Eltern verklagen Ärztin nach Tod ihres Säuglings

Die 58-jährige Ärztin muss sich ab Oktober vor dem Landgericht verantworten.
Die 58-jährige Ärztin muss sich ab Oktober vor dem Landgericht verantworten.
Foto: dpa
Die Medizinerin einer mittlerweile geschlossenen Privatklinik in Heerdt soll die Eltern nicht richtig über eine umstrittene Therapie aufgeklärt haben.

Heerdt..  Fünf Jahre nach dem Tod eines schwerstbehinderten Jungen (18 Monate) muss sich seine damals behandelnde Ärztin ab dem 20. Oktober vorm Landgericht verantworten. Der Medizinerin (58) wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen, weil sie die rumänischen Eltern des Kindes damals im Zusammenhang mit einer umstrittenen Stammzellentherapie nicht ordnungsgemäß aufgeklärt, den Eingriff daher ohne wirksame Einwilligung vorgenommen habe. Noch am selben Tag war der Junge damals an einer Hirnblutung gestorben. In zwei weiteren Fällen, die nicht mit angeklagt sind, konnten ebenfalls behandelte Kinder gerade noch gerettet werden.

Privatklinik schloss 2011

Die ehemalige Privatklinik der Firma X-Cell Center in Heerdt musste 2011 schließen. Kurz zuvor war es zu diesem tragischen Vorfall mit dem kleinen Jungen gekommen, den die Anklage sogar als fahrlässige Tötung gewertet hatte. Knackpunkt des Schuldvorwurfs gegen die Ärztin ist jetzt die angeblich mangelhaft Aufklärung der Patienten und deren Familien über die erheblichen Risiken des Eingriffs. Die Ärztin gab an, sie sei von einer wirksamen Aufklärung ausgegangen. Doch die Eltern und der Staatsanwalt sehen das anders.

Die Anklage geht davon aus, dass die anfängliche Zustimmung der Eltern durch die Anwendung eines „bedenklichen Arzneimittels“ und fehlende Hinweise der Ärztin auf die Risiken und den „zweifelhaften medizinischen Nutzen“ als unwirksam anzusehen sei, die Behandlung samt ihrer schlimmen Folgen also widerrechtlich war. Doch lange vor Prozessbeginn wird das Landgericht in vier Wochen bereits die Mutter des Säuglings als Zeugin dazu befragen. Da die Frau aktuell wieder schwanger ist und beim Verhandlungsstart im Oktober kurz vor der Entbindung steht, sei ihr im Herbst dann weder die Anreise zum Schwurgericht noch die Zeugenaussage zum damaligen Tod des Säuglings zuzumuten, heißt es. Die deshalb jetzt vorgezogene Befragung der Mutter wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt.

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