Für Radfahrer ist es oft noch zu eng

Auf der Duisburger Straße müssen die Radler ohne eigenen Weg auskommen und Autos in zweiter Reihe umfahren.
Auf der Duisburger Straße müssen die Radler ohne eigenen Weg auskommen und Autos in zweiter Reihe umfahren.
Foto: Kai Kitschenberg
Radfahrer haben angeblich bei allen Parteien Vorfahrt. Zumindest in Sonntagsreden. Im Alltag sieht es häufig anders aus: Da müssen sich Pedalritter mühsam ihren Weg durch den Verkehr bahnen.

Düsseldorf ist eine Einkaufsstadt, aber noch keine Stadt zum Fahrradfahren – das legen die Ergebnisse des aktuellen NRZ-Bürgerbarometers nahe. Gefragt, wie zufrieden sie mit der Infrastruktur in Düsseldorf seien, waren mehr Bürger mit dem Angebot an Radwegen unzufrieden als zufrieden. Gleiches gilt für den Zustand der Bahnhöfe. Als besonders positiv bewerteten die Befragten hingegen das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten sowie den Zustand der Grünanlagen – trotz der Verwüstung durch den Orkan Ela im Sommer. Auch mit den Sportstätten sind die meisten Düsseldorfer zufrieden.

Dass die Stadt in Sachen Radverkehr wie schon beim letzten Bürgerbarometer von 2011 nicht gut abschneidet, kann sich Andrea Blome, Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement, nicht erklären. „Das tut uns immer ein bisschen weh“, sagt sie. Denn die Stadt tue schon sehr viel für den Fahrradverkehr, etwa mit den geplanten Radschnellwegen im Süden nach Hilden und Neuss oder mit dem Konzept für ein Radhauptnetz, durch das sich Radfahrer künftig schnell und sicher durch die Stadt bewegen sollen. Aber auch in den vergangenen Jahren seien bereits viele Projekte umgesetzt worden: neben einem Bezirksnetz von rund 650 Kilometern Länge beispielsweise auch der Bau von Fahrradabstell-anlagen und einer Radstation sowie eine bessere Beschilderung der Radwege. Düsseldorf ist zudem Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundliche Städte, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, die Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer in den Städten zu verbessern.

Viele Maßnahmen stehen noch aus

Dass der Wille zum Wandel inzwischen da ist, nimmt auch Oliver von Hörsten, Vorsitzender des ADFC Düsseldorf, wohlwollend zur Kenntnis. „Gerade in diesem Jahr hat die Stadt einige Diskussionen angestoßen. Ich hoffe, dass das Thema mit dem neuen Oberbürgermeister stärker auf die Agenda kommt“, sagt er. Auch dass Düsseldorf im September erstmals beim Stadtradeln teilgenommen hat, wertet von Hörsten als „sehr erfreuliches Signal“. Dennoch: „Der gordische Knoten Innenstadt ist noch nicht gelöst“, so der ADFC-Vorsitzende, „dort fehlt es noch an einem schlüssigen Konzept, was nach Abschluss der Wehrhahnlinie mit dem Platz oben auf den Straßen passieren soll.“

Es tut sich also etwas, aber man braucht offenbar noch Geduld. Gleiches gilt für die S-Bahnhöfe im Stadtgebiet. Ab 2010 sollten eigentlich 14 von ihnen für 35 Millionen Euro modernisiert werden. Doch es kam zu Verzögerungen, auch wegen Personalengpässen bei der Bahn. Der S-Bahnhof Derendorf, der ursprünglich 2013 fertiggestellt werden sollte, ist noch immer eine Baustelle, ebenso der S-Bahnhof Wehrhahn. In Derendorf müsse noch ein Fundament im Gleisbereich entfernt werden, sagt ein Bahnsprecher. Vor 2016 sei damit jedoch nicht zu rechnen. Bis dahin sollen auch die neuen Infotafeln und Aufzüge in Bilk installiert sein. Am Wehrhahn hakt es noch bei der Treppe zur Ackerstraße. Die Maßnahme soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden.

Wann die Bahnhöfe in Reisholz und Gerresheim erneuert werden, ist noch unklar. Die nötigen Abstimmungen zwischen Bahn, Stadt und VRR sind noch nicht abgeschlossen.

 
 

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