Falscher Pilot legt vor Gericht Geständnis ab und will nur noch Flugbegleiter sein

Er könnte das Vorbild für den Düsseldorfer Hochstapler gewesen sein: Leonardo DiCaprio in dem Film „Catch me if you can“.
Er könnte das Vorbild für den Düsseldorfer Hochstapler gewesen sein: Leonardo DiCaprio in dem Film „Catch me if you can“.
Foto: ARD Degeto
Ein 24-jähriger Hochstapler hat bei seinem Prozess vor dem Amtsgericht Düsseldorf gestanden, als Pilot verkleidet reihenweise Straftaten begangen zu haben. Der Ratinger schaffte es zwar nicht bis in eine Flugzeugkanzel, aber er tankte auf Kosten von Airlines und genoss es, Frauen zu beeindrucken.

Düsseldorf.. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Das musste jetzt der 24-Jährige feststellen, der monatelang als falscher Pilot auftrat. Er schaffte es zwar nicht, wie Leonardo DiCaprio in dem Film „Catch me if you can“ bis in ein Flugzeug. Aber er tankte auf Kosten von Airlines, fuhr Taxi und genoss es, als Pilot Frauen zu beeindrucken und zuvorkommend behandelt zu werden. Dienstag wurde ihm vor dem Amtsgericht der Prozess gemacht. Für ein Urteil soll er aber noch Belege für seine Aussage vorlegen.

Angeklagter kaufte Piloten-Uniform im Internet

Ist er ein fehlgeleiteter junger Mann, der in einer Krise zum Hochstapler wurde? Oder ein Betrüger, der stets die richtigen Geschichten zu erzählen weiß? Wie ein Musterknabe wirkte der pummelige junge Mann im Gericht: Akkurat geschnitten die Frisur, steif der Kragen des Hemdes unter dem blauen Jackett. Angespannt saß er neben seinem Verteidiger, erklärte: „Ich räume natürlich alles ein.“

Dass er sich eine Piloten-Uniform für über 5000 Euro übers Internet beschaffte, sie aber nicht bezahlte. Dass er fast 30 Mal in Uniform Treibstoff zapfte, dafür fast 1200 Euro bei einer Fluggesellschaft anschreiben ließ. Und auch, dass er sich im Taxi nach Frankfurt und zurück kutschieren ließ, dem Fahrer als Bezahlung einen gefälschten Gutschein der Lufthansa überließ.

Auch, dass er trotz Hausverbot am Flughafen auftauchte, dann auf einem Parkplatz einen Zusammenbruch vorspielte, um die Aufmerksamkeit einer Gruppe Flugbegleiterinnen zu bekommen.

Traumjob im Cockpit platzte kurz vor Ausbildungsbeginn

Was dahinter steckte? Er habe Pilot werden wollen, doch der Traum sei eine Woche vor Ausbildungsbeginn geplatzt. Im Internet habe er sich trotzdem als Pilot ausgegeben. Als Frauen ihn dann am Flughafen treffen wollten, habe er die Lüge ausgebaut. Und gemerkt, wie sehr ein Pilot hofiert werde.

Einem Psychologen berichtete er mehr: Der Vater, ein dubioser Geschäftsmann, sei auf einmal pleite gewesen, habe getrunken. Die Familie habe umziehen müssen, der Angeklagte seine Freundin verloren und die Ausbildung abschreiben müssen.

„Der Pilot verkörperte das, was er darstellen wollte, um sich von seinem trinkenden Vater abzusetzen: solide und erfolgreich“, erläuterte der Psychologe. Dass er die Betrugstaten beging, obwohl er auffallen musste, könne auf verminderte Schuldfähigkeit hindeuten.

Seit seiner Jugend habe er sich von anderen absetzen wollen, sei im Anzug zur Schule gegangen. Jetzt lese er angeblich die Philosophen Kant und Hegel, habe aber inhaltlich nichts dazu zu sagen gewusst. Und seinen Namen hat der verhinderte Pilot jetzt aufgepeppt: Mit einem gekauften Doktor- und einem gekauften Adelstitel.

Angeblich Job als Flugbegleiter bei einer kleinen Airline

Inzwischen will er aber tatsächlich solide geworden sein. Er sei von zu Hause ausgezogen, arbeite jetzt als Flugbegleiter einer kleinen Airline, wolle auf lange Sicht studieren. Straftaten habe er seit einem Jahr nicht mehr begangen.

Den Schaden zahle er zurück, habe mit der Internetfirma eine Vereinbarung getroffen – einen Tag vor der Verhandlung. 1500 Euro habe er bereits überwiesen, doch den Nachweis darüber vergessen. Auch seinen Arbeitsvertrag hat er nicht dabei. Die Richterin blieb misstrauisch: „Wie konnten Sie diese Stelle erhalten? Sämtliche Flughäfen kennen Ihren Namen!“ Sie vertagte die Verhandlung: Am 3. Juli soll der Angeklagte seinen Arbeitsvertrag mitbringen.

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