„Ein sensationeller Fund“ in Düsseldorf

Bei Bauarbeiten wurden Relikte des Majolika-Häuschens im Hofgarten entdeckt.

Düsseldorf.. Helga Stulgies blickt auf die satt grünen Apfel-Elemente, ein gelbes Blumen-Ornament und blau verzierte Kacheln, die im Hofgarten auf Tischen aneinander gereiht sind. „Das ist ein sensationeller Fund“, zeigt sich die Düsseldorfs Umweltdezernentin über die historischen Relikte begeistert.

Im Schatten von Tonhalle und Ehrenhof entdeckten Arbeiter beim Buddeln für einen neuen Spielplatz Relikte des Majolika-Häuschens. Experten der Unteren Landschaftsbehörde sichten und katalogisieren jetzt die Fundamentreste, Fliesen und Schmuckelemente des prägnanten Jugendstilbaus, der eine teils kuriose und sogar kriminelle Geschichte hat.

Das Majolika-Häuschen, benannt nach einem ähnlich Bau in Wien, entstand 1902 für die „Düsseldorfer Industrie- und Gewerbe-Ausstellung“. Die Firma Villeroy und Boch ließ den Pavillon im westlichen Hofgarten hochziehen, um darin das eigene Sortiment zu präsentieren.

Nach Ende der Schau schenkte das Unternehmen das Gebäude der Stadt. Diese verpachtete den Pavillon zunächst als „Milch-Pavillon“, später als Café mit Rheinblick, das sich schnell als beliebter Treffpunkt der Düsseldorfer etablierte. Mittlerweile galt das Majolika-Häuschen als Vorzeigeobjekt ihres Architekturstils. „Würde es heute noch stehen, wäre es eine Pilgerstätte des Jugendstils“, sagt Gartenamtsleiterin Doris Törkel.

Als aber 1925 die Ausstellung „GeSoLei“ (Gesundheit, Soziale Fürsorge und Leibesübungen) konzipiert wurde, empfanden die Planer das Majolika-Häuschen als störend. Zu dieser Zeit wurde der Jugendstil ohnehin gering geschätzt. Außerdem sah die „GeSoLei“ eine zeitgenössisch-moderne Architektur vor. „Schnörkelprunk“ und „kitschige Ornamentkleberei“ wollte man vom Ausstellungsgelände verbannen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde das Majolika-Häuschen 1926 geplättet. „Als mein Vater am nächsten Morgen sein Café aufschließen wollte, erlitt er einen Schock. Es bestand nur noch aus Trümmern“, erzählt Axel Strakloff, der Sohn des damaligen Pächters Hermann Starkloff.

Die Täter wurden nicht ermittelt. Erst 30 Jahre später meldete sich der Ingenieur Richard Sonnemann, der in die „GeSoLei“ involviert war, zu Wort. Er zeigte sich geständig. Nach einer konspirativen Sitzung im Malkasten hatte Sonnemann in der Altstadt einen Bautrupp rekrutiert. Für Freibier zerlegten die Männer das Majolika-Häuschen binnen weniger Stunden.

In den 1980er Jahren entstand hier ein Kinderspielplatz, der jetzt komplett erneuert wird. Beim Erdaushub stieß man am vergangenen Mittwoch auf ein großes Bruchstück aus der östlichen Fassade des ehemaligen Pavillons. Mitarbeiter Michael Willers, der ein Buch der Autorin Melanie Florin über das Majolika-Häuschen gelesen hatte, wusste den Fund sofort richtig einzuordnen und informierte die Behörden. Das Relikt befindet sich inzwischen im Hetjens-Museum und wird restauriert.

Die nun entdeckten Fliesen und Schmuckelement lassen erahnen, wie farbenprächtig der Pavillon einmal war. Vermutlich stammen die Funde von der Rückseite des Gebäudes. Ein Apfel und florale Bruchstücke könnten Teil der umlaufenden Blätterkrone des hohen Schornsteins sein. Die Äpfel sind auf einer zeitgenössischen Fotografie deutlich zu erkennen.

Arbeiten wurden sofort gestoppt

Nach dem ersten Fund wurden die Bauarbeiten sofort gestoppt, das Gartenamt schaltete die Untere Denkmalbehörde ein. Deren Experten haben Areal inspiziert und beispielsweise unter der Erde den früheren Toilettentrakt des Cafés entdeckt. Dieser bleibt unangetastet. Das Erdloch wird zugeschüttet, wenn in einigen Wochen die Arbeiten für den Spielplatzneubau wieder starten.

Die über 100 Fliesen und Schmuckelemente gilt es jetzt zu analysieren und teilweise zu restaurieren. Später sind die Relikte des Majolika-Häuschens wahrscheinlich im Hentjens-Museum zu sehen.

 
 

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