Düsseldorfs Radfahrer leben gefährlich

Michael Mücke

Düsseldorf. „Wir können nicht warten. Wir müssen etwas tun.“ Die dramatisch hohe Zahl der Fahrrad-Unfälle in Düsseldorf zwingt den Leiter der Polizeiverkehrsdirektion, Martin Vonstein, zum Handeln.

Er will es nicht länger hinnehmen, dass hier jedes Jahr rund 650 Radfahrer verunglücken und startet deshalb gemeinsam mit der Stadt und der Verkehrswacht sowie mit Unterstützung des Fahrradclubs ADFC eine zwölfmonatige Kampagne unter dem Motto „Sehen und gesehen werden - Radfahren in Düsseldorf“.

Mit diesem einen Satz kommt er gleich zum Kern des Problems: Es werden deshalb so viele Radler vom Sattel geschleudert, weil sie schlicht von Autofahrern übersehen werden oder selbst nicht genau hinsehen und Regeln missachten.

Mit der Großaktion für die Sicherheit der Radfahrer will das Polizeipräsidium die Unfallzahlen deutlich senken. Der leitende Polizeidirektor Vonstein kündigte mehr Kontrollen gegen Radfahrer an, aber auch gegen Verkehrsteilnehmer, die Pedaler gefährden. Und er hat sein Team angewiesen, konsequent gegen Verkehrssünder vorzugehen. Da gibt es kein Pardon.

Aufklärungskampagne auf vielen Ebenen

Gleichzeitig starten Veranstaltungen zu Schwerpunktthemen, eine erste Aufklärungskampagne mit 5000 Plakaten läuft bereits. Großangelegte Verkehrskontrollen auf bestimmten Straßen wie bei der Aktion „Achtung Fußgänger“ sind auch geplant. Außerdem können Bürger dem städtischen Verkehrsmanagement oder der Polizei Straßen oder Kreuzungen nennen, wo besondere Gefahren für Radfahrer bestehen. Polizei und Stadt wollen später vor Ort nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Dafür sind spezielle Stadtrundfahrten geplant. Auch die Verkehrswacht ist mit von der Partie. Geschäftsführer Simon Höhner: „Wir wollen alle sattelfest machen.“ Und Roland Hahn, Vizechef des städtischen Verkehrsmanagements, ermahnte: „Die Autofahrer müssen auch die Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrnehmen.“ Die wichtigsten Punkte, warum die Kampagne nötig ist:

Mehr als jeder vierte Verunglückte ist ein Radfahrer. Die meisten Unfälle ereignen sich in Pempelfort, Bilk, Stadtmitte, Derendorf, Oberbilk und Unterbilk.

Keine Partei hat den Unschuldsengel auf ihrer Seite. Verursacher sind sowohl Biker, die sich nicht an Verkehrsregeln halten und Autofahrer, die nicht auf Radler achten.

Auch ein Problem: der Alkoholmissbrauch. Jeder 15. verunglückte Radfahrer stand unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. 60 Prozent hatten mehr als 1,6 Promille!