Düsseldorfer sucht Zeugen aus dem Tunnel

Am Montag dürfen Betroffene und Trauernde in den Tunnel Karl-Lehr-Straße. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Am Montag dürfen Betroffene und Trauernde in den Tunnel Karl-Lehr-Straße. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Foto: WAZ FotoPool

„Dass das Gelände nicht voll war, dass der zweite Tunnel geöffnet sein sollte - das sind alles Lügen!“ Loveparade-Besucher Markus Donath will die Situation am „Tatort Tunnel“ mit einer E-Mail-Aktion und Hilfe von Augenzeugen aufklären.

Der 27-jährige Düsseldorfer Markus Donath sucht Zeugen, um die Sperrung des zweiten Tunnels und der Notausgänge bei der Massenpanik auf dem Duisburger Loveparade-Gelände zu belegen.

Erst dachte er, das Schlimmste sei passiert. Die junge Freundin seiner Schwester sollte unter den Opfern der Duisburger Loveparade sein, und er machte sich Vorwürfe. Das war Sonntag. Dann erfuhr er, dass das Mädchen „nur“ zu den Verletzten in einem Krankenhaus gehörte. Aufatmen! Trotzdem blieb Wut. Wut über die Lügen der Veranstalter, Wut über die Duisburger Pressekonferenz, Wut über die schnoddrige Missachtung der Selbsthilfe, zu der die eingepferchten Raver gegriffen hatten - und nicht rauskamen.

„Da kam keiner raus“

Markus Donath, 27, ein Düsseldorfer, der erst mitten im fröhlichen Trubel und dann inmitten der Massenpanik des Musik-Dramas steckte, will es nicht auf sich beruhen lassen, was die Verantwortlichen für ein Bild vom angeblichen Ablauf weichzeichnen wollen. Er hat es anders erlebt. Und jetzt sucht er Zeugen, über die Öffentlichkeit, über die Internet-Communities, über Mailverteiler. „Dass das Gelände nicht voll war, dass der zweite Tunnel geöffnet sein sollte - das sind alles Lügen! Die Zäune waren dicht, die Leute kamen nicht raus. Sie hatten Angst. Und da wundert man sich, dass eine Massenpanik entstand?“

Seine Erfahrungen hat Markus Donath ab Samstagmittag gemacht und auch noch um 17 Uhr. Da nahm die Katastrophe ihren Lauf.

Kim aus Hilden, die mit ihren Düsseldorfer Freunden auf dem Platz war, bestätigt: „Der Tunnel war schon eine Stunde vorher überfüllt. Die Leute haben Zäune eingerissen, sie konnten sich ja kaum noch bewegen. Es gab keine Präsenz von Sicherheitskräften.“

„Tatsachen verdreht“

Als sie selbst versuchte, um 17 Uhr das Gelände zu verlassen, „waren die Notausgänge abgesperrt“. Wieder musste zur Selbsthilfe gegriffen, mussten Zaunstücke beseitigt werden, bevor die Düsseldorfer sich querfeldein im weiten Bogen zum Bahnhof aufmachen konnten.

Unfassbar sind für Markus die Zahlenspiele der Offiziellen zwischen 200.000 und 1,4 Millionen Anwesenden. Und eben die Behauptungen, die über den einzigen offenen Tunnel hinausgehen. „Meiner Meinung nach und nach dem, was ich persönlich erlebt habe, werden in diesem Fall die Tatsachen verdreht und gelogen“, sagt er und appelliert an die Besucher der Loveparade, mit ihm zu bezeugen, wann es wie um den „Tatort Tunnel“ tatsächlich bestellt war. Dafür hat Markus Donath eine Mailadresse eingerichtet, an die all jene schreiben sollen, die im Tunnel feststeckten: zeugelp2010@hotmail.de.

EURE FAVORITEN