Freispruch nach Todessturz von Hündin "Kali" aus Fenster

Katharina Rüth
Er sei nicht zu Hause gewesen, als die Hündin Kali aus dem Fenster seiner Wohnung stürzte, erklärte der Angeklagte, der sich hier hinter seinen Händen vor den Fotografen versteckt.
Er sei nicht zu Hause gewesen, als die Hündin Kali aus dem Fenster seiner Wohnung stürzte, erklärte der Angeklagte, der sich hier hinter seinen Händen vor den Fotografen versteckt.
Foto: Lars Heidrich
Der tödliche Sturz der Hündin "Kali" aus dem vierten Stock eines Hauses in Düsseldorf bleibt ungeklärt: Am Donnerstag wurde ein 36-jähriger Mann vom Vorwurf freigesprochen, den Schäferhund-Mischling aus dem Fenster gestoßen oder geworfen zu haben. Das Gericht hatte Zweifel an seiner Schuld.

Düsseldorf. Verzweifelt hatte die Hündin Kali versucht, sich zu halten, mit den Vorderpfoten auf dem äußeren Fenstersims gescharrt. Doch sie verlor den Halt, stürzte aus dem vierten Stock auf den Gehsteig der Stresemannstraße starb an ihren inneren Verletzungen. Was sie aus dem Fenster getrieben hat, konnte das Amtsgericht gestern nicht aufklären.

Angeklagt war ein 36-Jähriger, der den Schäferhund-Mix eines Bekannten wie schon öfter in Pflege hatte. Der Vorwurf: Er habe die Hündin aus dem Fenster geworfen. Per Strafbefehl war er zu 1000 Euro Geldstrafe für „Tötung eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund“ verurteilt worden, hatte Einspruch eingelegt.

„Ich war gar nicht da!“, beteuerte er. „Es gibt keinen Grund, warum ich den Hund aus dem Fenster werfen sollte. Ich kann mir das Ganze nicht erklären!“ Er habe an dem 24. August 2013 seinem Pitbull-Mischling Caesar und Pflegehündin Kali noch Wasser gegeben, sei dann zu seiner Freundin gefahren. Erst abends habe er alles erfahren.

Zeugen hatten Sturz mit angesehen

Drei Zeugen hatten den Sturz gesehen: Eine 57-Jährige hörte gegen 11 Uhr an der Oststraße ein lautes Jaulen, dann die Worte „Raus, raus, raus!“ Kurz danach habe sie den Hund schon in der Luft gesehen. Ein Ehepaar auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatte das Jaulen auch gehört, sah den Hund im Fenster, wie er mit den Pfoten auf dem Sims scharrte. „Als wenn er sich zurückdrücken wollte“, so die 27-Jährige. Dabei habe er wie in Panik gejault. Einen Menschen hatten die beiden aber nicht gesehen, die „Raus!“-Rufe nicht gehört.

Die Zeugen konnten dem Hund nicht mehr helfen, riefen die Polizei. Ein Nachbar wusste, zu wem der Hund gehörte. In dessen Wohnung bellte noch ein weiterer Hund, aber der Mieter war nicht da. Die damalige Freundin des Angeklagten bestätigte, dass er an dem Tag bei ihr war. An seine genaue Ankunftszeit konnte sie sich aber nicht erinnern.

Keine lebensmüden Hunde

Im Prozess erklärte ein Experte, es sei „nahezu unmöglich“, dass der Hund aus eigenem Antrieb aus dem Fenster sprang. Von lebensmüden Hunden hatte er noch nie gehört. Ob der andere Hund ihn hinausgetrieben haben könne, fragte der Verteidiger. Denn der Pitbull habe gern auf der Fensterbank gesessen. Das sei denkbar, aber unwahrscheinlich, so der Experte. Die Hunde hätten sich ja gut verstanden. Das bestätigte der Besitzer. Kali sei gern zu dem 36-Jährigen gegangen. Auch er kann sich das alles nicht erklärten.

Die Staatsanwältin war überzeugt, dass der Angeklagte Kali aus dem Fenster gestoßen hat, forderte sechs Monate auf Bewährung. Aber der Richter hatte Zweifel: „Nicht immer gelingt es, den wahren Sachverhalt herauszufinden“, sagte er. Es könne sein, dass der Angeklagte den Hund hinausgeworfen hat. Aber es spreche auch einiges dagegen. Er sprach den 36-Jährigen frei.