Gefahr im Toten Winkel

Die Ampel wird grün, der Radfahrer steigt in die Pedale. Neben ihm gibt auch der Lkw Gas, biegt rechts ab. Für den Radler wird es eng, dann ist es passiert. Der Mann im Führerhaus merkt erst, dass etwas nicht stimmt, als er einen Schrei hört. Doch da ist es schon zu spät.

Im vergangenen Jahr gab es in Düsseldorf mehr als 500 Unfälle beim Abbiegen, an denen Radfahrer beteiligt waren. Dabei wurden fünf Menschen getötet. Die Schuldfrage ist in solchen Fällen oft schwer zu beantworten, denn die Opfer hatten oft Vorfahrt - aber die LKW-Fahrer konnten sie nicht sehen. Schuld daran ist der so genannte Tote Winkel, also der Bereich, den der Fahrer trotz der Spiegel nicht einsehen kann. Wenn sich der Radfahrer hier aufhält, kann es leicht zu gefährlichen Situationen kommen.

Dem will die Verkehrswacht jetzt entgegenwirken. Sie hat Aufkleber für große Fahrzeuge wie Busse oder Lkw entwickelt, die Radfahrer warnen sollen, wenn sie im Toten Winkel sind.

Am sichersten seien Radfahrer, wenn sie an der Ampel hinter einem großen Fahrzeug warten, so Andreas Hartnigk, Vorsitzender der Verkehrswacht. „Die Zeitersparnis ist das Risiko nicht wert.“

Als erstes Unternehmen hat die Düsseldorfer Firma Gerken, die Arbeitsbühnen vermietet, ihre Fahrzeuge mit den Warnschildern beklebt. Über 100 Aufkleber sind schon angebracht, weitere sollen folgen, auch über das Stadtgebiet hinaus, denn Gerken hat auch Niederlassungen in Bremerhaven oder München. „Jeder Aufkleber hilft. Für uns als Logistiker ist gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr sehr wichtig“, sagt Geschäftsführer Christian Gerken.

Die Verkehrswacht hofft, weitere Unternehmen für die Aktion „Vorsicht, Toter Winkel!“ gewinnen zu können. Im letzten Jahr war mit dem Versanddienst UPS eine ähnliche Aktion gelungen.

Und die Zeit drängt: Gerade im Herbst und Winter steigt die Zahl der Unfälle. Das liegt vor allem an der schlechteren Sicht: Bei Nebel, Regen oder Dunkelheit können Lkw-Fahrer kleine Verkehrsteilnehmer noch leichter übersehen. Daher rät die Verkehrswacht auch Radfahrern, die den Toten Winkel bewusst meiden, von dunkler Kleidung ab und empfiehlt auffällige Warnwesten.

Andreas Hartnigk betont, dass der Aufkleber kein Freibrief für die Lkw-Fahrer sei. „Aufmerksamkeit ist trotzdem wichtig.“

Ein Fahrradfahrer kann übrigens ganz einfach überprüfen, ob er im Toten Winkel eines Lasters steht: Kann er in einem der Spiegel die Augen des Fahrers erkennen, kann dieser ihn umgekehrt auch sehen.

 
 

EURE FAVORITEN