Ein echt „plattes“ Wörterbuch

Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool

Düsseldorf..  Er ist ein Kind der Altstadt, wurde im Theresienhospital geboren. Sein Elternhaus in der Straße „Altestadt“ steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

„Damals hat man halt Platt gesprochen. Dieser wunderbare Wohlklang ist mir nicht mehr aus den Ohren gegangen. Deshalb habe ich mich immer weiter damit intensiv beschäftigt“, sagt „Charle Manes“ Stein. Der mittlerweile 76-Jährige betätigt sich als Mundart-Forscher, arbeitet seit mehr als zehn Jahren an der „Manes-List“, einem Wörterbuch mit Platt-Begriffen. Das Werk ist inzwischen auf mehr als 36 000 Vokabeln angewachsen. Passend zum Stadtjubiläum „725 Jahre Düsseldorf“ ist es ab sofort kostenlos auf der Seite www.mundart-duesseldorf.de einzusehen. Karl-Hermann Stein fügt mit Updates und Ergänzungen ständig Aktualisierungen ein.

So reicht die Palette der Düsseldorfer Platt-Begriffe von A wie Aapenöss (Erdnuss) bis Z wie Zenzemöhrke (Kleines Mädchen, das im Dreck gespielt hat). Sein persönlicher Favorit ist „Liebelein“, als charmante Anrede für Frauen. Umgekehrt giftet man sanft mit „fiese Möpp“. Schärfer formuliert spricht man vom Drecksack, was zeigt, dass die Mundart durchaus noch aktuelle Facetten hat.

Um manche Begriffe zu entschlüsseln, musste „Charle Manes“ länger recherchieren. Zum Beispiel „krufte“ sagte ihm zunächst gar nichts. Letztlich fand er dann heraus, dass es ganz simpel „kriechen“ bedeutet.

Ganz persönliche Verzällches

„Das Düsseldorfer Platt ist immer noch lebendig, wenn auch auf kleinem Level“, sagt Stein, der in Mundart Gedichte verfasst und Kurzgeschichten, seine ganz persönlichen Verzällches. Die Müller-Schlösser-Akademie, die Alde Düsseldorfer, die Mundartfreunde, „aber auch viele Heimatvereine und Karnevalisten sind weiterhin dem Platt eng verbunden. Das erlebe ich zum Beispiel in Itter, wo ich jetzt wohne. Schön, dass die Mundart als Kulturgut so erhalten bleibt“, findet „Charle Manes“.

Auf seiner Internetseite hat er viele Unterrubriken. So ist die Anzahl der voll durchkonjugierten Verben auf 860 angewachsen. „Weil eine gedruckte Version nie den aktuellen Stand wiedergeben könnte, habe ich die ,Manes-List’ nicht als Buch veröffentlicht, sondern mich für die Online-Variante entschieden“, betont Stein, der früher für namhafte Firmen als Außenhandels- und Exportkaufmann tätig war, unter anderem in Afghanistan, im Irak und Libyen.

Jetzt gibt es die die Materialien von der Internetseite auch auf CD. Mundartfreunde können die jeweils aktualisierte Version bei „Charle Manes“ Stein bestellen, zum Selbstkostenpreis von zehn Euro, inklusive Versand. Dafür und für weitere Informationen rund ums Düsseldorfer Platt ist er unter der Rufnummer 211 210 zu erreichen. Vielleicht begrüßt er ja die Frauen am Hörer mit „Liebelein“? Nix för onjot!

 
 

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