Fern-Sehen auf der Düsseldorfer Rheinkirmes

Zum ersten Mal in Düsseldorf: der City Skyliner ;Foto: Ingo Lammert / WAZ FotoPool
Zum ersten Mal in Düsseldorf: der City Skyliner ;Foto: Ingo Lammert / WAZ FotoPool
Foto: Ingo Lammert

Düsseldorf. Es war ein prächtiges Riesenrad. Mit bunten Gondeln und dem garantierten Fernblick. „Wonder Wheel“ nannten Franz Bruch und Thomas Schneider ihre Attraktion. Doch nun verkauften die beiden Schausteller ihr Wunder-Rad nach Frankreich.

Dafür kommt mehr Höhe auf die Düsseldorfer Kirmes. Bei einem holländischen Unternehmen gab Thomas Schneider einen „City Skyliner“ in Auftrag. Auf 13 Sattelschleppern rollte die große Nummer an den Rhein. Wer 6 Euro zahlt (Kinder 4 Euro), erhält einen „Boarding Pass“ wie im Flugzeug und wird dann, umwölkt von Sphärenmusik, vier Minuten klimatisiert in den Himmel gehoben. Die gläserne Aussichtskanzel hängt an einem gigantischen weißen Turm, der angeblich 81 Meter misst. Oben dreht sich die Panorama-Plattform beschaulich. 60 Fahrgäste können von Oberkassel fast bis nach Moers, Essen oder Duisburg sehen.

Endlich mal wieder eine „Weltpremiere“, wie die Kirmes-Macher am Rhein vermerken. Der TÜV, Abteilung „Fliegende Bauten“, hat „Europas größten mobilen Aussichtsturm“ ohne Einwände erlaubt zu schweben. Wer will, kann sogar mit einem Glas Alt oder Wasser in die Gondel steigen. Ein „Notfalltelefon“ ist auch an Bord. Man weiß ja nie.

Düsseldorf hat in diesem Jahr eine Kirmes mit viel Fern-Sehen. Überall auf den Rheinwiesen schossen stählerne Mega-Türme aus dem Grün. 66 Meter Größe hat der „Power Tower“, in dem die Passagiere tief stürzen. In der Menschenschleuder „Flasher“, 62 Meter hoch, überschlagen sich Zugestiegene mit Tempo 85 und der vierfachen Kraft der Erdanziehung. Im Kettenkarussell „Alex Airport“ steigt die Kundschaft 55 Meter hoch. Die Dortmunder Wahnsinnsschaukel „Konga“ schwingt sich rasant 45 Meter auf.

Gemütlich bleibt die Fahrt im „Bellevue“-Riesenrad, das mit 55 Metern aber mehr Format als ein Kirchturm hat. Als Blickfang prangte am Riesenrad viele Jahre lang rot und gewaltig das Vereins-Logo von Fortuna Düsseldorf. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga verschwand das vertraute Symbol „F 95“. Stattdessen ziert nun ein überdimensionales „:D“ das Wahrzeichen der Kirmes. Viele Fremde werden sich nach dem Sinn fragen. Erklärung: Das dralle „:D“ ist das neue Symbol der Stadt.

Nach einem Jahr Pause rattert die „Olympia“-Bahn wieder mit fünf Loopings in die Tiefe. Nur wenige Meter weiter türmt sich die „Alpina“-Bahn auf, mit dem „Spinning Racer“ schleudert eine dritte Achterbahn Freunde luftiger Fahrten auf und ab. Dazu sind noch zwei Wildwasserbahnen als Sommer-Frische angereist. Mehr Groß-Fahrgeschäfte hat nicht mal das Münchner Oktoberfest. Kaum ein anderes Volksfest gilt deshalb bundesweit als so attraktiv. Selbst das Fachblatt „Kirmes Revue“ schwärmt vom „schönsten Panoramablick“ einer Kirmes. Der bunte Trubel gleich am Ufer des Rheins, dahinter die alten Fassaden der Oberkasseler Häuser, gegenüber die malerische Kulisse der Altstadt. Mehr Romantik geht nicht.

Fehlen wird in diesem Jahr die Motorrad-„Show der Sensationen“. Nach einem folgenschweren Unfall in Leipzig pausieren die Rummel-Raser. Als Ersatz wurde ausgerechnet ein zweites Karussell der Sorte „Break Dance“ zugelassen, eine solche Doppelbelegung gab es zuvor noch nie in Düsseldorf.

Als echte „Neuheit“ wird der „Krumm und Schief Bau“ angekündigt, eine zwei Etagen hohe Baustelle „mit Wackelbühne und Wasserspielen“. Für 1 € Aufpreis erhalten Kinder einen Bauhelm. Gäste aus dem Umland werden es bemerken: Der Chaos-Bau war schon in Oberhausen und Moers aufgebaut.

Krumme und schiefe Geschäfte gibt es halt überall.

 
 

EURE FAVORITEN