Flüchtlinge klagen über enorme Hitze in Notunterkunft-Hallen

Die Traglufthalle in Gelsenkirchen-Schafftrath beim Aufbau im Januar: Die Halle ist am Montagabend aus ungeklärter Ursache abgebrannt.
Die Traglufthalle in Gelsenkirchen-Schafftrath beim Aufbau im Januar: Die Halle ist am Montagabend aus ungeklärter Ursache abgebrannt.
Foto: Funke Foto Services
  • Unterkünfte in Traglufthallen ohne Klimaanlage
  • Hitze in Unterkünften setzt Bewohnern und Mitarbeitern zu
  • Stadt verspricht Flüchtlingen möglichst schnelle Hilfe

Düsseldorf.. In Düsseldorf haben am Dienstag mehr als 100 Flüchtlinge wegen der Hitze in ihrer Notunterkunft protestiert. Mit Plakaten waren sie auf die Straße gegangen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Während der sonnigen Tage war die Temperatur in den beiden sogenannten Traglufthallen in Düsseldorf, in der insgesamt rund 500 Menschen leben, auf 36 Grad Celsius und mehr gestiegen.

"Das ist eine Temperatur, die für die Bewohner und die Mitarbeiter nur schwer auszuhalten ist. Ich kann gut verstehen, dass einige protestiert haben", sagt Maxi Schuchardt, die die Unterkünfte des Malteser Hilfswerks in Düsseldorf leitet. Bereits vor einem Monat habe sie die Stadt auf die Situation aufmerksam gemacht. Damals wurden teilweise Reflektoren an der Außenhülle der Zelte angebracht, um den Treibhauseffekt einzudämmen - allerdings reichte das offenbar nur bedingt.

Beim Hallen-Hersteller Paranet ist das Problem bekannt

Der Plan der Stadt: Eine neue Kühlung soll die Temperaturen deutlich absenken. "Wir versuchen, den Menschen so schnell wie möglich zu helfen", so eine Stadtsprecherin. Innerhalb der nächsten zwei Wochen soll die neue Kühlung eingebaut werden.

Nicht nur in Düsseldorf, auch in anderen Städten könnte es im Sommer zu Hitze-Problemen in den Unterkünften kommen. Mehrere NRW-Kommunen setzen auf die Hallen, die unter anderem der Berliner Hersteller Paranet produziert. Dort ist die Problematik bekannt. "Wenn Sie sich die Hallen anschauen, sehen Sie, dass es da zu einem Treibhauseffekt kommen kann", sagt Paranet-Chef Jürgen Wowra. Deshalb würden immer ab Mai an allen Standorten, die das Unternehmen betreut - derzeit sind es 35 - Reflektorfolien angebracht. "Das bringt schon mal einiges", so Wowra.

"Schwer zu erklären, warum Sozialhilfeempfänger keine Klimaanlage bekommt"

Alles weitere verhandle er dann mit den Kommunen - etwa, ob es Klimaanlagen für die ganze Halle geben soll oder nicht: "30.000 Kubikmeter Luft müssen in einer Standard-Halle gekühlt werden, das kostet eine Menge an Unterhalt und Energie. Es ist sicher schwer, dem Steuerzahler zu erklären, warum ein Sozialhilfeempfänger für seine Wohnung unterm Dach keine Klimaanlage bekommt, eine Flüchtlingsunterkunft aber schon." Deshalb hätten oft nur die Containerbüros der jeweiligen Träger-Mitarbeiter Klimaanlagen. Klagen von Flüchtlingen seien eher selten, manchmal aber beschwerten sich die Mitarbeiter der Einrichtungen. "Die Sozialarbeiter oder die Sicherheitsleute verbringen oft den ganzen Tag da, das ist nicht immer angenehm, wenn es so heiß ist. Die Flüchtlinge hingegen halten sich ja meist nicht ständig drinnen auf, sondern gehen wie alle anderen bei schönem Wetter auch an die frische Luft."

Auch in Duisburg-Rheinhausen sollen im Juni Flüchtlinge in eine Traglufthalle einziehen. Dort rechnet man nicht mit Problemen. "Unsere Halle unterscheidet sich von den Düsseldorfer Modellen", sagt Stadt-Sprecher Peter Hilbrands. In drei Metern Höhe gebe es spezielle Lüftungen, auch sei die Folie besser isoliert. 300 bis 350 Menschen sollen maximal in der Halle Platz finden können. "Aber derzeit sieht es ja tendenziell so aus, dass die Flüchtlingszahlen rückläufig sind", so Hilbrands

Dortmund plant bessere Belüftung für den Hochsommer

In Dortmund leben Flüchtlinge schon seit ein paar Monaten in einer Traglufthalle. "Hier gibt es bislang keine Hitze-Klagen", sagt Sprecher Maximilian Löchter. Am Dienstag habe man in der Mittagssonne 27 Grad Celsius gemessen. Allerdings plane die Stadt für den Hochsommer eine bessere Belüftung, um möglichem Hitzestau vorzubeugen.

Anfang des Jahres mussten die Flüchtlinge aus den gerade erst neu eingeweihten Hallen ausquartiert werden, weil die Feuerwehr Brandschutzbedenken angemeldet hatte. Das Problem: Es gab zwar Brandschutzgutachten für jede der drei einzelnen Folien, aus denen die Außenhülle der Zelte besteht, nicht aber für die komplette Hülle. "Die Feuerwehr wollte damals auf Nummer sicher gehen. Inzwischen gibt es aber keine Bedenken mehr", so Löchter. In Gelsenkirchen indes ist erst am Montagabend eine Traglufthalle komplett bis auf das Gestänge abgebrannt. Die Brandursache ist allerdings bislang ungeklärt.

 
 

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