Einblicke in das jüdische Leben Langenfelds

Langenfeld.  Anneliese Rejek ist seit 18 Jahren pensioniert, aber die Schule und insbesondere die Schüler lassen sie immer noch nicht los. Die ehemalige Lehrerin erforscht die Langenfelder Geschichte. Ursprünglich war dies als Hilfestellung für Lehrer gedacht, die so einen regionalen Einstieg in Themen bekommen sollten.

Eines ihrer Steckenpferde ist die Geschichte der Langenfelder Juden. Zum 75. Jahrestag der Pogromnacht am 9. November berichtete Anneliese Rejek vor einem kleinen Kreis der Frauenhilfe der evangelischen Kirchengemeinde Reusrath.

Dabei bekommen die interessierten Zuhörer erst einmal einen Einstieg in das Zusammenleben von Juden und Langenfelder Bürgern, das sich schon im 14. Jahrhundert an der Kreuzung der Bundestrassen B8 und B229 entwickelte. Sie berichtete, dass die Juden sich dem Handel verschrieben, da ihnen der Erwerb und Besitz von Land untersagt war.

Das Zusammenleben war geprägt von Harmonie und Gemeinsamkeit. Da für Juden neben der Synagoge die Friedhöfe eine noch wichtigere Bedeutung haben, wurde nach einem Ort für einen jüdischen Friedhof gesucht.

Die Voraussetzungen für einen jüdischen Friedhof sind anspruchsvoll. Die Verstorbenen müssen an einem ruhigen und verschließbaren Ort bestattet werden, da sie dort, wie auf einem eigenen Grundstück auf die Wiederkehr des Messias warten. Das erfordert eine abschließbare Umzäunung. Ein solcher Ort wurde schließlich Ende des 18. Jahrhunderts in Richrath gefunden.

Der Friedhof besteht noch heute. Bürger können sich bei der Stadtverwaltung den Schlüssel holen, wenn sie ihn besuchen wollen. Anneliese Rejek ist regelmäßig dort und beschreibt, wie selbst Schulklassen mit Heranwachsenden an diesem Ort ruhig werden. Aber auch heute ist dieser Platz nicht unbelastet. Erst 2011 schändeten Unbekannte den Friedhof mit Nazi-Symbolen.

Zurück in die Vergangenheit: Nachdem die jüdische Gemeinde im 17. Jahrhundert noch eine Hilfssynagoge in einem Privathaus nutzte, wurden in 1740 die ersten Anträge für den Bau einer Synagoge gestellt. Es sollte viele Jahre dauern, bis 1869 der Bau fertig gestellt war.

Unterlagen, Zeichnungen oder Bilder von der Synagoge aus dieser Zeit gibt es nicht. Im Archiv findet man eine Postkarte aus dem Jahr 1913.

Durch die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit der Weimarer Republik wurde es auch für die Langenfelder Juden zunehmend schwieriger. Viele junge Juden gingen ins Ausland, die Älteren blieben. Die staatlich gelenkte Kriminalität führte stufenweise zu Diffamierung, Verfolgung und Enteignung der Juden.

Dies gipfelte in der Pogromnacht im Brand der Synagoge. Überall in Deutschland verwüsteten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser. Unzählige Menschen wurden misshandelt und gedemütigt, viele von ihnen starben. Tausende von Juden kamen später in Konzentrationslager, wo sie ums Leben kamen.

Ob in Langenfeld heute noch Juden wohnen, kann Anneliese Rejek nicht sagen. Eine jüdische Gemeinde existiert nicht.

Die Besucher der Veranstaltung haben die Zeitreise gespannt verfolgt. Sicherlich wird der eine oder andere jetzt nach dem Schlüssel zum Friedhof fragen.

 
 

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