Freifrau mit losem Mundwerk

Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Düsseldorf.. Travestie-Künstler Andreas Patermann (30) kam als Kunstfigur „Freifrau von Kö“ zum Riesenrad-Interview der NRZ. Mit seinem lockeren Mundwerk war er kaum zu stoppen.

Diese Frau ist der Knaller: Nein, nicht wegen ihres schrillen Aussehens, mit dem sie in Düsseldorf unterwegs ist, sondern wegen ihres Mundwerks. Denn die „Freifrau von Kö“ redet ohne Punkt und Komma, ist kaum im Redefluss zu stoppen. Beim Kirmes-Interview der NRZ im Riesenrad Bellevue jedenfalls war es schwierig, Fragen zu stellen. Würden normale Zeitgenossen mit Ja oder Nein antworten, formuliert die Freifrau einen ganzen Roman als Antwort. Wir haben versucht, aus der Fülle der Informationen einen Artikel in noch einigermaßen lesbarer Länge zu fertigen. Kein einfaches Unterfangen...

Eigentlich ist „Freifrau von Kö“ Andreas Patermann (30), den die Kunstfigur stets als ihren „dicken, bärtigen Assistenten“ bezeichnet. Der ist in einem fränkischen Kaff zwischen Bayern und Baden-Württemberg aufgewachsen, von Haus aus eigentlich Diplom-Ingenieur, lebt seit zehn Jahren in der Düsseldorfer Innenstadt und verdient sein Geld als selbstständiger Ausstellungs-Designer. Mindestens einmal pro Woche verwandelt sich der Patermann innerhalb von zwei bis drei Stunden zur „Freifrau von Kö“, einer Millionärs-Gattin, deren Ehemann mit seiner Sekretärin schon längere Zeit auf Geschäftsreise in der Karibik ist. Dann bietet er samstags seine Stadtführungen an. Ein wenig anders, wie die Freifrau mal eben ist. Dabei, so sagt der Travestie-Künstler, wird Düsseldorf ein wenig auf die Schippe genommen, etwas ins Lächerliche gezogen. „Es ist eine Mischung aus Parodie und Hommage“, nennt es die Freifrau. „Eine Mischung, die in Hamburg oder München unmöglich wäre.“ Düsseldorf hat sie lieben gelernt: „Diese Stadt ist großartig!“ Weg von hier? Bestimmt nicht: „Sollen die doch alle nach Berlin gehen oder sonst wohin, ich bleibe hier!“

Neben ihren Stadtführungen ist „Freifrau von Kö“, die zum NRZ-Gespräch auf die Kirmes stilecht im Dirndl gekommen ist, auch regelmäßig zu „allen Veranstaltungen, die für die Stadt von Interesse sind“. Dabei ist ihr egal, ob sie eingeladen ist oder nicht. Meistens taucht sie unangemeldet auf. Die Freifrau zieht ihr Ding durch. Und erwähnt nicht ohne Stolz, das Sie zur Grundsteinlegung des Jahrhundert-Projekts „Kö-Bogen“ offiziell eingeladen wurde. Und nach kurzer Überlegung fügt sie hinzu: „Rausgeflogen bin ich noch nirgendwo...“

Wie viele Outfits die Freifrau in ihren Schränken hat, wird nicht preisgegeben. Das bleibt ihr Geheimnis. Sie sagt aber in der ihr gewohnten Ironie: „Ich bin keine aufgetakelte Trulla, ich bin eine einfache Frau aus der Düsseldorfer Oberschicht.“

Ach ja, eine Frage hatten wir ganz am Ende des Interviews noch an die Freifrau, die wie im Vorjahr auch dieses Jahr wieder das Münchener Oktoberfest („da hätte es im Riesenrad wenigstens Schweinebraten gegeben“) besuchen wird: Welche Kleidergröße trägt die Freifrau? Spontane Antwort: „Größe 38, an der Hüfte etwas weiter geschnitten.“ Und dann verzieht sie ihre mit knallrot glänzende bemalten Lippen zu einem verschmitzten Lächeln und fügt hinzu: „Frauen in Düsseldorf dürfen gerne mal schummeln...“

Mehr Infos unter www.freifrauvonkö.de

 
 

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