Ermittlungen zu Sprengstoff-Anschlag eingestellt

Der Ort des Anschlags: der S-Bahn-Ausgang Ackerstraße. Foto: Christian Ohling/NRZ
Der Ort des Anschlags: der S-Bahn-Ausgang Ackerstraße. Foto: Christian Ohling/NRZ
Foto: Christian Ohling

Düsseldorf. Die Sonderkommission befragte 1500 Zeugen und verfolgte 300 Spuren - letztlich ohne Erfolg. Zehn Jahre nach dem heimtückischen Sprengstoff-Anschlag am S-Bahn-Ausgang Ackerstraße hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt.

Staatsanwalt Johannes Mocken hatte sich so sehr gewünscht, dass dieser heimtückische Anschlag eines Tages aufgeklärt wird. „Aber leider lassen sich nicht alle Fälle lösen“, das weiß er. Vor zehn Jahren wurde der Sprengsatz am S-Bahn-Ausgang Ackerstraße gezündet.

Jetzt nach mittlerweile zehn Jahren „besteht keine Aussicht mehr darauf , den oder die Täter zu fassen“, die am 27. Juli 2000 den Anschlag verübten. Die meisten Opfer waren jüdische Aussiedler.

Granate in Plastiktüte versteckt

Es war genau 15.05 Uhr, als die in einer Plastiktüte versteckte Granate detonierte. Zu diesem Zeitpunkt war dort eine Aussiedler-Gruppe, die an einem Sprachkurs teilgenommen hatte, auf dem Heimweg. Die Männer und Frauen wurden von Bombensplittern getroffen und teils sehr schwer verletzt. Eine junge Frau aus der Ukraine verlor ihr ungeborenes Baby. Ihr Ehemann war erst nach Tagen außer Lebensgefahr.

Bis zu 80 Kripobeamte arbeiteten in der Sonderkommission. 1500 Zeugen wurden vernommen, über 300 Spuren verfolgt, 400 Beweismittel sichergestellt. Akribisch versuchten die Fahnder, das unfassbare Geschehen zu rekonstruieren und jeden ausfindig zu machen, der zum Zeitpunkt der Explosion in der Nähe war, der irgend etwas beobachtet haben könnte. Sogar militärische Satellitenbilder wurden angefordert. Die Polizei fertigte Phantombilder von zwei Männern an, die dort gesehen wurden. Aber bis heute konnten sie nicht identifiziert werden. Ob sie die Attentäter waren, bleibt ebenfalls unklar.

Es gab keinen, der sich zu dieser Bluttat bekannte. Die anfangs Beschuldigten sind längst von der Liste der möglichen Täter gestrichen worden. Der Verdacht gegen einen Militaria-Händler und Waffennarr bestätigte sich nicht. Ebenso nicht gegen einen Haftentlassenen, der nur prahlen wollte. Auch nicht gegen einen psychisch Kranken, der kurz vor dem Attentat am S-Bahnhof Wehrhahn gesehen wurde und Monate später sich mit einer selbst gebastelten Granate in die Luft sprengte. Das Spurenbild passte nicht zu ihm.

Zuletzt war islamistische Terrorgruppe unter Verdacht

Zuletzt war die islamistische El-Tawhid-Terrorgruppe, die in Düsseldorf Anschläge auf Juden geplant haben soll, ins Visier der Fahnder geraten. Aber die Kriminalisten im Polizeipräsidium und im BKA Wiesbaden konnten „keinerlei Bezug“ feststellen“, so Cheffahnder Dietmar Wixfort.

Der heutige Leiter des Neusser Mord-Kommissariates übergab im vergangenen Jahr die 200 Aktenordner der Staatsanwaltschaft. „Zuvor hatte ich mir noch mal alles angeguckt. Aber da gab es nichts mehr, was zu überprüfen wäre.“ Die Ordner lagern heute im Keller der Justizbehörde. „Wir mussten die Ermittlungen einstellen, weil wir die Täter nicht gefunden haben“, erklärt Staatsanwalt Johannes Mocken.

„Damit abschließen kann ich trotzdem nicht“, sagt Wixfort. Doch immerhin „habe ich Abstand gefunden.“ Sollte wider Erwarten eine neue Spur den Fall ins Rollen bringen, dann würden sofort Cheffahnder Dietmar Wixfort und Staatsanwalt Ralf Herrenbrück mit den Ermittlungen erneut beauftragt werden.

 
 

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