Düsseldorfer wollen Zeichen gegen Neonazi-Aufmärsche setzen

„Die Rechte“ – ein Auffangbecken verbotener Neonazi-Kameradschaften – will am Samstag in Aachen, Mönchengladbach und Düsseldorf demonstrieren. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ macht gegen die Aufmärsche mobil.
„Die Rechte“ – ein Auffangbecken verbotener Neonazi-Kameradschaften – will am Samstag in Aachen, Mönchengladbach und Düsseldorf demonstrieren. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ macht gegen die Aufmärsche mobil.
Foto: Achivbild: WR
Neonazis der verbotenen Kameradschaften Hamm, „Aachener Land“ und „Nationaler Widerstand Dortmund“ wollen am Samstag in Aachen, Mönchengladbach und bei einer Abschlusskundgebung vor dem Innenministerium in Düsseldorf demonstrieren. Anlass: der Prozess gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ will sich der Partei „Die Rechten" in den Weg stellen.

Düsseldorf. Antifaschistische Gruppen machen gegen Kundgebungen und Demonstrationen mobil, zu denen „Die Rechte“ – ein Auffangbecken verbotener Neonazi-Kameradschaften – am Samstag in Düsseldorf, Aachen und Mönchengladbach aufruft. Unklar ist, ob die Extremisten im Anschluss eine weitere Kundgebungstour durch das Ruhrgebiet planen. Auch die Bundestagabgeordnete Sahra Wagenknecht (Die Linke) unterstützt das Düsseldorfer Bündnis „Keinen Meter den Nazis“, das sich den Rechtsextremen in den Weg stellen will. „Wenn Neonazis aufmarschieren, werden wir uns ihnen in den Weg stellen – in Düsseldorf und überall“, schreibt die stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken.

Die Polizei Düsseldorf bestätigte auf Anfrage die Demonstration der rechten Splitterpartei in der Landeshauptstadt am Samstag, dem 16. März. Bei der Abschlusskundgebung in der Landeshauptstadt will „Die Rechte“ zum Innenministerium an der Harlodstraße ziehen. Unklar ist, ob die Veranstaltung an diesem Ort genehmigt wird. Die Gegendemonstranten treffen sich um 13 Uhr am Ufa-Kino am Hauptbahnhof.

Zu der von Neonazi Christian Worch gegründeten Partei „Die Rechte“ schreibt Sahra Wagenknecht: „Unter diesem scheinbar harmlosen Partei-Label sammeln sich in NRW militante Neonazis, führende Parteipositionen sind mit bekannten Nazischlägern besetzt“.

Das „Aktionsbüro Mittelrhein“, Sven Skoda und „Die Rechte“

Kurz nach den Verboten der neonazistischen Kameradschaften „Aachener Land“ und Hamm sowie des „Nationalen Widerstandes Dortmund“ (NWDO) durch das nordrhein-westfälische Innenministerium wurde bereits im September 2012 in Dortmund der erste „Die Rechte“-Landesverband gegründet. In diesem engagieren sich zahlreiche ehemalige Führungskräfte der verbotenen Organisationen. An der Spitze des Dortmunder Kreisverbandes steht etwa der Gründer des verbotenen NWDO, Siegfried Roland Borchardt. In der Hooligan-Szene wurde Borchardt als SS-Siggi und Gründer der Borussenfront bekannt.

Anlass der „Die Rechte“-Aufmärsche ist der Mammutprozess gegen 26 Rechtsextremisten des „Aktionsbüro Mittelrhein“ am Landgericht Koblenz. Die Anklage wirft 20 Männern die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor, sechs weitere sollen das „Aktionsbüro“ unterstützt beziehungsweise sich an Straftaten der Gruppe beteiligt haben. Die Angeklagten sollen Gegner aus dem linken Lager über Jahre hinweg ausspioniert und brutal attackiert haben. Ihr Ziel war laut Staatsanwalt „die Beseitigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“.

Nach Informationen der „Interventionistischen Linken Düsseldorf“ (IL), die sich ebenfalls am Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ beteiligt, buhlt „Die Rechte“ zurzeit um den Düsseldorfer Neonazi Sven Skoda, einen der Hauptangeklagten im Koblenzer Prozess. Er soll demnach bei der Europawahl als Spitzenkandidat antreten. Skoda war 2011 von Düsseldorf ins „Braune Haus“ des Aktionsbüros gezogen. In der Landeshauptstadt hatte der bundesweit vernetzte Neonazi das „Nationale Infotelefon“ betrieben, eine Kameradschaft angeführt und rechte Demonstrationen organisiert. Einer seiner Schwerpunkte: die „Anti-Antifa“-Arbeit.

Kundgebungtour durch das Ruhrgebiet?

Die am Samstag in Düsseldorf angemeldete Veranstaltung plant „Die Rechte“ als Abschlusskundgebung nach den Aufmärschen in Aachen und Mönchengladbach. Noch ist unklar, ob die Rechtsextremen am 16. März wie am von ihnen missbrauchten Antikriegstag 2012 eine zweite Kundgebungsroute durch das Ruhrgebiet planen.

Die Gegendemonstranten appellieren auch an die Düsseldorfer, gegen „Die Rechte“ Flagge zu zeigen. „Ich hoffe, dass sich viele Menschen den Aktionen gegen die Nazidemos anschließen“, schreibt Lutz Pfundner, Die Linke-Sprecher in Düsseldorf. „Wir werden zeigen, dass in Düsseldorf kein Platz für Neonazis und ihre menschenverachtende Ideologie ist.“

Pro NRW hetzte vor Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft 

Bereits am Donnerstag, 14. März, machten die rechten Populisten von „Pro NRW“ bei ihrer viel kritisierten NRW-Tour „Massenhafter Asylmissbrauch und Asylbetrug“ in Düsseldorf Station. Sie verbreiteten ihre Propaganda vor der Flüchtlingsunterkunft an der Lacombletstraße, nicht weit entfernt von der Moschee am Derendorfer S-Bahnhof.

Die gerade mal 17 Teilnehmer von "Pro NRW" erschienen gegen elf Uhr, über hundert Gegendemonstranten von der Flüchtlingsorganisation "Stay", der Diakonie, Vertreter von Parteien und Studentenorganisationen stellten sich gegen sie.

Demonstration

 
 

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