Feiertage im Apollo-Varieté

Emily Kinch in ihrer Garderobe.
Emily Kinch in ihrer Garderobe.
Foto: Wappner
Die Britin Emily Kinch und der Österreicher Albert Tröbinger verbringen den Jahreswechsel auf der Düsseldorfer Apollo-Bühne.

Düsseldorf..  Emily Kinch kann nicht viel Deutsch. Vielleicht das wichtigste: „Scheiße“, das lernt man eben schnell, dann „ein stilles Wasser bitte“, so bestellt sie ihr Getränk im Apollo-Restaurant. Und „raus“ – damit meint die 26-jährige Britin „raus aus meiner Garderobe!“ Die NRZ nimmt sie trotzdem dorthin mit, weil es einen riesigen Spiegel gibt, der von Fotos und Andenken an die Lieben geziert wird – wichtig in der Zeit „zwischen den Jahren“ im Varieté, in der man die Familie in der Heimat besonders vermisst. Albert Tröbinger, Emilys Artistenkollege im Apollo, darf nicht mit in die Garderobe. Der Österreicher nimmt‘s gelassen und kontaktiert derweil die Freunde in Graz per Notebook. „Skypen ist hier die Hauptbeschäftigung, wenn man nicht auf der Bühne steht“, sagt er.

Kinch und Tröbinger sind die Stars der aktuellen Apollo-Show „Winter in St. Moritz“. Emily, die schon im Moulin Rouge in Paris als Tänzerin angestellt war und derzeit in Düsseldorf ihre erste Solo-Show zeigt, bezaubert – vor allem die Männer im Publikum – mit einer sexy Luftakrobatik-Nummer am Kronleuchter. Albert ist – ganz im Sinne Roncallis – der Poet unter den Artisten – und sorgt mit Kugel- und Reifenjonglagen für magische Momente. Doch hinter den strahlenden Bühnen-Gesichtern der Künstler herrscht nicht immer die pure Glückseligkeit. Es gibt viele einsame Stunden. „Gerade an Weihnachten habe ich doch sehr meine beiden Geschwister vermisst“, sagt Emily. Schwester Talia (11) und Bruder Luca (8) leben daheim bei Papa und Stiefmutter in der Kleinstadt Hastings an der englischen Südküste. Alberts Eltern, Schwester und Freundin hatten indes Sehnsucht und machten über die Feiertage Urlaub in Düsseldorf.

Heiligabend zusammen gefeiert

Heiligabend feierten viele Artisten aus dem aktuellen Apollo-Programm gemeinsam. In einem Künstlerpenthouse an der Aachener Straße in Bilk wurde festlich gegessen und später gewichtelt. „Das hat schon etwas von einer Ersatzfamilie“, sagt Emily Kinch.

Silvester werden sie und ihr österreichischer Kollege bei zwei Vorstellungen (15 und 21.30 Uhr) dann wieder auf der Bühne verbringen. Knallharte Arbeit im Rampenlicht. Wünsche für 2015 haben sie dennoch. Emily Kinch hofft, dass ihre Geschwister endlich mal eine Vorstellung von ihr besuchen können. „Talia hat mich zum letzten Mal in Paris gesehen, da war sie drei Jahre alt.“ Albert Tröbinger wünscht sich im neuen Jahr mehr Glück hat als im alten. „Ich bin viele Monate wegen einer Sprunggelenksverletzung ausgefallen, das hat mich sehr zurück geworfen.“

Wenn die aktuelle Show zum am 11. Januar letzten Mal läuft, werden Tränen fließen. Wie immer, denn dann geht die Ersatzfamilie nach drei Monaten auseinander. Aber: The Show must go on: Ab 15. Januar läuft „1001 Nacht in Marrakesch“ im Apollo.

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