Ein Tag gegen Vorurteile

Daniel Schreckenberg
Das Islamisch-Albanische Kulturzentruman der Mindener Straße lud zum Tag der offenen Moschee ein. Es gibt für Besucher ein offenes Mittagsgebet und einen Vortrag mit Fragestunde über die Grundsätze des Islam. Imam Mensur Halili hält das Mittagsgebet.
Das Islamisch-Albanische Kulturzentruman der Mindener Straße lud zum Tag der offenen Moschee ein. Es gibt für Besucher ein offenes Mittagsgebet und einen Vortrag mit Fragestunde über die Grundsätze des Islam. Imam Mensur Halili hält das Mittagsgebet.
Foto: Ingo Lammert

Düsseldorf. „Allahu akber“, schallt es durch die gekachelten Wände an der Mindenerer Straße 109 . Mit dem Ezani, dem „Ruf zum Gebet“, versammelt Asmer Ujkanovic, Mohezzin der albanischen Muslimgemeinde in Oberbilk, die Gläubigen auf den großen Gebetsteppich. Es ist das traditionelle Mittagsgebet, das als eines von fünf im Koran vorgeschriebenen pünktlich um 14 Uhr beginnt.

Die deutschen Zuschauer, die am heutigen „Tag der offenen Moscheen“ den Glauben der mehr als 40 000 Muslime in Düsseldorf besser kennenlernen wollen, werden Zeuge, wie die Gemeindemitglieder das Gebet zu Allah beginnen. In der kleinen Moschee sind es fünfzig Gläubige, die sich nun gen Osten, der Richtung der Kaaba, des zentralen Heiligtum des Islams in Saudi-Arabien, stellen. Es ist die Ausgangsposition, des ritualisierten und militärisch durchexerziert wirkenden Gebetsvorgangs. Frauen sind unter den Albanern, den Kosovaren und Bosniern nicht zu finden, was Gemeinde-Vorstand Zudi Dzeladini erklärt: „Im Islam beten Frauen und Männer getrennt. Auch bei uns gibt es deshalb eigene Gebetsräume für weiblichen Gläubige. Doch normalerweise beten unsere Frauen zu Hause und kommen nur zu besonderen Festen wie etwa beim Ramadan in die Moschee.“ Dann beginnt der Iman, der Prediger Mensur Halili, das Gebet.

„Was steckt hinter dem Islam?“

Die Säulen des Islam, der Ramadan, Suren, arabische Koranverse und der stark in sich gekehrte, persönliche Dialog mit Gott sind Dinge, die den Islam für Menschen christlicher Glaubensrichtungen fremd wirken lassen. Aber auch interessant. Deshalb sind Bernhard und Magritte Sens heute in das Gotteshaus gekommen. Das Ehepaar hat in seiner Tätigkeit als ehrenamtliche Betreuer in einer Förderschule täglich Kontakt mit Kindern und Jugendlichen muslimischen Glaubens. Nun war es an der Zeit zu verstehen, was sich hinter dieser Weltreligion verbirgt. „Vieles wirkt anders und schwer verständlich für uns Christen. Doch man muss offen sein für alle Religionen. Schon bei meiner früheren Arbeit bei einem Eisenhersteller waren viele Nationen unter den Beschäftigten, fast 700 davon Muslime“, erklärt Bernhard Sens.

Festgefahren Vorurteile, oft begründet durch Nichtwissen, zu entkräften, das ist das Hauptanliegen der Gemeinde am heutigen Tag. Deshalb nehmen sich Zudi Dzeladini und Asmer Ujkanovic viel Zeit, um alle Fragen der Besucher zu beantworten. Und dabei auch auf viele Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam hinzuweisen: Der Halt in der religiösen Gemeinschaft, das Predigen von Frieden, aber auch Probleme wie das Wegbrechen von sozialen Kontakten im Alter sind religionsübergreifend vorhanden. Und so kann durch den Dialog voneinander gelernt werden. Wie etwa, dass von den 300 Gemeindemitgliedern in Oberbilk mehr als 50 Kinder regelmäßig die Moschee besuchen. Auf deutsch wird dann über den Koran und den Glauben gesprochen, und bei ihnen wirkt er wahrhaftiger als bei vielen jungen Kirchgängern am Weihnachtstag.