Ein neuer Plan für Bus und Bahn in Düsseldorf

Die Verkehrsexperten Martin Volkenrath (SPD) und Andreas Hartnigk (CDU) diskutieren auf Einladung unserer Zeitung, wie die Rheinbahn attraktiver werden kann und woher das Geld dafür kommen könnte

Düsseldorf..  Die Verkehrsexperten Martin Volkenrath (SPD) und Andreas Hartnigk (CDU) diskutieren auf Einladung unserer Zeitung, wie die Rheinbahn attraktiver werden kann und woher das Geld dafür kommen könnte

NRZ: Sie haben einmütig den neuen Nahverkehrsplan verabschiedet. Wer kümmert sich denn jetzt um die Autofahrer?

Martin Volkenrath: Man muss den Nahverkehrsplan im Kontext der Gesamtverkehrsplanung sehen. Wir nehmen da jetzt eine neue Priorisierung vor mit dem Ziel, den Nahverkehr attraktiver zu machen und dadurch Autofahrer zu bewegen, auf Bus und Bahn umzusteigen.

Andreas Hartnigk: Eine solche neue Priorisierung sehe ich nicht. Wir wollen das Angebot der Rheinbahn erweitern, aber wir müssen auch dem Umstand Rechnung tragen, dass wir eine Pendlerstadt sind und es Gebiete gibt, die nicht so gut erschlossen sind, dass die Menschen von dort mit Bus und Bahn zur Arbeit nach Düsseldorf fahren können.

Lassen Sie uns über die Punkte sprechen, die Sie gemeinsam beschlossen haben. Sie wollen einen besseren Takt. Wann und welchen?

Hartnigk: Das fragen wir uns mit Blick auf die Ampel-Kooperation auch. Die einen forderten in ihrem Kommunalwahlprogramm noch die Verlängerung der Tagestaktung bis 21 Uhr, die anderen einen 15-Minuten-Takt bis 23 Uhr sowie einen 20-Minuten-Takt beim Nachtexpress – und im Beschluss gibt es nun gar keine konkreten Forderungen mehr.

Volkenrath: Das müssen wir nach Rücksprache mit den Kunden entscheiden. Möglich ist zum Beispiel, den bisherigen Takt bis 21 Uhr auszudehnen – wir beginnen bei den zentralen Hauptlinien. Wir werden uns auch um die Taktverbesserung in der Rush-Hour und am Wochenende kümmern. Wichtig für die Verbesserung des ÖPNV ist auch die Beschleunigung, zumal sie Busse und Bahnen nicht nur attraktiver macht, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.

Alle Bemühungen in dieser Hinsicht sind bisher gescheitert, die Rheinbahn zählt zu den Verkehrsunternehmen mit der geringsten Durchschnittsgeschwindigkeit. Wie sieht Ihr Heilmittel da aus?

Volkenrath: Wir brauchen intelligente Ampelschaltungen, die den Bahnen zum Beispiel einen kleinen Vorsprung an den Kreuzungen geben. Und wenn es irgendwo beim Abbiegen Konkurrenz mit Autofahrern gibt, dann muss der Autofahrer im Zweifelsfall eben warten. Meine Vision: Bahnen halten nur noch an der Haltestelle.

Hartnigk: Eine uneingeschränkte Vorfahrt für den ÖPNV wird es nicht geben können, dann bricht der Verkehr in Düsseldorf zusammen. An vielen Stellen hat der ÖPNV jedoch bereits Vorfahrt. Wir können aber vor allem beim Einsteigen etwas tun.

Was denn?

Hartnigk: Wir müssen den Ausbau der Barrierefreiheit schneller voranbringen, damit die Leute besser und schneller ein- und aussteigen können. Leider ist der Bau von Hochbahnsteigen zuschussabhängig, und da sind Sie dann schnell am Ende. Das zeigt das Beispiel Luegplatz, für den wir noch keine Zuschüsse haben. Ich wäre sehr froh, wenn es dort schon einen Hochbahnsteig gäbe, dann würden viele sehen, wie gut solche Bahnsteige aussehen und funktionieren.

