Erst schauen, dann bauen

Flehe.  Mit dem „Fleher Leben“ verbindet der Düsseldorfer den Rhein, großflächige Landwirtschaft und dörfliches Idyll. „Fleher Leben“ heißt aber auch ein neues Wohnbebauungsprojekt im Stadtteil. An der Fleherstraße 202, wo sich derzeit noch die verlassenen Gebäude einer Druckerei befinden, soll bis 2015 das nächste, schicke Quartier für Besserverdienende entstehen. Geplant sind auf einem ehemaligen Gewerbegrundstück mit einer Gesamtfläche von mehr als 12 000 Quadratmetern insgesamt 93 Eigentumswohnungen, verteilt auf zwölf Gebäude. Baubeginn soll bereits in diesem Frühling sein.

Der Vermarkter, die Deutsche Eigenheim AG mit Sitz in Kiel, wirbt auf ihrer Internetseite mit einer „attraktiven Mischung vielfältiger Wohnungstypen“ mit einem Quadratmeterpreis zwischen 3000 und 4000 Euro sowie mit „anspruchsvoll gestalteten Gartenhöfen“. Die neu geschaffene Architektur orientiere sich mit ihren begrünten, hofartigen Baustrukturen zu den nach Osten hin anschließenden Sportanlagen und dem Freizeitpark an der Ulenbergstraße, heißt es. Der Plan sieht die Schließung der Baulücken zwischen Ulenbergstraße und Fleherstraße mit viergeschossigen Wohnungsbauten vor. Im Blockinnenbereich sollen zwei bis dreigeschossige Wohngebäude entstehen.

„Das ist nicht das erste Projekt, das auf diesem Grundstück geplant wird“, meint Bezirksvorsteher Walter Schmidt (CDU), der selbst am Aachener Platz wohnt. Für diesen Bereich habe es schon einmal eine Bauvoranfrage gegeben, jedoch von einem anderen Investor. Eine Baugenehmigung liege bisher noch nicht vor. Fraglich sei auch, ob der jetzige Investor seine Ideen so, wie im Internet beschrieben, verwirklichen könne. Denn unter anderem sehe der Bebauungsplan eine Höhenbegrenzung bei den Gebäuden vor.

Gleichwohl reserviert die Deutsche Eigenheim AG schon fleißig Wohnanteile fürs geplante Quartier. Mehr als 50 Prozent des Angebots sollen schon an den Interessenten gebracht worden sein. „Wir stehen seit fünf Tagen im Netz, seitdem haben wir mehr als 150 Anfragen und auch schon zahlreiche Reservierungen“, so ein Sprecher. Sechs Stadthäuser (zwischen 500000 und 590 000 Euro) seien schon in den ersten vier Tagen weg gewesen, heißt es. „Unser Projekt scheint richtig gut anzukommen.“

Fragt sich nur, bei welchem Klientel. Auch der stellvertretende Bezirksvorsteher Dietmar Wolf (Grüne) sieht das Projekt kritisch. „Wenn ich mir anschaue, dass eine Eigentumswohnung von 150 Quadratmetern 600 000 Euro kosten soll, dann ist das schon ein starkes Stück“, sagt er. Düsseldorf bräuchte mehr Investoren, die nicht nur an die Rendite, sondern auch an die Menschen denken. Wolf: „Ich kenne genug Familien mit zwei Kindern, die in der Stadt keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden. Ich kenne auch genug ältere Leute, die deshalb aus Düsseldorf wegziehen müssen.“

Die Fleher Bürger-Interessengemeinschaft (FB-I), die seit ihrer Gründung 2004 gegen den Verkehrslärm der Autobahnbrücke A 46 ins Feld zieht und sich zudem für den Erhalt des dörflichen Charakters von Flehe stark macht, warnt im Zuge des Projektes vor einer Verkehrsüberbelastung im Stadtteil. Das Neubauprojekt führe am Ende dazu, dass täglich etwa 150 Pkw-Fahrten mehr den ohnehin notorisch verstopften Südring erfassen. „Wir reden hier von 93 hochpreisigen Wohneinheiten“, sagt Jürgen Borrmann, Vorsitzender der Initiative. „Soll man da glauben, dass sich jeder Eigentümer mit einem Auto zufrieden gibt? Ich denke nicht!“ Bei der Verdichtung der Stadtfläche nehmen unsere Verantwortungsträger keinerlei Rücksicht auf irgendwelche Verkehrsprognosen“, so Borrmann. Das mache einen „atemlos“. Man sollte endlich nach dem Motto verfahren „erst schauen, dann bauen“ – und nicht andersherum.

 
 

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