Düsseldorfer gehen gegen den Lärm der Güterzüge auf die Barrikaden

Michael Mücke
In den Wohngebieten nahe des Güterzugverkehrs ist der Lärmschutz für die Anwohner besonders wichtig. Unser Bild zeigt den Bahnübergang Kamper Weg / Eller Kirchstraße.
In den Wohngebieten nahe des Güterzugverkehrs ist der Lärmschutz für die Anwohner besonders wichtig. Unser Bild zeigt den Bahnübergang Kamper Weg / Eller Kirchstraße.
Foto: Ingo Lammert
Den Düsseldorfern reicht es: Mehrere Anwohner-Initiativen schließen sich gegen der Lärm der Güterzüge zusammen. Durch Eller fahren derzeit über110 Züge pro Tag, mit der Fertigstellung der Betuwe-Linie werden es rund 220 sein. Auch Politiker fordern Lärmschutzwände, doch die Deutsche Bahn stellt sich quer.

Düsseldorf. Ob im Osten oder Süden der Stadt Düsseldorf - immer mehr Bürger gehen gegen den Lärm der Güterzüge auf die Barrikaden. Mehrere Anwohner-Initiativen schließen sich jetzt zusammen. Auch die Politik ist sich in dieser Sache weitgehend einig und fordert Lärmschutzwände in den betroffenen Siedlungen. Doch die Deutsche Bahn sei „ein harter Knochen“, ein wirklich schwieriger Gesprächspartner, hieß es aus dem Verkehrsausschuss.

Jetzt hat die DB Netz noch zusätzlich die Stimmung angeheizt, als sie vor wenigen Tagen erklärte, derzeit „keine zusätzlichen Lärmschutzmaßnahmen“ zu ergreifen. Speziell geht es um die Güterzugstrecke 2324 zwischen Mülheim und Troisdorf, die auch quer durch Düsseldorf auf einer Länge von über zwölf Kilometern von Rath bis nach Benrath verläuft. Über zehn Stadtteile, darunter die Ostparksiedlung und das Märchenland in Grafenberg, Flingern, Eller und Vennhausen sind vom Schienenlärm betroffen. Derzeit zählt die DB in Eller über 112 Züge pro Tag. Wenn die Betuwe-Linie fertig ist, gehört sie zur Hauptstrecke zwischen Genua und Rotterdam. Dann werden hier laut Prognose rund 220 Güterzüge pro Tag verkehren - fast doppelt so viele wie heute.

220 Güterzüge pro Tag donnern über die Strecke

„Das wird eine der wichtigsten Routen im europäischen Raum“, sagt Martin Volkenrath, Vorsitzender des Ordnungs- und Verkehrsausschusses. „Der Verkehr wird so stark verdichtet. Da muss dringend Lärmschutz hin.“ Die DB fühlt sich dazu aber nicht automatisch verpflichtet, spricht von Bestandsschutz. Das bringt den CDU-Fraktionsvorsitzender der Bezirksvertretung 8, Christian Rütz, in Rage: „Für diesen Güter-Highway“ müssten Lärmschutzwände in den belasteten Vierteln in Vennhausen, Eller und Lierenfeld installiert werden. Lärmschutzfenster seien für ihn keine Lösung. „Die Menschen müssen auch bei offenem Fenster vor dem Schienenverkehrslärm geschützt werden.“

Die Gerresheimer und Grafenberger Bürgerinitiative „Bahnlärm - so nicht“ will sich jetzt auch mit den betroffenen Bürgern in den anderen Stadtteilen zusammenschließen und gemeinsam auftreten. „Seit Jahrzehnten donnern Güterzüge mit uralten Waggons, mit einer Lautstärke von bis zu 90 Dezibel und mit einem Gewicht von bis zu 5000 Tonnen durch unsere Wohngebiete und rauben uns besonders in den Nächten alle paar Minuten den Schlaf“, kritisiert Initiator Kaspar Michels aus Grafenberg.

Ganzer Katalog mit Forderungen

Er hat einen ganzen Katalog an Forderungen zusammengestellt: ein strengeres Tempolimit, ein Nachtfahrverbot in Wohngebieten für alte Güterzüge mit lauten Grauguss-Bremsen, die Umrüstung auf sogenannte „Flüsterbremsen“ und konsequenten Lärmschutz an Rädern, Schienen und im Gleisbett sowie Schutzwände. Der Pegel dürfe langfristig 40 Dezibel in der Nacht nicht überschreiten.

Auf der Prioritätenliste des Verkehrsausschusses steht zudem der Güterzug-Bahnübergang Am Hackenbruch in Eller, auf dem am 12. Dezember 2012 bei einem Zusammenstoß mit zwei Zügen ein Linienbus zerfetzt worden war. Ein Tunnel würde solche Unfälle ausschließen. Die Stadt soll sich aber an den Kosten von sieben Millionen Euro zu einem Drittel beteiligen, obwohl beider geplanten Verdoppelung des Zugverkehrs „eine andere Lösung eh’ nicht in Frage kommt“, kritisiert Volkenrath. Noch mehr Zündstoff.