Führt Handy-Aufzeichnung zu Doppelmördern?

Doppelmord in Hassels. Jetzt gibt es zwei Phantombilder. (Foto: Polizei)
Doppelmord in Hassels. Jetzt gibt es zwei Phantombilder. (Foto: Polizei)
Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool

Düsseldorf. Ein Doppelmord in Düsseldorf-Hassels sorgte im Juni für Aufsehen. Nun sind die Ermittler einen wichtigen Schritt weitergekommen. Ein Opfer hatte die Stimme des einen, vielleicht auch des zweiten Täters sichern können.

Bei der Fahndung nach den beiden Mördern, die am 17. Juni im Mehrfamilienhaus Altenbrückstraße 43 in Hassels den pensionierten Regierungsbaudirektor Helmut S. (82) und seine Tochter Mara (39) mit mehreren Kopfschüssen regelrecht hingerichtet hatten, ist die Ermittlergruppe einen wichtigen Schritt weiterkommen.

Sie konnte die Stimme des einen, vielleicht auch des zweiten Täters sichern. Die Tochter hatte, als sie in die Gewalt der Männer geriet, noch einen Notruf abgesetzt und das Handy, das sie offenbar aus Angst vor Entdeckung weit von sich schob, angeschaltet gelassen.

„Hallo, Polizei! Ist da jemand?“

Der Disponent der Leitstelle, der um 8.39 Uhr den 110-Anruf entgegennahm, hörte nur kaum wahrnehmbare Hintergrundgeräusche. Der Beamte rief : „Hallo, Polizei, ist da jemand? Er erhielt keine Antwort, beendete das Gespräch. Er konnte nicht ahnen, dass in diesen Momenten die tödlichen Schüsse fielen.

Jeder Notruf an die Polizei wird aufgezeichnet. Als das Team von Cheffahnder Udo Moll das Handy der Ermordeten fand, stellte es schnell fest, dass damit zuletzt die Polizei angerufen wurde. Sofort wurde der Mitschnitt im Präsidium angefordert. Doch die anfängliche Euphorie verflog im Nu. Kriminalhauptkommissar Udo Moll: „Wir konnten den Ruf nicht deuten. Er war nicht zu verstehen.“

Die Mordkommission gab nicht auf. Sie schickte die Aufnahmen an das Landeskriminalamtes, an das BKA, an ein privates Tonstudio und an die Universität Trier, der es gelang, zwei Satzfregmente zu analysieren. Die erste Sequenz (...ich will nicht hören, sonst gibts Ärger“) stammt möglicherweise von einem Mann aus dem norddeutschen Sprachraum. Die zweite Sequenz (,,...mmhmm nichts passiert...“) könnte wegen des laut gesprochenen „S“ von einer Person aus Hessen oder Thüringen kommen.

Ungefähres Bild davon, was geschah

Zum ersten Mal fahndet die Polizei mit den Stimmen der Täter, die über eine kostenlose Hotline (0800 26 44 728) abgehört werden können. Jetzt, fast acht Wochen nach der mysteriösen Bluttat, hat die Kripo ein ungefähres Bild davon, was in den Morgenstunden des 17. Juni passiert war. Die einzige Überlebende des Dramas, die mittlerweile 82-jährige Ehefrau und Mutter Eleonore S. konnte erneut vernommen werden und ein Phantombild eines Täters zeichnen, als es ihre physische Verfassung zuließ.

Die unmaskierten Männer drangen am 17.Juni gegen 8.30 Uhr in die erste Etage des Hauses, klingelten bei der Familie an, wo das Namensschild fehlt, und drängten Eleonore S. durch die Diele ins Wohnzimmer. Dort war bereits der Frühstückstisch gedeckt. Der Ehemann und die Tochter mussten in das Zimmer von Mara S. und wurden kurz darauf mit einer Waffe mit aufgesetztem Schalldämpfer erschossen. Helmut S. lag auf dem Bett, die Tochter daneben auf dem Boden.

In der Wohnung lag ein Vermögen

Die Mutter hatte davon wohl nichts mitbekommen. Sie schlug mehrere Male mit ihren Fäusten gegen die Wand, aber kein Nachbar bemerkte etwas. Die Täter ließen die Frau ungeschoren und verließen plötzlich die Wohnung.. Um 8.47 Uhr alarmierte Eleonore S., die Polizei.

Bis heute kann die Mordkommission kein klares Motiv nennen. Raubmord wird zwar nicht ausgeschlossen. Aber woher sollen die Täter gewusst haben, dass es sich hier um eine vermögende Familie gehandelt hat,? Sie lebte seit über 30 Jahren völlig zurückgezogen in einem unauffälligen Mehrfamilienhaus am Rande einer Trabantensiedlung, war sparsam, leistete sich nur wenig. Aber im Schrank zwischen der Unterwäsche lagen für 50 000 Euro Bargeld, Wertpapiere und Sparbücher, außerdem Gold-, Silber- und Platinbarren im Wert von 100 000 Euro. Das Gesamtvermögen, das zum Teil aus einer Erbschaft stammt, liegt im „hohen sechsstelligen Bereich“, so Udo Moll.

Von den Wertsachen hatten die Täter nichts angerührt. Vielleicht hatten sie sie aber auch schlicht in der mit Familienordnern beladenen Wohnung nicht gefunden. Sie flohen schon nach wenigen Minuten. Dass sie Eleonore S. am Leben ließen, geschah möglicherweise aus voller Absicht - aus welchen Gründen auch immer. Die Polizei hat die Frau ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen und in einem geheimen Ort in NRW versteckt.

Die Familie der Opfer hat eine Belohnung von 50 000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter beitragen können, ausgesetzt.

 
 

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