Ein Fall für Stubbe

Hilden.. Die Diplompsychologin Britta Stubbe (48) sitzt in einem geräumigen, kindgerechten Büro unterm Dach des Rathauses im fünften Stock. Ein Puppenhaus gehört zum Inventar und ein Tisch mit Sitzplätzen. Hier beobachtet sie die Eltern und deren Babys im Umgang miteinander und gibt ihnen praktische Ratschläge. „Wer nicht selbst kommen kann, den besuchen wir auch zu Hause, egal, ob in Hilden oder in Haan“, betont sie.

Die Psychologische Beratungsstelle von Hilden und Haan hilft bei Erziehungs- und Schulproblemen und seit drei Jahren auch Eltern mit so genannten Schreibabys: „Die Kollegin Angela Wittchow und ich haben zuerst eine Fortbildung besucht und dann dieses Angebot aufgebaut.“ Es wurde von vorneherein gut angenommen: „Jeden Monat melden sich etwa vier Eltern mit Schreibabys bei uns“, sagt Stubbe. Sie selbst ist Mutter eines 13-jährigen Sohns, der zum Glück „pflegeleicht“ gewesen sei.

Nicht die Schuld der Eltern

Trotzdem hat sie eine Vorstellung davon, wie nervenaufreibend es sein kann, wenn Babys lange und laut schreien: „Während unserer Ausbildung mussten wir uns eine Viertelstunde lang Babygeschrei anhören. Das war furchtbar, obwohl noch nicht mal ein Baby im Raum war und die Stimme nur vom Band kam. Dass wir auf dieses Geschrei so heftig reagieren, ist ein Urinstinkt des Menschen.“ Dementsprechend gestresst sind die Eltern von Schreibabys. Stubbes erste Tat sei es jedes Mal, den Ratsuchenden zu erklären, dass es nicht ihre Schuld ist, wenn die Kinder schreien.

Petra Müller (Name geändert) aus Haan war so eine Mutter. Sie hatte bereits einen kleinen Sohn, der „ruhig und pflegeleicht“ war, und hatte nun eine Tochter, die viel schrie und nicht einschlafen wollte: „Ich hab sie genauso behandelt wie meinen Sohn und konnte mir nicht erklären, warum sie ständig schreit. Weder Zäpfchen vom Kinderarzt, noch Globuli von der Hebamme halfen. Organisch war auch alles in Ordnung.“ Als Tochter Mia acht Monate alt war, war die Mutter mit den Nerven am Ende. Ständiger Schlafmangel tat ein Übriges. Nachdem sie sich in der Beratungsstelle gemeldet hatte, bekam sie innerhalb von Tagen einen Termin. Stubbe vergibt für Schreibabys immer kurzfristig Termine, weil sie um die Belastung weiß. Einmal pro Woche melden sich neue verzweifelte Eltern bei ihr. 43 waren es im vergangenen Jahr.

Petra Müller ist froh, dass sie Hilfe gesucht hat: „Frau Stubbe hat Mia und mich erst beobachtet und auch auf Video aufgenommen. Auch mein Mann wurde gefilmt. Danach gab es Tipps, die sehr hilfreich waren.“ Mia, lernten die Eltern, sei ein sehr lebhaftes und aufmerksames Kind. „Sie empfahl uns, Mia aus dem Elternschlafzimmer zu nehmen und in einen separaten Raum zu legen. Das hat sofort geholfen.“

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