Ein Stern für Luise

Petra Kuiper

Winrich Meiszies hat Fotografien aus seinem Archiv mitgebracht: Luise Rainer mit dem Tempelherrn aus „Nathan der Weise“, Luise Rainer, etwa 20, im Porträt. Eine brünette Frau mit kurzem Haar, die selbstbewusst in die Kamera lacht, die Arme in die Hüfte gestützt.

Dazu passt, was Meiszies, Chef des Theatermuseums, und Kollege Bernd Desinger vom Filmmuseum gestern erzählten. Von einer forschen 17-Jährigen war die Rede, eigenwillig, oft undiszipliniert. So dass ihre Eltern das talentierte junge Mädchen auch deshalb bei Theaterdirektorin Louise Dumont in die Schauspielschule gaben, um sie ein wenig zu bändigen. Der Plan misslang - einerseits. Luise fehlte oft unentschuldigt, große Rollen hat sie in Düsseldorf vielleicht deshalb nicht bekommen. Andererseits wurde sie von Theaterlegende Max Reinhardt entdeckt, ging nach Amerika und machte Karriere. Heute lebt sie in London, ist 103 Jahre alt und die einzige Schauspielerin, die zweimal hintereinander als beste Hauptdarstellerin mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Gestern wurde Luise Rainer vor dem Filmmuseum geehrt. Ein Gedenkstein erinnert ab sofort an die gebürtige Düsseldorferin. Ein Stern für Luise.

„Denkt man noch an mich?“

Frau Rainer selbst konnte am Festakt nicht teilnehmen. Dazu fühle sie sich nicht gut genug, teilte sie in einem Brief mit. Ein Foto neben einer Vita am Eingang des Filmmuseums zeigt sie mit Bernd Desinger. 2011 haben sich die beiden in Berlin kennengelernt - damals erhielt Luise Rainer einen Stern auf dem Boulevard der Stars. Auf dem Bild legt sie den Arm um Desinger. „Denkt man in Düsseldorf noch an mich?“, wollte sie seinerzeit von ihm wissen.

Jetzt bestimmt. Zumindest Filmfans kommen an Luise nicht vorbei. Mitten auf dem Vorplatz wurde der 15 Kilo-Bronze-Stern in den Boden gelassen. Dort liegt er eigentlich seit Tagen, getarnt durch eine Baustelle. Gestern um viertel nach elf war es soweit. Gemeinsam entfernten Desinger und Meiszies den roten Samtteppich und gaben den Blick auf Luises Gedenken frei. Der Stern möge sie auch bei denen ins Gedächtnis rufen, die sie vielleicht nicht mehr kennen, wünschte sich Desinger. Zu ihrem 104. Geburtstag im Januar 1914 zeigt die Black Box ihre Filme.

Eigentlich plante Metro Goldwyn Mayer, die Düsseldorferin zur neuen Greta Garbo zu machen. Ihre Oscars erhielt sie 1936 für ihre Rolle als Anna Held in „Der große Ziegfeld“ und im Jahr darauf für „Die gute Erde“. 1960 bekam Luise Rainer einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Ihren Sturkopf stellte sie übrigens noch weitere Male unter Beweis. Etwa als sie sich weigerte, eine Bettszene mit dem italienischen Frauenliebling Marcello Mastroianni zu drehen.

Ob ein weiterer Stern vor dem Museum geplant sei, wurde gestern zunächst verneint. Ein Anwärter wäre vielleicht Wim Wenders, aber der hat bisher bloß einen Oscar.