Düsseldorfer Polizei stoppt immer häufiger zugedröhnte Autofahrer

Immer häufiger gehen der Düsseldorfer Polizei Fahrer ins Netz, die Drogen genommen haben.
Immer häufiger gehen der Düsseldorfer Polizei Fahrer ins Netz, die Drogen genommen haben.
Foto: dapd
Im vergangenen Jahr hat die Düsseldorfer Polizei fast doppelt so viele Menschen erwischt, die unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln mit dem Auto unterwegs waren, als noch in den zwölf Monaten zuvor. Die Dunkelziffer bei den Fahrten unter Drogeneinfluss sei exorbitant hoch, sagt ein Verkehrspsychologe.

Düsseldorf.. Im Jahr 2010 zogen die Beamten im Rahmen von normalen Unfallaufnahmen 19, bei allgemeinen Kontrollen 254 Personen aus dem Verkehr. Ein Jahr später waren es schon 37 bei Unfällen und 465 bei Kontrollen. „Wir wissen natürlich nicht, ob die Leute am Steuer verstärkt Pillen schlucken oder häufiger bekifft sind“, sagt Polizei-Sprecher Marcel Fiebig. „Fakt ist aber, dass wir mehr kontrollieren und dass unsere Leute besser geschult sind.“

Die Polizei erwischt nur einen Bruchteil der Fahrer

Die Dunkelziffer bei den Fahrten unter Drogeneinfluss ist tatsächlich exorbitant hoch. Sagt Verkehrspsychologe Kai Lenßen, der in Düsseldorf Chef einer interdisziplinär agierenden Gruppe von Experten ist, die für ihre Kunden Lösungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Kommunikation, Politik, Umwelt, Mobilität, und Stadtplanung erarbeitet. „Bei bekifften oder zugekoksten Autofahrern ist die Auffallwahrscheinlichkeit 1 zu 300 bis 1000“, hat Lenßen heraus gefunden. Das heißt: Nur ein Bruchteil der Leute wird erwischt.

Der Psychologe spricht in diesem Zusammenhang von einer „potenziellen Schrecklichkeit“ des Risikos. „Wenn ich weiß, dass meine Aktion den Tod zur Folge haben kann, lasse ich in der Regel die Finger davon. Wenn aber die Gefahr, erwischt zu werden, sehr gering ist, setze ich mich hinters Steuer.“

In Düsseldorf werden allgemein mehr Drogen konsumiert

Doch nicht nur im Straßenverkehr, sondern allgemein werden in Düsseldorf deutlich mehr Drogen konsumiert. „Das liegt auch daran, dass das Einstiegsalter immer weiter nach unten geht“, sagt Lenßen. Dies wiederum habe mit vielen Faktoren zu tun: Die Eltern sind weniger streng, es gibt immer mehr Alleinerziehende, dazu immer mehr Taschengeld – „kurioserweise bei Kindern aus ärmeren Verhältnissen.“ Dann sind Drogen günstiger geworden und vor allem: leichter zu beschaffen. „In vielen Schulen werden leichte Drogen wie Haschisch heute ganz offiziell verteilt“, weiß der Verkehrspsychologe. Er behauptet: „Jede weiterführende Schule hat ihr ganz eigenes Drogenproblem!“

Günther Haverkamp von der Düsseldorfer „Aktion Weißes Friedensband“ führt häufig Aktionen in Schulen durch, auch zum Thema Drogen. „Die Möglichkeiten für Jugendliche, sich vernünftig zu beschäftigen, sind sehr gering, da es am Geld mangelt“, sagt der 64-Jährige. Ein vernünftiger Abend im Club koste um die 30 Euro. „Dies ist viel zu teuer im Vergleich zu einem Gramm Marihuana“, so Haverkamp, der vor einem Jahr das von der Landeszentrale für politische Bildung NRW unterstützte Projekt „Restrisiko“ auf die Beine stellte. Dabei ließ er Schüler der Sekundarstufe I und II selbst Lösungen zum Thema suchen und finden. „Zu Beginn hat die Mehrheit der Jugendlichen eine Freigabe aller Drogen befürwortetet. Doch dann haben sie eine komplette Wende vollzogen. Einer hat sogar die Freigabevorstellungen auf politischer Ebene kritisiert.“

Viele auch ohne Drogen auffällig

Zurück zum Verkehr: Kai Lenßen wird sich bald auch mit Personen auseinandersetzen, die – aus welchen Gründen auch immer – zur MPU (Medizinisch Psychologische Untersuchung) – auch Idiotentest genannt – antreten müssen. Und zwar insofern, als dass er sie auf diese Tests vorbereitet. Die Kurse laufen ab kommenden Jahr in Kooperation mit der Dekra und haben, so der Psychologe, „in anderen Städten bereits deutliche Erfolge gezeigt.“

Und die Lösung? „Im Idealfall sollte man Drogenkonsum und Autofahren voneinander trennen“, sagt Lenßen. Allerdings sei es so, dass Verkehrsteilnehmer auch ohne Drogen zum Teil erhebliche Auffälligkeiten zeigen, wie Kai Lenßen mit Zahlen belegen kann.

Beispiel Raser: Auf optische Warnsignale wie den Smileys in den 30er-Zonen, die ein mürrisches Gesicht machen, wenn man zu schnell mit dem Auto unterwegs ist, „springen selbst in nüchternen Zustand nur 30 Prozent der Autofahrer an.“

 
 

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