Volkenrath: Das stimmt, wir wollen den Ausbau von Hochbahnsteigen deutlich fördern. Aber mit Blick auf die Barrierefreiheit steckt auch noch sehr viel Potenzial im Umbau der Haltestellen von Niederflurbahnen, siehe Grafenberger Allee und viele Stellen des Lastrings. Wir müssen auch gucken, wo wir weitere eigene Wege für Bahnen schaffen können. Die Linie 706 ist eine der langsamsten Linien, weil sie an zu vielen Stellen in Konkurrenz mit dem motorisierten Verkehr steht.

Hartnigk: Aber Sie können doch den Verkehr da nicht wegbeamen, das ist eine zwingende Achse, die die Stadt braucht.

Volkenrath: Wir werden den ÖPNV und die nicht-motorisierten Verkehrsarten so attraktiv machen, dass es sich für die Autofahrer lohnt umzusteigen.

Mit welchen Fahrzeugen wollen Sie all die neuen Angebote bewältigen?

Hartnigk: Das ist kurzfristig nicht zu machen. Sie können nicht mal eben zwei, drei Bahnen dazukaufen, die gibt es am Markt nicht. Es ist Augenwischerei, wenn Sie sagen ,2017 haben wir einen besseren Takt’.

Volkenrath: Vor allem in der morgendlichen Rushhour ist der Fahrzeugeinsatz hart auf Kante genäht. Da sind wir bei fast 100 Prozent. Bei anderen Zeiten, abends und an Wochenenden, haben wir noch deutliche Ausbaumöglichkeiten.

Jetzt haben Sie beide erklärt, was nicht geht. Woher aber kommen die Fahrzeuge, die Sie brauchen, damit es geht?

Volkenrath: Man kann auch Fahrzeuge einsparen, in dem die zeitlichen Umläufe verbessert werden. Also das Tempo erhöhen, Zeit sparen, Fahrzeuge sparen.

Hartnigk: Wenn Sie dann, wie im Stadtrat beschlossen, die U 71 in zwei Routen aufspalten, heben Sie diesen Effekt gleich wieder auf.

Zumindest bei den Bussen könnten Sie das Fahrzeug-Problem lösen: über mehr Fremdvergaben.

Hartnigk: Da haben Sie Recht, an Busse kommt man immer ran. Und wir haben noch einen Puffer, den wir ausschöpfen können.

Volkenrath: Wenn es sich nicht anders realisieren lässt, dann müssen wir auch über situationsbedingte Ausnahmen, also Fremdvergaben, diskutieren.

Unabhängig von den Inhalten benötigen Sie beide Geld, um Ihre Ideen umzusetzen. Woher soll das kommen?

Hartnigk: Wir haben bei der Preisgestaltung im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) immer noch Nachholbedarf. Im Verkehrsverbund Rhein-Sieg etwa kostet eine vergleichbare Monatskarte im Abo fast elf Euro mehr. Wir leiden da im VRR unter dem Ruhrgebiet, das uns die Preise diktiert. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Thomas Geisel, hat angeregt, einmal nachzudenken, in den VRS zu wechseln.

Volkenrath: Diese Ansicht teile ich nicht. Diese Ressentiments gegenüber dem Ruhrgebiet halte ich für unangemessen. Außerdem müssen wir uns über Bundesmittel unterhalten, die Bevorzugung von Bayern und Baden-Württemberg ist so nicht weiter hinnehmbar. NRW, und damit auch Düsseldorf, braucht hier einen deutlich größeren Schluck aus der Pulle. Und bei der Preisgestaltung des VRR sind wir in einem Grenzbereich.

Hartnigk: Und in Köln geht das?

Volkenrath: Wir müssen erst einmal schneller und pünktlicher werden und bessere Informationssysteme anbieten. Dann sind Normalverdiener eher bereit, mehr dafür zu bezahlen. Wir dürfen die Niedrigverdiener aber nicht vergessen, wir müssen ein modifiziertes Sozialticket schaffen. Das alles braucht Zeit. Und Mut.


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