Düsseldorfer wollen weltweit einzigartiges Gaslicht behalten

Vertreter aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Bürgerschaft kämpfen gemeinsam für den Erhalt der Düsseldorfer Gaslaternen.
Vertreter aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Bürgerschaft kämpfen gemeinsam für den Erhalt der Düsseldorfer Gaslaternen.
Foto: Christine Holthoff
Über 9000 Menschen fordern in einer Petition den Erhalt der historischen Gaslaternen. Es ist die erfolgreichste Petition aller Zeiten in Düsseldorf.

Düsseldorf..  Sie gehören zum Düsseldorfer Stadtbild wie der Rheinturm und die Gehry-Bauten, nur sind sie bereits sehr viel länger Teil der Landeshauptstadt: die Gaslaternen. Doch viele von ihnen mussten in den vergangenen Jahren modernen, elektrischen Leuchten weichen – aus Kosten- und Umweltgründen, wie die Verwaltung damals argumentierte.

Der neue Oberbürgermeister Thomas Geisel hat zwar jüngst angekündigt, 4000 der gut 15 000 Gaslaternen erhalten zu wollen, das ist vielen Bürgern aber offenbar nicht genug. Mehr als 9000 Menschen haben nun eine Online-Petition für den Erhalt der historischen Beleuchtung unterzeichnet. Initiator und FDP-Ratsherr Rainer Matheisen stellte das Anliegen am Freitag bei einem Pressetermin vor.

Gaslaternen sind Kandidat für Weltkulturerbe

„Unsere Petition ist die erfolgreichste Online-Petition aller Zeiten in Düsseldorf. Und das hat seinen Grund“, sagte Matheisen. Denn man treffe kaum einen Bürger, der sich für einen Abriss ausspreche. „Wir haben jetzt zwar einen OB, der versichert hat, dass er auch an den Gaslaternen hängt und eine Ampelmehrheit, die einen Erhaltungsplan beschlossen hat“, so der FDP-Politiker weiter, „gleichzeitig haben wir aber das Problem, dass die Verwaltung weiter abreißt.“

Düsseldorf verfügt über das größte zusammenhängende Gasleuchtennetz der Welt. „Das ist auch ein Stück Industriekultur, mit dem sich die Stadt nach außen präsentieren kann“, gibt Matheisen zu bedenken. Und es könnte sogar noch eine Stufe weiter gehen: „Dass Berlin seine Gaslaternen fast komplett abreißen will, hat der World Monument Fund zuletzt sehr bedauert. Denn die Unesco hätte sie als Weltkulturerbe anerkennen können.“

Drei Bedenken, drei Gegenargumente

Aber gibt es nicht auch zahlreiche Bedenken, die gegen den Erhalt der Gasleuchten sprechen?

Stichwort Klimakiller: „Wenn wir sechs Millionen Euro in zwei Windräder investieren, hätten wir die gesamten Gaslaternen neutralisiert“, sagte Georg Schumacher von der Initiative „Pro Gaslicht“: Alternativ könne man sie auch mit Biogas betreiben. „Außerdem halten Gaslaternen 100 Jahre. Elektrische sind spätestens nach 40 Jahren hin, viele schon nach 25 Jahren.“

Stichwort Kosten: Die Stadtwerke, die für die Wartung der Straßenlaternen zuständig sind, halten neue LED-Lampen für wartungsärmer und somit wirtschaftlicher. Schumacher rechnet jedoch vor: „Eine komplette Umrüstung würde uns 150 Millionen Euro kosten. Das amortisiert sich niemals.“ Im Übrigen würden auch anliegende Hausbesitzer direkt zur Kasse gebeten: 50 Prozent des Preises für neue Laternen müssten sie zahlen – die andere Hälfte über Steuergelder aber indirekt auch.

Stichwort Gefährlichkeit: „Wenn mal ein Auto eine Gaslaterne umfährt, kommt da ein bisschen Gas aus dem Röhrchen“, sagt Schumacher, „dann kommt die Feuerwehr und klappt das wieder zu. Das ist nicht schlimmer als ein tropfender Wasserhahn.“

Die Petitionsunterzeichner wünschen sich nun eine politische Diskussion über den Erhaltungsplan. Bis dahin soll zudem der Abriss gestoppt werden. Gelingt das nicht, könnten Demonstrationen vor dem Rathaus folgen.

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