen, den Rest der Kurskosten übernahmen die Sprachschulen. Im Sprachenschiff wurde zunächst eine Gruppe von 15 Syrern im Alter von 19 bis 31 unterrichtet. Nun hat das IIK die weitere Qualifizierung übernommen: Seit Mai dieses Jahres werden die Asylsuchenden zusammen mit anderen Deutschlernern in verschiedenen internationalen Klassen unterrichtet – je nach Deutschniveau.

„Viele Flüchtlinge sind hochmotiviert und gehören zu einer besonders tatkräftigen Elite, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen wollen“, sagt Matthias Jung. „Die langen Wartezeiten in den Flüchtlingsunterkünften sind für sie demotivierend.“ Das IIK sponsert deshalb das Projekt mit Räumen, Organisation und einer speziellen Betreuung durch Mitarbeiterin Fatima Mohjazi, syrische Kulturmittlerin und Integrationsbetreuerin. Die 48-jährige Bauingenieurin aus Syrien kümmert sich seit 2014 um Kursteilnehmer aus den arabischen Staaten. Jung: „Wir möchten qualifizierten jungen Menschen helfen, die durch das aktuelle Raster fallen: Entweder, weil sie wegen des laufenden Verfahrens noch keinen Anspruch auf einen Sprachkurs haben, oder weil ihr Sprachniveau schon über dem der Integrationskurse liegt, aber ihre Deutschkenntnisse für ein Studium oder einen adäquaten Job noch nicht ausreichen.“

Differenzierung als wichtiger Schritt

Bei den Teilnehmern kommt das super an. „Ich bin nach Deutschland gekommen, weil es viele Chancen für mich gibt, ich möchte hier studieren und arbeiten“, sagt Mohammad Ahmmad (22). „In Syrien habe ich vier Jahre Jura studiert. Ich würde gern etwas zurück zu den Menschen hier geben, die mir von Anfang an helfen. Ich möchte das wahre Bild meines Landes hier vertreten.“

Vor allem aus didaktischer Sicht setzt sich das IIK für differenziertere Sprachkurse bei den Flüchtlingen ein. Eine Unterscheidung zwischen Kindern, Jugendlichen, bildungsfernen und bildungsaffinen Erwachsenen wäre ein wichtiger Schritt. Am schlimmsten für die Flüchtlinge sei die Untätigkeit, zu der die aktuelle politische Rechtslage sie „verdonnere“, meint Matthias Jung. „Ein qualifizierter Sprachunterricht in den Flüchtlingsunterkünften, der auch zivilgesellschaftliche Werte und Alltagsnormen vermittelt, wäre ein idealer Brückenschlag zu der einheimischen Wohnbevölkerung.“

Der studierte Bauingenieur Mohanad Aljaban sagt: „Ich habe Deutschland ausgewählt, weil es viele Möglichkeiten für mich gibt. Zum Beispiel kann ich mein Studium weiter machen. Dann kann ich leichter einen Job finden und Deutschland die Dankbarkeiten zurückgeben.“

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